Kaufnebenkosten von Immobilien steigen : Justitia erhöht zum August die Preise

Immobilien werden in Deutschland noch teurer. Anwälte, Notare, Gutachter bekommen mehr Geld.

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Mit Augenmaß. Zum 1. August 2013 steigen zahlreiche Gerichtskosten. Immobilienkäufer müssen für die Dienste von Anwälten und Notaren tiefer in die Tasche greifen.
Mit Augenmaß. Zum 1. August 2013 steigen zahlreiche Gerichtskosten. Immobilienkäufer müssen für die Dienste von Anwälten und...Foto: Kai Remmers

Wer die Hilfe eines Anwalts oder Notars braucht, zahlt ab dem 1. August mehr. Denn noch vor der Sommerpause hat der Bundesrat das etwas sperrig klingende „Kostenrechtsmodernisierungsgesetz“ durchgewunken. Für die Anwälte sind die vorgesehenen neuen Preise „eine längst überfällige Erhöhung“, sagt Christina Hofmann von der Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) in Berlin. Sie verweist darauf, dass die letzte lineare Gebührenerhöhung fast zwanzig Jahre zurückliegt. Die Notargebühren waren seit 1987 nicht mehr an die allgemeinen Lebenshaltungskosten angepasst worden.

Für Käufer verteuert sich damit einmal mehr der Erwerb von Immobilienbesitz: Die Kaufnebenkosten steigen. Denn die meisten Bundesländer haben auch die Grunderwerbsteuern erhöht oder planen dies, wie zum Beispiel das Bundesland Berlin. Hier soll der Steuersatz zum 1. Januar 2014 von fünf auf sechs Prozent steigen. „Das alles trägt dazu bei, dass es in Deutschland eine Eigentumsquote von unter fünfzig Prozent gibt“, sagte dazu auf Anfrage Eva Reinhold-Postina für den Verband Privater Bauherren. „Wir haben es inzwischen mit den Kosten für einen Kleinwagen zu tun, die man beim Kauf einer Immobilie mit aus dem Ärmel schütteln muss.“

Auch Deutschlands nach eigenen Angaben größter Vermittler privater Baufinanzierungen Interhyp kritisierte die seit Jahren steigenden Kaufnebenkosten. „Die Politik kann Immobilien nicht einerseits als wichtigen Baustein in der privaten Altersvorsorge fördern wollen und andererseits zulassen, dass die Kaufnebenkosten zunehmend aus dem Ruder laufen“, sagte Michiel Goris, Vorstandsvorsitzender der Interhyp AG. Die Kaufnebenkosten machen durch die fortlaufenden Erhöhungen der Grunderwerbsteuer in einigen Bundesländern mittlerweile bis zu 14 Prozent des gesamten Immobilienkaufpreises aus, besonders wenn zudem eine Maklercourtage fällig wird.

Auch das Grundbuchamt verlangt mehr. „Damit steigen die Kaufnebenkosten weiter“, sagte Gabriele Heinrich, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Verbraucherschutzvereins Wohnen im Eigentum e.V. auf Anfrage. „Wir raten den Käufern, diese Posten von vornherein in die Kalkulation einzubeziehen, leider ist der pure Kaufpreis bei weitem nicht alles.“ Nach Berechnungen von „Wohnen im Eigentum“ betragen die Kosten für einen Grundbucheintrag für eine Immobilie im Wert von 200 000 Euro derzeit noch rund 357, künftig rund 435 Euro. Hier kommen in der Regel Kosten für die Vormerkung dazu sowie Schreibkosten.

Die Notarkosten für den Kauf einer Immobilie im Wert von 200 000 Euro rechnen sich künftig wie folgt: Für Beurkundung, Vollzug und Betreuung der Parteien stellte ein Notar bisher Gebühren in Höhe von etwa 1085 Euro netto in Rechnung. Jetzt liegen sie bei rund 1305 Euro netto. Das entspricht einer Gebührensteigerung von etwa 20 Prozent. „Die Notarkosten klettern bei Standardfällen um 220 Euro – insgesamt bleiben sie damit der kleinste Posten bei den Kaufnebenkosten“, sagt Interhyp-Vorstandsvorsitzender Goris. Wenn der Kauf durch eine Hypothek gesichert wird, fallen zusätzliche Notarkosten an. Bei einem Hausverkauf mit Ablösung einer alten Grundschuld steigen die Gebühren sogar um 835 Euro auf 3135 Euro, ein sattes Plus von 36 Prozent. Dieses Szenario ist allerdings nicht der Normalfall.

Immobilienkäufer sollten sich aber durch das in der ersten Juliwoche durch den Bundesrat gebilligte Gesetz nicht unter Zeitdruck setzen lassen. Eine Gebührenerhöhung ist kein Argument für einen übereilten Immobilienkauf. Der Verband Privater Bauherren rät zum separaten Kauf von Grundstück und Haus – ein preisentscheidender Unterschied und Vorteil gegenüber dem Erwerb schlüsselfertiger Objekte von einem Bauträger. Die Grunderwerbssteuer ist nämlich nur auf den Kaufpreis des Grundstückes zu entrichten, wenn für Grundstück und Haus getrennte Verträge von verschiedenen Verkäufern bestehen. Dies gilt aber nur, wenn es wirtschaftlich voneinander unabhängige Verträge sind.

Die guten Nachrichten sollten zum Schluss nicht fehlen: Mitunter kann es für Immobilienkäufer ab August auch etwas preiswerter werden. So werden die Gebühren für das notarielle Anderkonto nach Angaben des Kreditvermittlers für Immobilienfinanzierungen Interhyp um bis zu sechzig Prozent reduziert. Das habe in manchen Gebieten Deutschlands, etwa in Hamburg, große Auswirkungen, so die Finanzierungsexperten: Immobiliengeschäfte werden dort traditionell mittels notarieller Anderkonten abgewickelt. Billiger wird ebenfalls die Löschung einer eingetragenen Grundschuld. Bisher wurden hier beispielsweise bei einer Grundschuld über 350 000 Euro rund 130 Euro fällig, künftig sind es nur noch 20 Euro.

Während die Kosten für den Immmobilienkauf steigen, verbesserten sich in den vergangenen Jahren die Finanzierungsbedingungen durch die niedrigen Zinsen. Vor fünf Jahren lagen die Zinsen für einen Immobilienkredit noch bei rund fünf Prozent mit zehnjähriger Zinsbindung. Aktuell sind es trotz zuletzt kräftig gestiegener Konditionen gerade einmal 2,5 Prozent.

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