Kein Platz für Flüchtlinge : Leeres Wohnheim bleibt zu

Charlottenburg sieht bei der Evangelischen Kirche wenig Neigung, das "Haus der Kirche" zu öffnen. Eigentlich wollte das Konsistorium den Gebäudekomplex abreißen lassen - dann kam der Denkmalschutz dazwischen.

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Das Studentenwohnheim im Gebäudekomplex "Haus der Kirche" steht seit Jahren leer. Foto: Reinhart Bünger
Das Studentenwohnheim im Gebäudekomplex "Haus der Kirche" steht seit Jahren leer.Foto: Reinhart Bünger

Wenn es nach dem Konsistorium der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz geht, ist im Charlottenburger „Haus der Kirche“ auch in Zukunft kein Platz für Flüchtlinge. Nicht in dem belegten Mietwohnhaus. Und vor allem nicht in dem seit 2012 leer stehenden Studentenwohnheim des Gebäudeensembles an der Goethe-/Ecke Krumme Straße.

Um die – vorübergehende oder dauerhafte – Belegung des vierstöckigen Baus bahnt sich nun ein handfester Streit des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf und dem Land Berlin mit der Landeskirche an, die währenddessen noch keine eigenen Vorstellungen entwickelt hat, was aus dem Wohnheim werden sollte, werden könnte.

Der Stadtrat für Stadtentwicklung und Ordnungsangelegenheiten von Charlottenburg-Wilmersdorf, Marc Schulte, hat die jüngsten Worte des Rates der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) zum Thema Empathie in der Flüchtlingssituation zwar vernommen, allein ihm fehlt der Glaube: „Die Evangelische Kirche hat die Sorge, dass sie das Gebäude nicht wieder freibekommt, wenn es einmal belegt ist. Mich ärgert, dass das nicht offen gesagt wird. Klare Kante ist manchmal besser.“

Der Bezirk erwartet, dass die Kirche das Haus bis zum Sommer bereitstellt

Wer beim Kirchlichen Bauamt mehr über die Pläne und den baulichen Zustand des ehemaligen Studentenwohnheims erfahren will, prallt ab von einer Mauer des Schweigens. Weder der Leiter des Kirchlichen Bauamtes noch die für das Kirchliche Immobilienmanagement zuständige Mitarbeiterin sind zu einer Auskunft bereit.

Über ihre Pressestelle lässt die evangelische Landeskirche schließlich ausrichten, dass sie zur Zeit gar keinen Platz für Flüchtlinge hat. Weder im Gebäudekomplex „Haus der Kirche“ – zu dem das Studentenwohnheim gehört – noch anderenorts: „Kirchen und Gemeinderäume sind in aller Regel nicht dafür geeignet, Flüchtlinge menschenwürdig dauerhaft unterzubringen. Die Landeskirche verfügt nicht über leerstehende Mehrfamilienhäuser, die sie für die Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung stellen könnte.“

Allein einzelne Wohnungen seien von Kirchenkreisen und Kirchengemeinden an Flüchtlinge vermietet worden. Im Übrigen hätten Untersuchungen der öffentlichen Hand ergeben, dass das in Rede stehende Haus mit Blick auf den hohen Instandhaltungsaufwand nicht für die befristete Unterbringung von Flüchtlingen geeignet sei. Dies sei aber angeboten worden.

Der Bezirk sieht eine andere Perspektive. Laut Schulte spricht zunächst einmal rechtlich nichts gegen eine Unterbringung, wenn der Eigentümer dem zustimmt. Und so habe der Bezirk die Immobilie dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) als leerstehend gemeldet. Und zum technischen Zustand sagt der Bezirksstadtrat, er erwarte, dass die Kirche das Haus „nach Umbaumaßnahmen bis zum Sommer“ bereitstelle.

Dem schiebt Heike Krohn, Leiterin der Pressestelle der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, vorab alle erdenkbaren Riegel vor: „Es ist nicht bewohnbar, die Bausubstanz ist stark geschädigt, Wasser- und Stromversorgung sind außer Betrieb. Eine Beheizung des Gebäudes ist nicht möglich.“

Eine Machbarkeitsstudie beschäftigt sich mit der künftigen Nutzung

Die Gründe für diese Haltung sind nachvollziehbar, wenn man weiß, dass die Kirche das seit 1. November 2012 unter Denkmalschutz stehende Ensemble zu Geld machen könnte. In einer älteren Publikation des Evangelischen Arbeitskreises der CDU Charlottenburg-Wilmersdorf heißt es: „Eine Unterschutzstellung hätte zwangsläufig den Rückzug der Kirche von diesem Standort zur Folge – mit dem Ergebnis extremer Ungewissheit, was dann aus dem leeren Baudenkmal werden würde.“

Nach Informationen des Tagesspiegels hat die Evangelische Kirche eine Machbarkeitsstudie in der Bearbeitung, die sich damit beschäftigt, wie das Ensemble künftig genutzt werden könnte. Abriss- und Neubaupläne durch die Kirche sind wegen des Denkmalschutzes zunächst vom Tisch. Nun sollen die Gebäude zunächst saniert und energetisch auf den aktuellen Stand gebracht werden.

Das ursprüngliche Bauprogramm aus den sechziger Jahren sah einen Gesamtkomplex mit Hospiz, Sitzungs- und Versammlungsräumen, einem Studentenwohnheim, einigen Dienstwohnungen und über 60 Wageneinstellplätzen vor. Der Begriff „Haus der Kirche“ als gemeindeübergreifendes kirchliches Zentrum entstand erst während der Planung mit ihren weitreichenden Änderungen.

Heute hat das „Amt für Kirchliche Dienste“ hier seinen Sitz. Die Fort- und Weiterbildung gehört zu seinen Arbeitsschwerpunkten. Eigentlich optimal zur Integration von Flüchtlingen.

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