Immobilien : Keine Angst vor dem großen Euro

OSKAR METZGER

Über das Verhalten der Anleger nach der Einführung des Euro gehen die Meinungen der Experten auseinander.Zu diesem Ergebnis kommt die Immobilientochter der Dresdner-Bank, die Gesellschaft Dr.Lübke.Dem Maklerunternehmen zufolge sind vor allem die Finanzdienstleister der Auffassung, daß es trotz Euro zu keiner "wesentlichen Erhöhung der Nachfrage nach Immobilien" kommen wird; dagegen gingen in der Immobilienbranche tätige Unternehmer - Makler wie Bauträger - nach Einführung des Euros von einem größeren Interesse der Anleger an krisensicheren Sachwerten aus.Diese Auffassung teilen die Experten der Deutschen Bank und von Goldman Sachs in ihren neusten Expertisen nicht.

Ermittelt haben die Immobilienberater von Lübke ihre jüngst veröffentlichten Trends im Rahmen einer repräsentativen Umfrage unter Kapitalanlegern.Diese sehen weder derzeit noch in der näheren Zukunft ein Veranlassung, größere Vermögensumschichtungen vorzunehmen.Rund vierzig Prozent der Befragten hätten angegeben, bereits heute in ihrer "Anlagestrategie" einen Schwerpunkt auf Immobilien zu legen.Daran werde sich auch nach Einführung der neuen Währung im vereinten europäischen Wirtschaftsraum wenig ändern.

Daß die Flucht in Sachwerte ausbleibt, liegt am Vertrauen der Kleinanleger in die Stabilität der neuen Währung.Wie die Deutsche Bank in Frankfurt am Main mitteilt, schätzt die Mehrzahl der Anleger die langfristigen Auswirkungen des Euros sogar als "ohne Zweifel positiv" ein.Mit der einheitlichen Währung ließen sich Preis- und Renditevergleiche besser ziehen, weil Währungsschwankungen und Umtauschkosten wegfallen.Wenn der Euro aber stabil sei und die Inflation niedrig bleibe, könne es sogar zu einem leichten Preisnachlaß bei Immobilien kommen, so die Deutschbanker.

Einen schärferen Wettbewerb auf den europäischen Baumärkten prognostiziert Goldman Sachs nach dem Start des Euros.Die amerikanische Investmentbank führt diese Entwicklung ebenfalls auf die bessere Vergleichbarkeit der Leistungen und Kosten für Finanzierungen auf einem einheitlichen Markt zurück; dies gelte auch für die Baupreise.Goldman Sachs erkennt darin die Chance von "langfristig substanziellen Kostensenkungen".

Aus der besseren Vergleichbarkeit resultieren aber auch negative Effekte für die Immobilieneigentümer im "Binnenmarkt Bundesrepublik".Darauf weist Lübke wiederum hin.Derzeit lägen hierzulande die Renditen von Immobilieninvestitionen unterhalb der in anderen europäischen Ländern.Da Immobilienfonds und institutionelle Anleger künftig ihr Kapital nach Belieben im europäischen Raum verteilen könnten, sei ein Abfluß von Mitteln aus Deutschland zu erwarten.Die Folgen seien höhere Zinsen, ein Rückgang der Immobilienpreise - bis die Renditen wieder steigen.

So warnen die Marktbeobachter vor einer Flucht in Sachwerte, ebenso wie vor einem Rückzug aus dieser Anlageform.Die Vergleichbarkeit ändere nichts an den wichtigsten Kriterien für den Wert von Immobilieneigentum: Wo die regionale Konjunktur stabil und die Lage des Objektes gut sei, dort seien keine drastische Preisschwankungen zu erwarten.

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