Immobilien : Keine Verhandlungssache

Hohe Nachfrage bei Luxuswohnungen in Berlin. Dabei ist der jeweilige Preis kaum der Rede wert.

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Die Kunden sprechen Englisch, Italienisch, Französisch, doch meistens Deutsch – allerdings ohne jeden Berliner Zungenschlag. Das Geschäft mit den Luxusimmobilien floriert in der Hauptstadt ganz ohne die „Spreeindianer“. Es sind, kühl durchgemustert, die Wohlstandsbetroffenen der Finanzkrise aus dem Westen und Süden, die jetzt ganz exklusiv in Berliner Luxuswohnraum investieren.

„Die Menschen haben Angst um ihr Geld“, sagt Bianca Nagel von Nagel City Immobilien am Hausvogteiplatz. „Wir legen es lieber so an, für die Tochter.“ Oder den Sohn. „Lieber so“ – das sind Immobilien mit einem Einstandspreis von 4000 Euro je Quadratmeter: chice Etagenwohnungen, Penthouses, Lofts. Während Bianca Nagel mit dem Tagesspiegel spricht, begleitet ihr Mann einen Käufer zum Notar. Der setzt seine Unterschrift unter einen Kaufvertrag über drei Wohnungen für insgesamt 900 000 Euro. Die Kaufinteressenten der Nagels „kommen von überall her, von Dessau bis Washington“. 90 Prozent seien Inländer – oder Deutsche, die eine Weile im Ausland lebten und nun heimkehrten. Und immer wieder heißt es: „Hätte ich doch schon vor fünf Jahren hier in Berlin gekauft.“

Der Markt ist schnell, da das Angebot knapp ist – jetzt greifen viele zu. Für die angestammten Berliner, die bekanntlich nicht zum Snobismus neigen, ist der Wohnkomfort bei 3000 bis 3500 Euro je Quadratmeter streng limitiert – das belegen auch die Zahlen der Grundstücksmarktberichte aus den vergangenen Jahren. Interessenten aus Hamburg, München oder Frankfurt am Main zucken nicht einmal bei Preisen von 5000 oder 7000 Euro je Quadratmeter, ganz zu schweigen von Menschen mit Londoner Immobilien-Erfahrung: Dort hat das Preisniveau für gediegenes Wohnen bereits die „untere Stratosphäre“ erreicht.

Jeder Makler in Berlin hat seine spezielle Klientel, die wiederum neue Kunden nachzieht. Zu Norbert Otto (BBI Immobilien) kommen fast nur Italiener – „die lieben Berlin“. Deren Rechnung geht schnell auf: Kein Land steht in der Euro-Krise besser da als die Bundesrepublik, und kein Fleck in Deutschland ist schöner als Berlin. In anderen Städten, so Otto, könne man höhere Renditen mit Immobilien erzielen, aber das spiele bei diesen Kunden keine Rolle. „Die haben kein Vertrauen in den Euro.“ Aber noch reichlich davon – sechs von zehn Käufern hätten die Summe passend parat, um die 40 Prozent finanzierten Teile des Kaufpreises. Und jetzt rückten die Franzosen zu den Italienern auf.

Was auffällt, ist nicht nur die schnelle Entschlossenheit der Luxusklientel. Michael Ries, Vorstand der Pantera AG, hat seine jüngsten Vertriebsprojekte auf dem Berliner Markt sorgfältig analysieren lassen. Beim Projekt „Amisia Finest Living“ an der Ecke Lietzenburger Straße zur Emser Straße waren die 33 Wohnungen in nur elf Monaten vermarktet – trotz der Preise von durchschnittlich 5275 Euro je Quadratmeter Wohnfläche. Auch die knapp 7000 Euro pro Quadrat für die Penthouseetage wurden akzeptiert. Ries: „Die Klientel kam überhaupt nicht auf die Idee, großartig zu handeln.“ Für sie war die luxuriöse Ausstattung und der begehrte Standort entscheidend.

Bei Objekten wie den „Fellini Residences“ (Kommandantenstraße) muss man nicht lange auf Interessenten warten, das „Spreegold“ aus dem Pantera Portfolio ist schon weitgehend in festen Händen. „Spreegold“ heißt das höchste Gebäude auf der Halbinsel Stralau, das derzeit entkernt wird: 94 Wohnungen sind bereits verkauft. Jetzt geht es noch um die drei Etagen, die auf den Achtgeschosser aufgesetzt werden dürfen. Der Spreeblick bis weit in die Stadt wird bis zu 8500 Euro pro Quadratmeter kosten.

Die vermögende Kundschaft achtet auf beste Ausstattung im Designerlook, auf Assistenz durch einen Concierge, vor allem auf hervorragende Bauausführungen. Norbert Otto: „Die Käufer erwarten einfach eine problemfreie Immobilie. Es muss alles tipptopp sein.“ Die Käufer honorieren dabei die deutsche Zuverlässigkeit. „Vieles wird vom Papier weg verkauft.“ Wobei Piloten anscheinend besonders viel Vertrauen in die Berliner Zukunft haben: Pantera-Chef Ries staunt, dass sich „schon eine ganze Piloten-Fraktion auf Stralau eingekauft hat“. Von dort ist man flott am künftigen Großflughafen BER...

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