KfW-Award : Wie Häuser ausgezeichnet werden

Berliner sahnen ab beim KfW-Award: Bezahlbares Wohnen, intelligent geplant in Kreuzberg, Schöneberg und Weißensee.

von
Schwieriger Standort: Das Grundstück an der Dennewitzstraße 1 mit der benachbarten U-Bahn, die hier durch das Haus Dennewitzstraße 2 fährt.
Schwieriger Standort: Das Grundstück an der Dennewitzstraße 1 mit der benachbarten U-Bahn, die hier durch das Haus Dennewitzstraße...Foto: Susanne Ehlerding

Eine gute Ausbeute konnten Berliner Architekturbüros dieses Jahr beim KfW-Award „Bauen und Wohnen“ nach Hause tragen: Zwei von fünf Hauptpreisen gingen in die Hauptstadt. Ein Mehrfamilienhaus in der Dennewitzstraße am Gleisdreieckpark bekam den ersten Preis in Höhe von 10.000 Euro – schon der x-te für das außergewöhnliche Projekt. Der Neubau von vier Mehrfamilienhäusern rund um ein historisches Rathaus in Weißensee erhielt den vierten Preis in Höhe von 3000 Euro. Ein Wohnhaus in der Geßlerstraße auf der Schöneberger Insel bekam eine von fünf lobenden Anerkennungen.

„Ziel des Wettbewerbs ist es, Impulse für nachhaltiges privates Bauen zu geben sowie zukunftsweisende Trends in Deutschland aufzuzeigen“, teilt die Kredianstalt für Wiederaufbau (KfW) mit. Motto in diesem Jahr war „Urbanes Wohnen – Häuser in der Stadt“. Die KfW zeichnete private Bauherren oder Baugemeinschaften aus, die ihr Projekt in der Stadt auf eine besondere Art und Weise umgesetzt haben.

"Kein Bauträger wollte das Projekt entwickeln"

Dieses Kriterium trifft auf das Haus Dennewitzstraße 1 schon allein wegen des Standortes zu. Das schmale, lange Grundstück befindet sich am Gleisdreieckpark direkt neben der U 1. Zwischen Gleisdreieck und Bülowstraße fährt sie erst durch das Haus Dennewitzstraße 2, um dann durch eine Umhausung in der Erde zu verschwinden.

Die Geschichte des Projekts erzählt viel über das Bauen in Berlin: „Anfangs wollte kein Bauträger das Projekt entwickeln“, schreiben die Architekten vom Büro roedig.schop, die das Haus gemeinsam mit den Kollegen von DMSW sowie sieglundalbert planten. Bei Baubeginn sei noch nicht absehbar gewesen, ob sich die Gegend zu einer besseren Wohnlage entwickeln würde. Heute ist das keine Frage mehr: In der Flottwellstraße nebenan wurden die Wohnungen für bis zu 5000 Euro pro Quadratmeter verkauft.

Doch 2009 planten die Architekten das Haus sicherheitshalber kostengünstig für 2100 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche einschließlich Grundstück (!) und suchten sich eine Baugruppe mit experimentierfreudigen Bauherren. Diese kauften dann vom Liegenschaftsfonds. Um zu überschaubaren Hausgrößen zu kommen, teilten die Architekten das Grundstück in drei Einheiten mit eigenen Aufgängen und je 13 bis 14 Wohnungen.

Zwei unkonventionelle Maßnahmen trugen zum niedrigen Baupreis bei: Die Wärmedämmung wurde ohne Oberputz montiert. Der war nämlich durch die auf Konsolen gelagerte Stahlfassade verzichtbar. Sie besteht aus goldfarbenen Gitterrostelementen, die sich wie ein Kleid um das Gebäude legen. Außerdem ist das Haus nicht unterkellert. Abstellräume gibt es als Metallboxen auf der großen gemeinschaftlichen Dachterrasse, die das gesamte Gebäude überzieht. Etwas aufwendiger als normal war die Gründung wegen der Erschütterung durch die U-Bahn.

Gute Nachbarschaft durch gemeinsame Planung

Eine Architektengruppe plus Baugruppe plante auch das Projekt „Wohnen am Weißen See“. Vier Büros und 45 Einzelbauherren realisierten die Gebäude rund um das ehemalige Rathaus an der Albertinenstraße in Weißensee. Sie kauften ebenfalls vom Liegenschaftsfonds. Das Bestandsgebäude wird umringt von vier Neubauten, wobei jede Baugruppe mit einem eigenen Büro plante.

Ganz in Weiß: Vier Gebäude umringen das historische Rathaus in Weißensee.
Ganz in Weiß: Vier Gebäude umringen das historische Rathaus in Weißensee.Foto: Werner Hutmacher

Beteiligt waren DMSW, Arnold und Gladisch, 1.0 und Stahl Denninger, die auch den Umbau des Rathauses verantworteten. „Es entstehen ganz andere Nachbarschaften, wenn man zwei Jahre lang gemeinsam plant“, sagt die Architektin Julia Dahlhaus von DMSW. Das Büro ist Gründungsmitglied im Netzwerk Berliner Baugruppen, das seit 2007 zur Verbreitung des Prinzips Baugruppe beiträgt.

"Auch absolute Restgrundstücke werden jetzt interessant"

Eine geschickte Ausnutzung des Raums auf einem noch schmaleren Grundstück zeichnet das Mehrfamilienhaus des Architekten Daniel Verhülsdonk in der Geßlerstraße 12 aus. Nur 9 mal 13 Meter standen als bebaubare Fläche zur Verfügung. „Auch absolute Restgrundstücke werden jetzt interessant, wo in Berlin immer mehr verdichtet wird“, sagt Verhülsdonk, der zusammen mit Patric Eckstein das Büro eva betreibt.

Gut genutzt: Der schmale Bauplatz auf der Schöneberger Insel.
Gut genutzt: Der schmale Bauplatz auf der Schöneberger Insel.Foto: Marcus Ebener

Der Architekt stand vor der Aufgabe, auf dem knappen Raum möglichst viel Wohnfläche unterzubringen, und entschied sich im Lauf des Planungsprozesses, von ursprünglich sechs Geschossen auf sieben Geschosse zu gehen. Die Gesamthöhe war aber durch die Traufkante des Nachbargebäudes fix. Statt drei Metern Raumhöhe haben die untersten beiden Geschosse deshalb nur noch 2,50 Meter Raumhöhe. Zusammen bilden sie eine Wohnung, deren Wohnzimmer in einer sogenannten Split-Level-Lösung satte 4,20 Meter hoch ist. So entsteht trotzdem räumliche Großzügigkeit.

Ein bauliches Detail ist die Treppe im Erdgeschoss mit einer verspielten Anordnung von Sitz- und Trittstufen, die ein Kommunikationsort der Wohnung wurde. Es ist eine Anleihe an die Zeit, die Verhülsdonk in Mexiko verbrachte, wo Treppen ein Treffpunkt im öffentlichen Raum sind.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar