Immobilien : Kleiner Strauch mit großer Wirkung Noch ist die „Winterblüte“ mit den duftenden Blüten eine Rarität in unseren Gärten

Helga Panten/ dpa

Dürre Zweige sind es, von denen ein ungewöhnlicher Duft ausströmt. Mitten im Winter stehen sie in voller Blüte und verbreiten das Aroma von Vanille, Narzissen und Veilchen. Winterblüte (Chimonanthus praecox) heißt das Gehölz. Es ist bislang eine Rarität in deutschen Gärten.

Wie der Name sagt, ist der Sommer nicht die Jahreszeit der „Winterblüte“ – dann liefert der Strauch einen unscheinbaren Anblick. Schlichte lanzettförmige, hellgrüne Blätter umgeben die Zweige. Mit zwei, höchstens drei Metern Höhe bleibt der Strauch verhältnismäßig klein. Wer ihn betrachtet, entdeckt flaschenförmige Früchte, die im Mai und Juni reifen.

Im Herbst nehmen die Blätter eine sanfte Gelbfärbung an. Doch erst wenn das Laub gefallen ist, wandelt das Gehölz sich zur Gartenkostbarkeit. Innenhöfe und kleine Gartenräume füllt es mühelos mit seinem Duft. In milden Wintern passiert das bereits im Dezember.

Aber wie alle Winterblüher verschießt die „Winterblüte“ ihr Pulver nicht auf einmal. Das Risiko, dass Frost die Blüten zerstört, ist viel zu groß. Daher folgt jeder Periode milden Wetters ein weiterer Blütenschub, bis sich irgendwann im März die allerletzte Blüte öffnet. Bis dahin kann man bei jedem Temperaturanstieg auf die winterlichen Blüten hoffen.

Glockenartig hocken die Blüten dicht am Zweig. Hellgelbe, wächserne Blütenblätter halten zuverlässig die Winternässe vom Blüteninneren fern. Dort sitzt ein zweiter, etwas kürzerer Kranz in kräftigem Purpur. Schimmernde Nektartropfen vertiefen die Farbe. In der Mitte des Purpurkranzes locken gelb und voll nahrhafter Pollen die Staubgefäße. Für Insekten, die die Wintersonne aufgeweckt hat, ist das ein wahres Schlaraffenland.

Besonders groß und in noch kräftigerem Gelb blühen die Sorten ,Grandiflorus‘ und ,Luteus‘. Sie im Handel zu finden, ist aber nicht ganz einfach. Außerdem sollten sich Interessierte nicht durch eine ähnlich klingende Art irritieren lassen. Chionanthus lautet der botanische Name des Schneeflockenstrauchs. Der ist auch schön. Aber er blüht im Sommer, und mit dem Duft des Chimonanthus kann er nicht mithalten.

Fachleute haben natürlich bereits untersucht, wie dieses „Duftwunder“ zustande kommt. Blüten und Blütenknospen enthalten mit 0,5 bis 0,6 Prozent vergleichsweise große Mengen duftender Öle, die langsam abgegeben werden. Benzylalkohol gehört dazu, ein Riech- und Aromastoff, der auch Bestandteil von Ylang-Ylang und Jasmin ist. Linalool steuert eine frische, blumige Note bei. Terpineol mischt Aromen hinzu, die wir von Rosmarin, Salbei und Anis kennen. Indole ist uns von Orangenblüten vertraut.

Die traditionelle chinesische Medizin macht sich den Duft zunutze und verabreicht Blüten und Knospen als Mittel gegen Depressionen und Verstimmungen. Wohlbehagen verbreitet auch Tee, der mit Chimonanthus-Blüten parfümiert wurde, so wie das in China und Japan üblich ist. Man kann die Blüten auch einfach einem Duftpotpourri hinzufügen.

Ob Heilkraft oder Schönheit, am besten gedeiht die „Winterblüte“ an einem geschützten, warmen und sonnigen Platz. Ersteres ist wichtig, um Frost von den Blüten fern zu halten. Der warme und sonnige Standort im Sommer sorgt für einen reichen Knospenansatz. An den Boden stellt die „Winterblüte“ wenig Ansprüche. Sie nimmt mit allem vorlieb, solange die Erde nährstoffreich und gut durchlässig ist. Mit ein paar Zwiebelblumen, einer nicht allzu dynamisch wachsenden Clematis, die sich durch die Zweige der „Winterblüte“ windet, und ein paar Herbststauden zu ihren Füßen lassen sich die weniger spektakulären Zeiten überbrücken.

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