Immobilien : Kleinteiliger, mehr Schnörkel – und mehr Erlebnis

Shoppingcenter werden heute anders gebaut als vor 20 Jahren: Ansichten des Investors mfi

Jutta Burmeister

Eine lange, breite Ladenpassage, an jedem Ende ein großes Geschäft, drei Etagen, Glasdach – viele der in den vergangenen zwanzig Jahren gebauten Einkaufszentren ähneln sich wie Zwillinge. Doch die Bedürfnisse der Besucher haben sich geändert: Anstatt in möglichst funktionaler Atmosphäre schnell ihre Besorgungen zu machen, wollen die Kunden heute beim Einkauf etwas erleben, sei es der Besuch einer Modenschau, eines Klavierkonzerts oder eines besonderen Restaurants.

„Die Verweildauer in Shoppingcentern nimmt zu“, sagt Matthias Böning, Vorstandssprecher der mfi Management für Immobilien AG, Betreiberin von 24 Shoppingcentern in Deutschland, davon fünf in Berlin. Zusammen hänge dies aber nicht nur mit dem sich wandelnden Käuferverhalten, sondern auch mit einer veränderten Käuferstruktur: Es gibt immer mehr ältere Konsumenten, die genügend Zeit zum Bummeln haben. Heute werden deshalb häufig Aufenthaltszonen geschaffen oder sogenannte Food Courts eingerichtet, auf denen mehrere Gastronomieanbieter unterschiedlicher Ausrichtung nebeneinander angesiedelt sind. Und unbequeme Holzbänke weichen gemütlichen Sitzecken oder sogar Ledersofas.

„Die Innenarchitektur wird wichtiger und damit wertiger“, sagt auch Architekt Andreas Middendorf, Geschäftsführer des Architekturbüros Rhode, Kellermann und Wawrowsky. Oft werde mehr Farbe eingesetzt oder gezielt mit Lichteffekten gearbeitet. Selbst die Verwendung von Ornamenten sei kein Tabu mehr. Neue Einkaufszentren haben zudem nicht mehr die übliche „Knochen-Form“ mit den zwei großen Läden am Ende der Passage, sondern sind sehr viel individueller: Die Wilmersdorfer Arcaden der mfi zum Beispiel, die im September in Charlottenburg eröffnen sollen, haben eine Bogenform. Andere Einkaufscenter sehen wie eine Triangel aus. „Es gibt einen deutlichen Trend zu kleinteiligeren Formen“, sagt Middendorf. Das 2006 eröffnete Einkaufszentrum „Das Schloss“ in Steglitz etwa soll mit einem Marktplatz und vielen kleinen Gängen an ein Dorf erinnern. „Kulissenarchitektur“ nennt Middendorf dies – ein Trend, der aus Amerika kommt.

Insgesamt gibt es in Berlin 31 Shoppingcenter (ab 10 000 Quadratmeter Verkaufsfläche) mit einer Gesamtfläche von knapp einer Million Quadratmeter. Bundesweit liegen Berlin und Brandenburg damit auf den mittleren Plätzen. Neben der Eröffnung der Wilmersdorfer Arcaden durch die mfi wird dieses Jahr noch der Ausbau des Ring-Centers an der Frankfurter Allee um weitere 8700 Quadratmeter durch die ECE abgeschlossen.

Die mfi hat außerdem das Management für drei Brandenburger Center übernommen (Kaufpark Eiche, Havelpark Dallgow, Einkaufszentrum Wust) sowie ein Konzept für das Kudamm-Karree erstellt. Zwar ist der Markt der Einkaufszentren weitgehend gesättigt – schon jetzt gibt es in Berlin ein deutliches Überangebot an Verkaufsflächen – doch werden viele Center, die in den achtziger oder neunziger Jahren errichtet wurden, derzeit umgebaut. Eine derartige „Revitalisierung“ hat die mfi zum Beispiel kürzlich bei den Neukölln-Arcaden in der Karl-Marx-Straße vorgenommen.

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