Köllnischer Park : Aus für die "Luise"

Vivacon überlässt dem Insolvenzverwalter die Verwertung des AOK-Baudenkmals in Mitte.

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Schlechte Aussichten. Hier wird zunächst nicht weitergebaut. -Foto: Imago

Es zählte zu den besonders schönen, aber auch besonders ehrgeizigen Bauvorhaben in der Stadt: der Umbau und die Erweiterung der unter Denkmalschutz stehenden historischen AOK-Zentrale am Köllnischen Park im Bezirk Mitte zu einer kleinen Siedlung. Unter dem schmucken Namen „Luise Berlin“ sollte auch das Verwaltungsgebäude mit der Fassade aus markanten roten Klinkersteinen in ein Wohnhaus umgestaltet werden. In diesem Monat ging das Vorhaben der börsennotierten Kölner Gesellschaft Vivacon in die Insolvenz.

„Die Finanzierung des Projektes konnte nicht sichergestellt werden“, sagt Vivacon-Sprecher Michael Schroeder. Keine Bank habe Kredite für die Herstellung der geplanten 200 Wohnungen geben wollen. Insgesamt 95 Millionen Euro, so die Pläne der Kölner, sollten in das Baudenkmal fließen. Man habe zwar versucht, das Vorhaben einem Schweizer Investor zu verkaufen. Sogar ein Vertrag sei mit diesem geschlossen worden. Doch der Investor machte von seinem Rücktrittsrecht Gebrauch. Nun werde der Insolvenzverwalter nach anderen Interessenten suchen.

Das vorläufige Aus für die „Luise“ kommt überraschend, denn die Vivacon hatte nach Angaben ihres Sprechers bereits 60 Wohnungen verkauft. Allerdings sollten insgesamt 200 Wohnungen in dem Gebäude entstehen, das im Jahr 1930 entstand – und die Preise waren mit 3000 Euro pro Quadratmeter nicht für jeden erschwinglich. Auf den freien Flächen wollte der Projektentwickler außerdem geräumige Townhouses bauen, 300 Quadratmeter groß.

Der Kreis der Käufer für solche Immobilien ist klein. Die Grenzen des Wachstums auf dem Markt für Oberklasse-Wohnungen hatte zuvor auch schon die ebenfalls börsennotierte Orco erfahren – und stoppte die in Mitte gelegenen „Fehrbelliner Höfe“. Für dieses Projekt wurde inzwischen aber ein neuer Investor gefunden (siehe nebenstehenden Bericht). Das ist im Fall der „Luise“ ebenfalls denkbar – bei einem Verkauf der Grundstücke zu geringeren Preisen durch den Insolvenzverwalter.

Denn das Gebäude ist gar nicht so schlecht gelegen: Das Grundstück befindet sich in der Luisenstadt, nicht weit von der Jannowitzbrücke entfernt. Zwar entwickelt sich auch diese Seite der Spree recht gut, viele Altbauten, vor allem am Wasser gelegene, sind inzwischen saniert. Doch ganz so schnell wie in der Innenstadt nördlich des Flusses geht es hier nicht voran. Diese Erfahrung machte bereits ein Versicherungskonzern vor gut 15 Jahren beim Versuch, ein ganzes Wohnquartier an der weiter südlich gelegenen Heinrich-Heine-Straße zu entwickeln. Auch dieses Vorhaben gelang nicht im ersten Anlauf. Das hängt wohl damit zusammen, dass das Luisenquartier an das weniger belebte nördliche Kreuzberg heranreicht, wo die Stadt noch nicht recht Gestalt angenommen hat und es an Leben und Läden fehlt.

Und die 60 Käufer von Wohnungen in der „Luise“? Die können nun von den Verträgen zurücktreten – auf Notargebühren und gegebenenfalls auf Bereitstellungszinsen für die Darlehen ihrer Hausbanken dürften sie allerdings sitzen bleiben. Ralf Schönball

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