Kommunale Wohnungswirtschaft : Die "Städtischen" sorgen für volle Auftragsbücher

Berlins kommunale Wohnungsbaugesellschaften wachsen durch Zukäufe und Neubau.

Im Rollbergkiez soll der Hof zum Mittelpunkt der Anlage werden.
Im Rollbergkiez soll der Hof zum Mittelpunkt der Anlage werden.Grafik: EM2N Architekten AG Zürich

Die kommunale Wohnungsbaugesellschaft Gesobau setzt im Zuge ihrer Expansionsbemühungen weiter auch auf Zukauf von Beständen, die auf dem Markt angeboten werden. Das Unternehmen möchte seinen Bestand von jetzt 41 000 bis 2026 auf 52 000 Wohnungen ausbauen. Auf Anfrage teilte das Unternehmen mit Firmensitz im Märkischen Viertel mit, dass künftig etwa ein Drittel des geplanten Zuwachses durch Ankauf realisiert werden solle, die anderen zwei Drittel sollten durch Neubau hinzukommen.

Das starke Wachstum der kommunalen Wohnungswirtschaft ist ein erklärtes Ziel der Berliner Landesregierung. Nach den Vorgaben des Senats soll die Zahl landeseigener Wohnungen in den nächsten zehn Jahren von jetzt 300 000 auf 400 000 steigen.

Neben der Gesobau, so ergab eine Umfrage, stehen auch für die anderen fünf kommunalen Gesellschaften Degewo, Gewobag, Howoge, Stadt und Land sowie WBM Bestandskäufe weiter auf der Tagesordnung. Allerdings liegt der Schwerpunkt bei den Wachstumsplänen im Neubau. Bei den Unternehmen wird einhellig darauf hingewiesen, dass Bauland benötigt werde und Kaufportfolios zur Verfügung stehen müssten. An diesen beiden Stellschrauben können die Gesellschaften nicht selbst drehen. Sie sind auf Mithilfe und Angebote angewiesen.

Die WBM verfolgt eine "Strategie der kleinen Schritte"

Die WBM (Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte) mit Sitz am Hackeschen Markt ist zum Beispiel beim Projekt Pepitahöfe in Spandau-Hakenfelde engagiert. Dort sollen in Kooperation mit der Degewo und der privaten Kilian Immobiliengruppe mehr als 1000 Wohnungen entstehen.

Im innerstädtischen Friedrichshain verfolgt die WBM dagegen mit Lückenschließungen eine „Strategie der kleinen Schritte“. Im laufenden Jahr werden dort knapp 200 Mietwohnungen bezugsfertig, ebenso viele sind noch im Bau. Das Unternehmen plant zudem den Zukauf von mehr als 1000 Wohnungen aus einem Berliner Portfolio der BImA (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben). „Dazu laufen noch Gespräche“, sagt Sprecher Martin Püschel.

Die Degewo hat 2017 berlinweit 3203 Wohnungen im Bau

Bei der Degewo arbeitet man „aktiv an der Aufwertung der eigenen Quartiere“. Dies geschieht etwa in der Gropiusstadt, wo derzeit in acht Einzelprojekten mehr als 500 Mietwohnungen gebaut oder noch geplant werden. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in Marzahn. Die Großsiedlung soll bis zum Jahr 2020 um mehr als 1000 Neubauwohnungen erweitert werden. Drei Vorhaben mit 680 Einheiten sind bereits im Bau oder stehen kurz vor dem Beginn. Summa summarum hat das Unternehmen im Jahr 2017, wie Sprecherin Isabella Canisius mitteilt, stadtweit 3203 Wohnungen im Bau, darunter sind auch 1544, für die in den nächsten Wochen und Monaten der Startschuss fällt. Mit der CG Gruppe ist die Degewo im Gespräch über ein Projekt am Adlergestell.

Die Wohnbauten-Gesellschaft Stadt und Land will in den kommenden zehn Jahren ihren Bestand von 43 000 auf 55 000 erhöhen. Derzeit hat das Unternehmen 5036 neue Mietwohnungen in Planung, im Bau oder bereits fertiggestellt. Wie Sprecherin Anja Libramm erklärt, werden davon 3970 in eigener Regie errichtet. Die restlichen 1066 setzen andere Bauträger im Auftrag des landeseigenen Unternehmens um.

Ein solches Projekt sind die 287 Wohnungen in der Hasenholzer Allee an den „Gärten der Welt“ in Marzahn-Hellersdorf. Die Stadt und Land hat dort sieben viergeschossige Stadtvillen mit Staffelgeschoss und vier Mehrfamilienhäuser in einem grünen Umfeld schlüsselfertig angekauft. Bauträger ist die KW-Development GmbH. Die Übergabe soll 2018 erfolgen.

Die Stadt und Land will aber auch an ihrem Neuköllner Firmensitz im Rollbergkiez bauen. Zwischen Briesestraße und Kienitzer Straße sollen 100 Neubauwohnungen entstehen. Dafür wird zunächst ein Parkhaus abgerissen, um die 70er-Jahre-Siedlung zu erweitern. Wohnunterkünfte statt Autogarage heißt das Motto. Die Planer haben dem Projekt den Namen „Urban Living – Neues Wohnen an der Briesestraße“ gegeben.

Howoge kehrt zum Hochhausbau zurück

Mehrere Großvorhaben hat die Howoge derzeit in Arbeit, allen voran das Projekt „Lindenhof“ an der Gotlindestraße in Lichtenberg mit immerhin 575 Wohnungen. Der erste Spatenstich wurde im September 2016 gesetzt. Noch in diesem Jahr werden in Rummelsburg an der Hauptstraße 313 Wohnungen bezugsfertig. Mit dem „Powerhouse“ in Adlershof präsentiert das Unternehmen nach eigenen Angaben das erste Plusenergiehaus im Berliner Mietwohnungsbau. In der Newtonstraße können bald 128 Wohnungen mit Größen von 30 bis 100 Quadratmetern bezogen werden.

Schließlich kehrt die Howoge mit einem Elfgeschosser am Rosenfelder Ring (Lichtenberg) zum Hochhausbau zurück. Auch dieses Gebäude, laut Howoge „gut geeignet für Singles, Studenten und Senioren“, soll 2017 fertig werden. Die Mieten für die 113 zumeist kleineren Wohnungen liegen im Durchschnitt unter zehn Euro pro Quadratmeter. Ein Drittel wird als geförderter Wohnraum 6,50 Euro pro Quadratmeter kosten.

Die Gewobag stellt in diesem Jahr rund 1000 Wohnungen fertig oder bringt sie auf den Weg. Dazu sind Ankäufe von etwa 750 Bestandswohnungen geplant. Im Projekt „Am Mauerpark“ in Mitte stehen 122 Wohnungen vor der Fertigstellung. Drei weitere Vorhaben gehen bald an den Start: In Falkenberg kommen 300 neue Gewobag-Wohnungen hinzu, in der Wasserstadt Oberhavel ebenso viele und an der Amrumer Straße in Wedding nochmals 180 Bleiben für Studenten.

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