Immobilien : "Kosten bleiben unbenannt"

FRAGEN RALF SCHÖNBALL

Privater Bauherr: Baubeschreibungen haben oft LückenFRAGEN VON RALF SCHÖNBALL Wer ein Grundstück hat und seine eigenen vier Wände errichten will, muß zunächst eine grundsätzliche Entscheidung treffen: Fertigbau oder Architektenhaus? Der private Bauherr Bernd Wegner unterzog beide Alternativen einer eingängigen Prüfung.Über seine Erfahrungen sprach er mit Ralf Schönball. TAGESSPIEGEL: Sie ließen ein Grundstück in Johannisthal bebauen.Wie wählten Sie Ihre Auftragnehmer aus? WEGNER: Ich habe zunächst von 14 Fertighausfirmen Kostenangebote eingeholt.Dabei mußte ich feststellen, daß sie bei verschiedenen Leistungen teurer als gemauerte Häuser sind.So kostet beispielsweise ein Quadratmeter Keller zwischen 800 DM und 1000 DM.Von Bauunternehmen hatte ich Angebote bekommen, die den Quadratmeter für 347 DM gemauert hätten.Teuer sind bei Fertighäusern auch Erker, Gauben, Balkone und Vordächer.Sie gelten als Sonderwünsche, und die werden oft teuer bezahlt.Ein weiteres Problem ist, daß es bei Fertighäusern schwer ist, bestimmte Leistungen aus den Angeboten herauszunehmen.Dies gilt auch für Malerarbeiten, für das Fliesen und Tapezieren.Diese kosten den Leistungsbeschreibungen zufolge einen bestimmten Betrag, doch nur 40 bis 60 Prozent von diesem Betrag werden erlassen, wenn jemand diese Arbeiten selber machen möchte oder eine andere Firma damit beauftragen will.Deshalb lohnen sich Eigenleistungen nur bedingt. TAGESSPIEGEL: Gab es noch andere Gründe, die Sie veranlaßten, massiv zu bauen? WEGNER: Ich wollte ein 60 Quadratmeter großes Wohnzimmer in meinem Haus.So große Räume gibt es bei den meisten Fertighäusern nicht, zumindest nicht ohne Stützpfeiler oder ohne Trennwände.Ein weiterer Nachteil von Fertighäusern ist, daß alles nach Liste bezahlt werden muß.Wer massiv baut, kann dagegen die günstigsten am Markt angebotenen Objekte erwerben.In meinem konkreten Fall konnte ich an einen Großhändler herantreten, wodurch ich sämtliche Sanitärobjekte und Armaturen um 25 Prozent unter Listenpreis erwerben konnte.Doch auch wenn dies nicht möglich gewesen wäre, hätte ich in Baumärkten Sonderangebote kaufen können, die ja oft deutlich unter Listenpreis liegen. TAGESSPIEGEL: Worauf ist bei Baubeschreibungen von Fertighäusern zu achten? WEGNER: Sie sind verschieden von Anbieter zu Anbieter, und das macht Preisvergleiche schwierig.Grundsätzlich fehlen bei fast allen Angeboten die Erschließungskosten für Strom und Wasser.Das sind keine unbedeutenden Kostenfaktoren, zusammen rund 8000 DM.Außerdem bleiben meist die Kosten für die Planierung des Grundstüêkes ungenannt.Diese Versäumnisse kann man den Anbietern von Fertighäusern nicht zum Vorwurf machen.Anders verhält es sich mit den Kosten für das Vermessen von Grundstücken und die Bauversicherung, mit den Gebühren für Bauantrag, Prüfingenieur und Vermesser.Auch sie bleiben ungenannt, schlagen aber noch einmal mit über 10 000 DM zu Buche.Da Bauherren meist knapp bei Kasse sind, sollten die Verkäufer von Fertighäusern sie zumindest auf diese Kosten aufmerksam machen. TAGESSPIEGEL: Sie erwarben schließlich ein Architektenhaus.Was zahlten sie dafür, und gab es vergleichbare Angebote von Fertighäusern, die ja immerhin den Vorzug haben, sehr viel schneller bezugsfertig zu sein und damit geringere Finanzierungskosten zu verursachen? WEGNER: Ich ließ ein Haus bauen mit einer Wohnfläche von 170 Quadratmetern, das mich mit einer Doppelgarage 370 000 DM inclusive sämtlicher Nebenkosten kostete.Dabei habe ich keinen Handschlag selbst gemacht, also keine Eigenleistungen erbracht.Außerdem ließ ich auch keine Schwarzarbeiten ausführen.Für dieses Geld war kein vergleichbares Fertighaus zu haben.Ein weiterer Vorzug ist der höhere Wiederverkaufswert gemauerter Häuser, dieser liegt über dem vergleichbarer Fertighäuser. TAGESSPIEGEL: Oft klagen Bauherren über Handwerker, die ihre Leistungen nicht ordnungsgemäß erbringen oder nicht im Zeitplan fertig werden.Konnten Sie das ausschließen? WEGNER: In meinem Fall gab es keine Probleme.Ich war allerdings täglich auf der Baustelle und habe den Fortgang der Arbeiten beobachtet.Das Bauen hat genau sechs Monate gedauert, vom ersten Spatenstich bis zum Einzug.Nach dem Beziehen des Hauses gab es nur zwei Probleme, eine Tür verzog sich und ein Fenster war undicht.Doch die Firmen haben dies auf Gewährleistung behoben.

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