Kosten und Nutzen der Energiewende : Sanierungen rechnen sich – cirka ab 2050

Umstrittene Prognos-Studie zur Wärmedämmung stellt Energieziele der Regierung in Frage.

Der Zähler läuft und läuft. Kritiker bezweifeln, durch fachgerechte Gebäudesanierung könne bis zu 80 Prozent des Energiebedarfs eingespart werden - und bemängeln die Kosten.
Der Zähler läuft und läuft. Kritiker bezweifeln, durch fachgerechte Gebäudesanierung könne bis zu 80 Prozent des Energiebedarfs...Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Energiesparendes Bauen und Sanieren rechnet sich für Hausbesitzer nicht. Den prognostizierten Einsparungen bei den Heizkosten stehe mehr als das Zweifache an Investitionskosten gegenüber. Auch bei einem Neubau wären die zusätzlichen Aufwendungen für energiesparende Stoffe nicht wirtschaftlich. Das ist eines der Ergebnisse einer Prognos-Studie, die die staatliche Förderbank KfW vor kurzem veröffentlicht hat.

„Energetische Modernisierungen von Wohngebäuden rechnen sich für die Eigentümer nur selten. Dieses Wissen ist nicht neu, sondern das Resultat zahlreicher Studien der vergangenen Jahre.“ So kommentiert Haus & Grund-Präsident Rolf Kornemann die aktuelle Debatte über eine Untersuchung mit dem Titel „Ermittlung der Wachstumswirkungen der KfW-Programme zum energieeffizienten Bauen und Sanieren“, die die Prognos AG erstellt hat. „Es scheint sich immer mehr die Erkenntnis durchzusetzen, dass die ambitionierten energiepolitischen Ziele der Bundesregierung nur mit einem riesigen finanziellen Aufwand zu erreichen sind – für jeden einzelnen selbst nutzenden Eigentümer, jeden Mieter und jeden Vermieter, aber auch für die Volkswirtschaft als Ganzes. Die verantwortlichen Politiker sollten davor nicht länger die Augen verschließen und die Ziele diesen Erkenntnissen anpassen“, forderte Kornemann.

Die KfW ließ Kosten und Nutzen der Energiewende vom Schweizer Forschungsinstitut vor dem Hintergrund untersuchen, dass die Bundesregierung den Energieverbrauch in Wohngebäuden bis 2050 um 80 Prozent senken will. Um dieses Ziel zu erreichen, sind laut Studie „wohnungswirtschaftliche Investitionen“ von 838 Milliarden Euro nötig. Dadurch könnten jedoch nur „Energiekosten von 370 Milliarden Euro eingespart werden“, errechneten die Prognos-Forscher.

Die Bundesregierung will ihre CO2-Klimaziele unbedingt erreichen, zumal sie sich hier in einer weltweiten Vorreiterrolle sieht. Der zuständige Bauminister Peter Ramsauer (CSU) wies wiederholt auf das erhebliche Einsparpotenzial bei der Gebäudesanierung hin. Dämmen lohne sich für Klima und Hausbesitzer. „Die Energieversorgungslage und die tendenziell steigenden Energiepreise zeigen, dass es zum Energiesparen keine Alternative gibt.“ Beim Neubau sei eine energiesparende Bauweise weitgehend etabliert, so das Bundesbauministerium. „Doch die großen Energieeinsparpotenziale liegen in Deutschland mit 18 Millionen Wohngebäuden und rund 1,7 Millionen Nichtwohngebäuden im Gebäudebestand.“ 75 Prozent seien vor 1979 mit oft schlechter Qualität errichtet worden, so Ramsauer. „Durch fachgerechtes Sanieren und moderne Gebäudetechnik können teilweise bis zu 80 Prozent des Energiebedarfs eingespart werden.“ Kritiker bezweifeln solche Zahlen.

Der energiepolitische Sprecher der Grünen, Hans-Josef Fell, kritisierte, die Studie richte einen immensen sozialen Schaden an. „Zu befürchten ist, dass sie viele Hausbesitzer und Vermieter von der energetischen Sanierung ihres Gebäudebestands abhält.“ Fell bezweifelte auch die Stichhaltigkeit der Studie. So hätten sich die Heizölpreise in Deutschland seit 1998 verdreifacht, was Prognos nie prognostiziert habe. Prognos setze auch die künftigen Heizkosten viel zu niedrig an, obwohl fossile Rohstoffe sich dramatisch verknappten. Aussagen über 30 bis 40 Jahre sind generell schwierig. Letztlich kann man wohl, wie Fell dies andeutete, nicht genau einschätzen, wie sich die Preise für fossile Energieträger entwickeln. Und auch die Entwicklung der Baustoffe – vom Stein über Holz bis zum Dämmmaterial – lässt sich nicht klar absehen, ebenso wenig gesetzliche Regelungen späterer Regierungen in diesem Bereich.

Die staatliche Förderbank KfW trat Darstellungen unterdessen entgegen, Wärmedämmung bei der Sanierung von Häusern rechne sich nicht. „Die Energiekostenersparnis finanziert die energieeffizienzbedingten Mehrausgaben einer Sanierung“, teilte die Bankengruppe mit und verwies auf die Studie.

Sie rechnete vor, dass für die energieeffiziente Sanierung bis 2050 rund 507 Milliarden Euro veranschlagt werden. Dabei fielen allgemeine Sanierungskosten von 270 Milliarden Euro an, die „ohnehin“ fällig würden, sowie 237 Milliarden Euro, die für mehr Energieeffizienz ausgegeben werden müssten. Die erzielte Heiz- und Wärmekostenersparnis belaufe sich auf 361 Milliarden Euro, so dass sich ein Plus für energieeffiziente Sanierer von 124 Milliarden Euro ergäbe. Zusammen mit den Gesamtinvestitionen für den prognostizierten energieeffizienten Neubau von 331 Milliarden Euro, bei dem die vorgegebenen Energiesparstandards ohnehin einzuhalten sind, ergebe sich ein Gesamtinvestitionsvolumen bis 2050 von 838 Milliarden Euro. (dpa/Tsp)

2 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben