Kosteneffizienz : Noch Druck im Kessel

468 Millionen Euro sind aus dem Bundesetat für das Öko-Heizungsprogramm frei, doch der Bestand wird damit nicht umgerüstet.

Die Installationen von Holz- und Pellet-Heizungen, Solarthermie-Anlagen und Wärmepumpen können mit Bundesmitteln weiter vorangebracht werden. Für diese Ökoenergie-Förderung stehen die für 2010 geplanten 467,8 Millionen Euro aus dem Bundesetat wieder voll zur Verfügung. Das bestätigten kürzlich Koalitionsvertreter des Bundestags-Haushaltsausschusses. Die vom Bundesfinanzministerium gesperrten 130 Millionen wurden vom Ausschuss wieder freigegeben, wie Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) mitgeteilt hatte.

2009 lag die Förderung mit gut 465 Millionen kaum darunter. Laut Minister hatte die Förderung 2009 Investitionen von drei Milliarden Euro ausgelöst.

Die Öko-Wärmebranche ist indessen unzufrieden und fordert höhere Förderbeträge. „Wir sind erleichtert, dass die Teilsperre im Marktanreizprogramm freigegeben wurde“, erklärte der Deutsche Energieholz- und -Pelletverband (DEPV). „Angesichts des Riesenerfolgs und der hohen Nachfrage im vergangenen Jahr wäre aber eine Aufstockung auf eine Milliarde Euro notwendig“, sagte DEPV-Geschäftsführer Martin Bentele. Nur so sei der Modernisierungsstau am Heizungsmarkt aufzuheben. „Hier zeigt sich: Der schlafende Riese für Energieeinsparungen ist und bleibt der Gebäudebereich.“ Etwa die Hälfte der Fördermittel fließt nach dpa-Informationen in die Solarthermie, jeweils ein Viertel in Heizanlagen mit Biomasse (Holz und Pellets) und in die Installation effizienter Wärmepumpen.

Beim Thema Solarförderung für die Erzeugung von Strom hatte Röttgen seine Kürzungspläne gegen die eigene Fraktionsspitze und die Photovoltaik-Branche verteidigt. Die geplante Kürzung 2010 um 24 Prozent für Dach- und Freiflächenanlagen werde dem Ausbau dieser Stromerzeugungs-Sparte nicht schaden, sagte Röttgen beim Neujahrsempfang des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE) in Berlin.

Die seit einem Jahr im Wohnungs-Neubau geförderten Öko-Heizungen haben sich nach Angaben von Baufachleuten bei Häuslebauern als Renner erwiesen. Die Heizungsindustrie meldete aber herbe Absatzverluste für 2009 bei Solarwärme- und Holzkessel-Anlagen. Dies dürfte nach Expertenangaben vor allem den Riesen-Bestand an 18 Millionen Wohnungen betreffen, der – im Unterschied zu den knapp 109 000 neuen Gebäuden – nach dem jetzt ein Jahr alten Erneuerbare-Wärme-Gesetz nicht gefördert wird. Damit könnte neuer politischer Druck entstehen, wie vor einem Jahr vergeblich gefordert, auch den Wohnungsbestand zu fördern.

„Hier gibt es noch ein großes Modernisierungspotenzial“, erklärte der Geschäftsführer der von der Bundesregierung finanzierten Agentur für Erneuerbare Energien (EE-Agentur), Jörg Mayer. Neue Förderanreize forderte auch BDH-Präsident Klaus Jesse. Man setze sehr auf das von der Regierung für den Herbst angekündigten Energiekonzept. Der Wärmemarkt müsse endlich eine seiner Bedeutung angemessene Rolle spielen. Den 18 Millionen älteren Gebäuden standen 2009 laut EE-Agentur nur knapp 109 000 neue Wohn- und Gewerbe-Gebäude gegenüber.

Damit würde der Förderung auch des Wohnungsbestandes den Experten zufolge eine erheblich größere Umweltschutz-Wirkung zukommen.

Seit Anfang 2009 sind Bauherren verpflichtet, einen Mindestanteil des Wärmebedarfs von 15 Prozent aus Sonnenenergie beziehungsweise zu 50 Prozent aus Biomasse oder Erd- und Umweltwärme zu decken.

Alternativ erkennt das Gesetz auch Dämm-Maßnahmen an oder die Versorgung aus Fernwärmenetzen, Abwärme und Kraft-Wärme-Koppelung.

Im Auftrag der EE-Agentur hatte tns emnid 500 Bauunternehmen, gewerbliche Bauträger sowie Architektur- und Planungsbüros befragt.

Ihre Bilanz: Etwa zwei Drittel der Neubauten wurden von ihnen 2009 mit einer Heizungsanlage auf Basis erneuerbarer Energien ausgestattet. Ein Drittel der Neubauten erhielt stattdessen die im Gesetz vorgesehenen Ersatzmaßnahmen wie Wärmedämmung.

Solarthermie-Anlagen machten 2009 mit 39 Prozent den größten Anteil der verwendeten Heizungstechnologien aus. Dahinter folgen Erdwärme-Heizungen (27 Prozent), Umweltwärme (14,5 Prozent), Holz- oder Pelletheizungen (13,6 Prozent), Biogasheizungen (5 Prozent) und Pflanzenölheizungen 0,9 Prozent. dpa

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