Immobilien : Kredite über 50: Alter schützt vorm Bauen nicht

Banken bieten Spezialangebote für Senioren – und beziehen die Erben oft gleich mit ein

Veronika Csizi

Ein Drittel der Gesellschaft ist heute schon älter als 55 Jahre. Mitte des Jahrhunderts soll es nahezu die Hälfte sein, prognostiziert die UNO. Doch obwohl der Anteil der Älteren an der Bevölkerung ständig wächst, haben sie es oft schwer, einen Baukredit zu ähnlich günstigen Konditionen zu erhalten wie jüngere Kunden. Manche Banken verlangen ab 60 oder 65 Jahren erheblich höhere Eigenkapital-Quoten von bis zu 45 Prozent. Oder sie bestehen auf Restschuld-Versicherungen, die wegen des fortgeschrittenen Alters extrem teuer sind. Bisweilen wird sogar die Unterschrift eines zukünftigen Erben zur Bedingung für einen Kredit gemacht.

Doch das soll sich nun ändern: Zum einen will die EU-Kommission die Antidiskriminierungsrichtlinie auf die Finanzbranche erweitern und somit eine Gleichstellung am Bankschalter erzwingen. Gleichzeitig wird immer mehr Banken bewusst, dass durch die niedrigen Geburtenraten die Zahl jüngerer Häuslebauer stetig sinkt: Kreditprodukte, die speziell auf die Bedürfnisse älterer Kunden zugeschnitten sind, mehren sich. Mit ihrer Baufi-Flex-50-plus-Hypothek etwa wendet sich die Gladbacher Bank an jene zwei Millionen Deutschen über 50, die gerade mit dem Kauf einer Immobilie liebäugeln. Wichtig für ältere Kreditkunden sei vor allem, sagt Jörg Sahr von Finanztest, dass die monatliche Belastung auch mit Rentenbeginn tragbar bleibe. Die Gladbacher Bank löst dieses Problem so: Bank und Kunde einigen sich auf eine fixe Tilgungssumme. Wird eine Rate bezahlt, sinkt die Restschuld und damit der Zinsbetrag. Während bei normalen Darlehen die Tilgung stetig angehoben wird, bleibt sie hier gleich, so dass die monatliche Belastung schrumpft. Der Nachteil: Die Rückzahlung wird verzögert. „Wir erwarten nicht, dass unsere Kunden das Darlehen bis zum Lebensende tilgen, denn die Erben verkaufen die Immobilie ohnehin fast immer“, sagt Stefan Lennartz, Chef der Immobilienfinanzierung bei der Gladbacher Bank. Folgerichtig verlangt man bei Beleihungen über 80 Prozent die Unterschrift eines Erben. Allerdings darf der Kunde von BauFi-Flex-50 bei der Tilgung jonglieren: Die Sätze können zwei Mal geändert und bis auf 7,5 Prozent hochgeschraubt werden.

An Senioren in der Rente, die bereits eine lastenfreie, selbst genutzte Immobilie besitzen, aber etwa einen Kredit für Modernisierungen brauchen, richtet sich das Angebot der Hannoverschen Leben. Mit der „Rentenhypothek“ kann der Kunde sein Haus oder seine Wohnung zu 50 Prozent beleihen. Der Clou dabei: Je älter der Kunde, desto niedriger sei der lebenslang garantierte Zins, sagt Kerstin Bartels, Sprecherin der Hannoverschen Leben. Da die Zinsen nicht über den üblichen Baugeld-Konditionen lägen, sei die Beleihung billiger als ein herkömmlicher Ratenkredit. Zudem: Der Kunde könne sich auch dafür entscheiden, den Kredit überhaupt nicht zu tilgen. Stirbt er, müssen die Erben einspringen. Können oder wollen sie die Raten nicht zahlen, muss das Häuschen verkauft werden.

Aber: Dass Senioren ihr eigenes Haus beleihen sollen oder per Zwangsunterschrift eines Nachkommen entmündigt werden, um an Geld von der Bank zu kommen, ist Wladimir Spidla ein Dorn im Auge. Der tschechische EU-Kommissar für Soziales und Chancengleichheit will deshalb glasklar festzurren, dass, wie schon im Mietrecht, niemand bei der Kreditvergabe diskriminiert wird, auch nicht wegen seines Alters. Schließlich sei auch bei älteren Kreditnehmern, sagt Finanztest-Experte Jörg Sahr, die neue Immobilie als Sicherheit vorhanden.

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