Immobilien : Küche kaufen fällt hier aus

Die XXL-Lofts sind nicht nur sehr, sehr groß: Innendeko von Brad Pitts Architekten gibt’s dazu Zeit ist Geld: Im Torquartier gibt’s die Einrichtung auf Wunsch mit zur Wohnung

Kerstin Heidecke

Uwe Ochsenknecht findet’s langweilig daheim in München. Das sei ein verschlafenes Nest ohne Subkultur, ganz anders als Berlin. Das hat er kürzlich verlauten lassen. Für Leute wie ihn sind die XXL-Lofts an der Ecke Glogauer Straße 7 / Reichenberger Straße 104 gedacht. Besonders Schauspieler, Musiker und andere Kreative sind als Zielgruppe angepeilt. Und zwar solche, denen die sanierten Altbaukieze in Prenzlauer Berg und Mitte schon zu clean und zu schick sind und die das urbane und multikulturelle Kreuzberg bevorzugen. Weit weg von Zugereisten und Bionade-Biedermeier sozusagen. Und trotzdem will man wohl wieder mehr als nur Berlin sein, wie die Website vermuten lässt. Sie wirbt für „Lofts im New-York-Style“ – die man auf Wunsch mit dem Innendesign eines Star-Architektenbüros kaufen kann.

Dabei hat der früher gewerblich genutzte Klinkerbau aus dem Jahr 1900 wirklich etwas Besonderes. Denn die Größen der Lofts fangen da an, wo sie bei den meisten Berliner Angeboten aufhören, die von ihren Verkäufern „Loft“ genannt werden – bei etwa 200 Quadratmetern. Der Grundriss ist frei planbar. Da wäre dann zum Beispiel auch genug Platz für die schauspielernden Ochsenknecht-Söhne. Allerdings ist das Segment potenzieller Käufer klein, bedenkt man, welche Kaufsumme sich bei einem Quadratmeterpreis von 2650 Euro für die Standardversion bis zu 3200 Euro fürs Dachgeschoss ergeben kann. Zumal, wenn die Wohnungen bis zu 360 Quadratmeter groß sind. Allerdings schaut man zur einen Seite auf die Brandmauer des Nachbarbaus, zur anderen in die leicht verschrubbelte Kreuzberger Seitenstraße. Dort haben auf eine Mauer auch gleich Anwohner gesprüht, was sie von der Modernisierung halten, und empfehlen den Investoren die Insel Sylt.

Trotzdem gehen die beiden Eigentümer den Vermarktungsbeginn der sechs Wohnungen entspannt an. „Wir reden nicht über eine Krise“, sagt Peter Hofmeister. Die Zielgruppe für die XXL-Lofts sei zwar überschaubar, dafür wirtschaftlich stabil, so der Rechtsanwalt, der sich seit Beginn der neunziger Jahre mit Altbausanierung beschäftigt. Und der Mehrwert für die Käufer liege auf der Hand. Die Kunden können selbst mit den bauleitenden Architekten ihren Grundriss entwickeln. „So erhält jeder genau das, was er möchte“, sagt Hofmeister. Die historischen Klinker werden weitgehend erhalten. Auch die leicht zerbeulten alten Stahltüren sollen als Wohnungsentree den Charme des Authentischen unterstreichen.

Und wer nun sowieso schon wirtschaftlich unabhängig ist, kann gleich noch den Küchenbau durch die Star-Architekten des Büros Graft dazu buchen. Die in der Branche als junge Wilde gehandelten Planer haben schon an Brad Pitts Ferienhaus mitgetüftelt. Organisch, weich geformt und geschmeidig sieht der Küchenentwurf für die XXL-Lofts aus. Warum die Stars an dem vergleichsweise schlichten Objekt mitwirken? „Endlich nicht solche Kinderlofts“, sollen sie auf die Anfrage der Bauherren begeistert gesagt haben.

Wer jetzt kauft, kann in etwa zwei Monaten einziehen. Bis Februar sollen auch die Gemeinschaftsflächen fertig sein. Damit die „Reichenberger Straße GbR“ mit dem Umbau beginnen konnte, mussten sich allerdings die dort ansässigen Gewerbemieter neue Arbeitsstätten suchen. Im Vorderhaus an der Reichenberger Straße 104 wird übrigens nur modernisiert, wenn einer der Wohnungsmieter auszieht. Vielleicht sogar nach Sylt.

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