Immobilien : Kühle Temperaturen erwünscht

Orchideen sind heikle Zimmerpflanzen, die besondere Ansprüche an den Standort stellen

Tassilo Wengel

Orchideen haben Hochkonjunktur und im Handel nimmt das Angebot an diesen schönen Topfpflanzen ständig zu. Zum vielfältigen Sortiment gehören neben den bekannten Gattungen wie Phalaenopsis, Paphiopedilum, Cymbidium und Cattleyen auch andere Orchideen, die sich wegen der geringen Größe besonders gut für das Fensterbrett eignen. Damit größere Pflanzen nicht zu eng stehen, sollte das Fensterbrett wenigstens 20 Zentimeter tief sein. Für die Auswahl und die Kultivierung der Pflanzen ist die Lage der Fenster von Bedeutung und vor allem die Raumtemperatur.

Auch Fensterbretter, die in nördliche Richtungen zeigen, können Orchideen zieren. Mit ausgesprochen großen Blüten erfreuen die Miltonien (Miltonia-Hybriden), die man gelegentlich auch „Stiefmütterchen-Orchidee“ nennt. Meist leuchtend rot, aber auch weiß oder rosa mit schöner Zeichnung auf der Lippe ziehen sie die Blicke auf sich. Damit sie regelmäßig blühen, sollten die Temperaturen im Winterhalbjahr bei 15 und im Sommerhalbjahr bei 20 Grad Celsius liegen. Gleichmäßige Ballenfeuchte, die während der Vegetationsruhe etwas verringert wird, sorgt für zuverlässigen Blütenans atz.

Nicht über 20 Grad

Ähnliche Ansprüche stellt die Krause Zahnzunge (Odontoglossum crispum). Mit großen weißen Blüten, wellig gekrausten Blütenblättern und einer aparten, rot-gelben Lippe ist sie sehr attraktiv. Obwohl die Hauptblütezeit im Frühling liegt, kann die Art auch zu anderen Zeiten blühen. Sie gedeiht am besten bei Wintertemperaturen zwischen zehn und 15 Grad Celsius und möchte im Sommer nicht mehr als 20 Grad Celsius bei halbschattigem Standort haben.

Durch prächtige Blüten mit großen, intensiv gefärbten Flecken zeichnet sich die Mehrgattungshybride Wilsonara aus, an der neben Odontoglossum auch Oncidium und Cochlioda beteiligt sind. Sie gleicht in den Ansprüchen denen der Odontoglossum.

Aus den Wäldern von Südchina über Singapur bis Sumatra kommt Haemaria discolor, die dort im Humus des Waldbodens gedeiht. Sie bildet einen aufrechten bis niederliegenden Spross mit eiförmigen, olivgrünen Blättern, die von einem silbrigen Mittelnerv geziert werden. Von Oktober bis März erscheint der aufrecht stehende Blütenstand mit kleinen, weißen duftenden Blüten. Am besten kultiviert man die Pflanzen bei Temperaturen von 16 Grad Celsius und hält sie immer gleichmäßig feucht.

Auch die wunderschöne Calanthe (Calanthe vestita) aus Indochina und Malaysia eignet sich für Fenster in Nord-, Nordost- oder Nordwestlage. Sie gehört zur Untergattung Preptanthe, die dicke Pseudobulben bildet, sommergrün ist und ihre Blätter nach der Blütezeit abwirft. Vom Herbst bis Frühjahr erscheint der aufrechte, leicht geneigte Blütenstand mit rot-weißen Blütenrispen.

Im Winterhalbjahr sollten die Temperaturen zwischen 15 und 18 Grad Celsius liegen und die Pflanzen gleichmäßig feucht gehalten werden. Nach der Blüte schließt sich eine Ruheperiode an. Erkennbar ist dieser Zeitpunkt mit dem Vergilben und Abwerfen der Blätter. In dieser Zeit hält man die Pflanze vollkommen trocken. Mit Erscheinen des Neutriebes ist die Ruhezeit beendet. Man topft die Pflanze aus, trennt die Rückbulben ab und pflanzt die Neutriebe in ein handelsübliches Orchideensubstrat.

Manche Orchideen benötigen für eine zuverlässige Blüte mehr Licht, wie es auf dem Fensterbrett mit Süd-, Ost- oder Westlage zu erwarten ist. Dabei muss einschränkend gesagt werden, dass auch diese Orchideen nicht der intensiven Mittagssonne im Sommer ausgesetzt werden dürfen. Ohne Schattenvorrichtung eignen sich Ostfenster. Beachtet man diese Hinweise, ist die Kultur von verschiedenen Orchideen an solchen Plätzen problemlos und erfolgreich.

Eine der bekanntesten Zimmerorchideen ist Coelogyne cristata aus Nepal, wo sie in Höhen zwischen 1500 und 2500 Metern vorkommt. Vom Winter bis zum zeitigen Frühjahr erscheint der prachtvolle, leicht hängende Blütenstand mit reinweißen, acht Zentimeter Durchmesser erreichenden Blüten. Sie tragen auf der Lippe apart wirkende gelbe Kämme. Während der Blüte im Winter sollten die Temperaturen zwölf bis 16 Grad Celsius betragen, danach kann die Pflanze auch kühler stehen. Im Sommer bekommt ihr ein Aufenthalt an einem halbschattigen Platz im Freien sehr gut. Man hält den Wurzelballen während der Wachstumsphase feucht, ab Oktober bis zum Erscheinen der Blüte oder neuer Triebe trockener.

Wenig bekannt, aber recht interessant in der Blüte ist Coelogyne massangeana. Sie lenkt – mit kleinen Blühpausen – fast das ganze Jahr die Blicke auf den cremefarbenen, bräunlichen Blütenstand, der lang herunter hängt. In der Heimat von Thailand bis Java kann dieser Blütenstand bis zu 70 Zentimeter lang werden, in Kultur ist etwa die Hälfte zu erwarten. Diese interessante Orchidee kultiviert man deshalb besser in einer Ampel. Gleichmäßige Ballenfeuchtigkeit das ganze Jahr über und Temperaturen um 20 Grad Celsius genügen.

Kalkarmes Wasser

Eine wunderschöne Orchidee aus Mexiko und Guatemala ist Rossioglossum grande. Ihr Markenzeichen sind große gelbe Blüten mit braunroter Querbänderung. Sie erreichen einen Durchmesser von zwölf Zentimetern und erscheinen zu mehreren in kurzer Rispe zwischen September und Dezember. Wichtig ist eine kühle Ruheperiode nach der Blüte mit Temperaturen zwischen zwölf und 15 Grad Celsius, in der die Pflanzen auch trockener gehalten werden. In der übrigen Zeit des Jahres können die Temperaturen auf Werte über 20 Grad Celsius ansteigen, wobei für gleichmäßige Ballenfeuchte zu sorgen ist.

Alle Orchideen sollten nur mit kalkarmen Wasser (Regenwasser oder entkalktem Leitungswasser)gegossen werden. Müssen die Pflanzen bei kühlem Stand trockener gehalten werden, reicht oftmals das Besprühen der Pflanze oder des Wurzelballens aus. In der Vegetationsperiode empfiehlt es sich, das Gefäß mit der Pflanze wenigstens ein Mal pro Woche für einige Minuten in Wasser zu tauchen. Da Orchideen salzempfindlich sind, ist das Düngen mit Mineraldünger eher schädlich als nützlich. Besser sind organische Dünger. Sie können zu Beginn der Wachstumsphase mit geringen Mengen (etwa ein Gramm auf fünf Liter Wasser) an Volldünger angereichert werden. Die meisten Orchideen benötigen sehr durchlässiges Substrat, das es im Handel gibt. Das Verpflanzen ist nach zwei bis drei Jahren nötig, wenn der Pflanzstoff so weit verrottet ist, dass die Luftdurchlässigkeit nachlässt.

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