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Hagebutten sind nicht nur eine aparte Zierde im winterlichen Garten. Die Früchte der Wildrosen lassen sich auch vielfältig verarbeiten

Tassilo Wengel

Jeder kennt die roten Hagebutten unserer heimischen Wildrosen, die vom Spätsommer bis in den Winter hinein an Feldrainen, Waldrändern oder in Gebüschen leuchten. Dies sind vor allem die Früchte der Hundsrosen (Rosa canina), einer in Europa weit verbreiteten Art mit unterschiedlichen Wuchsformen. Sie bilden undurchdringliche Hecken, die nicht nur schmücken, sondern auch Tieren verschiedenster Art Unterschlupf bieten. Die leuchtend orangeroten, später scharlachroten Früchte sind eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel und andere Kleintiere. Im Altertum wurden sie zur Herstellung von Heilmitteln verarbeitet. Heute wird besonders der hohe Vitamin-C-Gehalt geschätzt. Hagebutten werden gern für „Tees“, aber auch für verschiedene Leckereien wie Marmelade, Gelee, Kompott oder Likör vewendet.

Neben unseren heimischen Wildrosen gehören zur Gattung Rosa über 125 weitere Arten. Ihre natürliche Verbreitung ist auf die nördliche Seite der Erdkugel beschränkt und reicht von Europa sowie Nordafrika über Asien bis nach Nordamerika.

Nicht nur die Wuchsformen und die Blütenfarben der Rosen sind unterschiedlich, sondern auch ihre Früchte. Die Palette reicht von kugelrund oder plattgedrückt bis oval, manche sind flaschen- oder birnenförmig. Neben einzelnen Früchten an hängenden oder aufrecht stehenden Stängeln findet man gelegentlich auch Arten, bei denen sie in Trauben von den Zweigen herabhängen.

Bei den Farben herrschen vor allem verschiedene Rottöne vor. Anfangs orange bis rotorange gefärbt, nehmen sie mit zunehmender Reife eine leuchtend rote Farbe an. Nur wenige Arten haben grüne Früchte wie die ostasiatische Rosa roxburgii oder purpurschwarze Früchte wie die heimische Bibernell-Rose (Rosa pimpinellifolia).

Im Garten werden diese Wildrosen seltener gepflanzt. Dabei lohnt es sich aus den oben genannten Gründen durchaus, neben den großblütigen Rosenzüchtungen auch einige Wildarten auszuwählen. Sie setzen vom Spätsommer bis weit in den Winter hinein schöne Akzente: Vom Herbstnebel eingehüllt oder mit glitzernden Wassertropfen geschmückt, sind die Hagebutten ein bizarrer Schmuck in der blütenlosen Jahreszeit.

Schon seit Jahrhunderten ist die heimische Hundsrose (Rosa canina) in Kultur. Sie kann zu einem bis zu drei Meter hohen Busch mit weit ausladenden, überhängenden Zweigen heranwachsen. Den weißen oder hellrosa gefärbten Blüten im Mai und Juni folgen die langen eiförmigen korallenroten Früchte in großer Zahl. Sie reifen ab September und können bis zum Spätherbst geerntet werden.

Fast so bekannt wie die Hundsrose ist die Kartoffelrose (Rosa rugosa), die der schwedische Botaniker Thunberg 1784 erstmals nach Europa brachte. Ihre natürliche Verbreitung reicht von Ostasien bis zu den Kurilen, Kamtschatka und Sachalin. Inzwischen ist sie in Europa und Nordamerika stellenweise eingebürgert und bedeckt größere Flächen. Sie bildet zahlreiche Wurzelausläufer und bleibt recht niedrig. Da sie durch einen regelmäßigen Schnitt problemlos auf eine Höhe von etwa einem Meter gehalten werden kann, eignet sie sich bestens für niedrige Hecken, kann aber auch frei wachsend als Solitärstrauch verwendet werden. Die duftenden Blüten erreichen einen Durchmesser von sechs bis neun Zentimetern, sind purpur, rosa oder weiß und erscheinen in unermüdlicher Folge von Mai bis zum Ende des Sommers. Aus ihnen bilden sich dicke, flach-kugelige, leicht ins Orange gehende scharlachrote Früchte, die meist zu mehreren am Ende der Triebe zusammenstehen.

Sehr dekorativ ist die Weinrose (Rosa rubiginosa), die auch Schottische Zaunrose genannt wird und bereits seit dem 16. Jahrhundert als Zierstrauch verwendet wird. Sie besiedelt in Europa, im Kaukasus und Westasien vor allem Waldränder, Gebüschsäume und Felshänge. Dieser stark wüchsige Strauch hat dichte, bogenförmige, überhängende Zweige, die mit gekrümmten Stacheln besetzt sind. Auffälliges Merkmal ist der angenehme Duft nach reifen Äpfeln, der den Drüsen an den Laubblättern entströmt und besonders bei feuchter Witterung sehr intensiv ist. Im Juni öffnen sich die drei bis fünf Zentimeter breiten zartrosa bis dunkelrosa gefärbten Blüten. Die glänzenden scharlachroten, manchmal mehr orange gefärbten Früchte sind oval, bis zwei Zentimeter lang und reifen spät. Sie halten sich den ganzen Winter über an der Pflanze und bilden, wenn Schnee liegt, einen zauberhaften Anblick.

Selten trifft man in Gärten auf die Alpenrose (Rosa pendulina). Die Pflanze, die je nach Standort bis zu einem Meter Wuchshöhe erreicht, bildet aufrecht stehende, rötliche oder grünliche Triebe mit wenigen Stacheln. Im Juni erscheinen die bis fünf Zentimeter breiten rosaroten, duftenden Blüten in Doldenrispen an der Spitze der Triebe. Mit dem Heranreifen der flaschenförmigen, ziegelroten Früchte neigen sich die Stängel allmählich, so dass zahlreiche Hagebuttenrispen herabhängen oder pendeln. Auf diese Eigenschaft bezieht sich der Artname pendulina.

Von Südeuropa bis Nordostasien ist die Bibernell-Rose (Rosa pimpinellifolia) zu Hause, die schon seit Jahrhunderten kultiviert wird. Der kleine, einen halben bis einen Meter Höhe erreichende Strauch wächst sehr sparrig mit dünnen, wenig überhängenden Zweigen und bildet viele Ausläufer. Im Mai und Juni erscheinen die weiß bis gelblich gefärbten Blüten meist einzeln, aber sehr zahlreich an kurzen Seitenzweigen. Ihnen folgen die rundlichen schwarzen oder braunschwarzen Hagebutten mit einem Durchmesser von bis zu 18 Millimetern. Von der Bibernell-Rose gibt es zahlreiche Züchtungen, die schon sehr früh im Mai blühen. Bei einer Reihe von Sorten beginnt deshalb der Name mit dem Wort Frühling: ,Frühlingsgold‘, ,Frühlingsmorgen‘.

Um die Jahrhundertwende kam aus Westchina eine Rose nach Europa, die heute zu den beliebtesten Wildrosen gehört. Es handelt sich um die Mandarin-Rose (Rosa moyesii), die mit blutroten Blüten aufwartet. Sie erscheinen im Juni in Büscheln an den Spitzen der kurzen Nebentriebe und erreichen einen Durchmeser von fünf bis sieben Zentimetern. Fast noch farbiger wirkt der Strauch, wenn sich von September an die großen, flaschenförmigen Hagebutten orangerot färben. Sie bleiben an der Pflanze lange haften und schmücken sie bis weit in den Winter hinein, wenn die Blätter bereits abgefallen sind.

Alle Wildrosen stellen an die Kultur im Garten kaum Ansprüche. Sie gedeihen auf jedem Gartenboden, bleiben allerdings auf extrem trockenen sandigen Böden kleiner als auf mittelschweren Lehmböden. Während die meisten Arten kalkhaltigen Boden gut vertragen, ist die Apfelrose kalkempfindlich. Besonders widerstandsfähig gegen Trockenheit sind die Weinrosen und die Bibernell-Rosen.

Die Ernte der Früchte erfolgt mit der Vollreife, vor allem im September und Oktober. Zu weiche, überreife Früchte sind für die Verarbeitung ebenso ungünstig, wie durch Frost beeinträchtigte Hagebutten. Nach der Ernte entfernt man Kelchblätter und Stiel, schneidet die Früchte auf und kratzt die Samen samt den Härchen sorgfältig heraus. Dann lassen sich die so vorbereiteten Früchte verschieden verwenden.

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