Immobilien : Lust auf Wasser

Dekorative und funktionale Karaffen machen das flüssige Nass salonfähig

Insa Lüdtke

Vor hundert Jahren noch galt Wassertrinken als Dickmacher. Diese wissenschaftlich längst widerlegte Hypothese und sogar die nachweislich schlank machende Wirkung scheint heute im Bewusstsein der Bevölkerung jedoch noch immer nicht angekommen zu sein. Ernährungswissenschaftler predigen uns zwar schon seit Jahren eine tägliche Flüssigkeitszufuhr von 1,5 bis zwei Litern (Deutsche Gesellschaft für Ernährung), doch trotz Wellnesstrend liegt die tatsächlich erfasste durchschnittliche Menge rund 20 Prozent unter dem Soll. „Von einer Kultur des Wassertrinkens sind die Deutschen noch weit entfernt“, beklagt Gesa Schönberger und meint „im europäischen Vergleich ist die deutsche Trinkkultur geprägt von Kaffee, Saft und alkoholhaltigen Getränken.“ Schönberger ist Geschäftsführerin der Dr. Rainer Wild Stiftung für gesunde Ernährung.

Trotz des Defizits trinken die Deutschen heute durchschnittlich 128 Liter Mineralwasser im Jahr, das ist statistisch gesehen 64-mal mehr als noch in den 1950er Jahren. Die Gastronomie hat diesen Trend erkannt. So bietet beispielsweise das Hotel Adlon eine spezielle Wasserkarte mit 39 verschiedenen Mineralwassern an, das teuerste zu rund 40 Euro für die Flasche. Weitaus preisgünstiger und praktisch überall verfügbar ist Leitungswasser zu haben. Um das bestkontrollierte Nahrungsmittel (Forum Trinkwasser e.V.) oder Mineralwasser formschön zu kredenzen, hält der Handel ein breites Angebot an Gefäßen und passenden Gläsern bereit.

Auch wenn Wasser meist keine bleibenden Flecken hinterlässt, so ist es doch viel ästhetischer, wenn’s beim Einschenken nicht tropft. Das „No Drop Wasserset“ entworfen vom Akantus Designteam, besteht aus der Karaffe für einen Liter Wasser mit einem Vollglasstopfen als Verschluss und zwei schlanken Gläsern. Wie alle mundgeblasenen Karaffen aus der Glashütte Valentin Eisch sorgt auch sie durch ihre spezielle unsichtbare Oberflächenbehandlung für Tropfsicherheit mit dem geschützten „No-Drop-Effekt“. Statt wie bisher einen Weg an der Außenseite der Karaffe nach unten zu suchen, sammeln sich die winzigen Tropfen beim Ausschenken zu einer kleinen Kugel und perlen nach innen ab. Das Prinzip klingt gleichermaßen einfach wie genial und stammt aus der Natur. Pate stand dabei der Selbstreinigungseffekt der superhydrophoben (Wasser abweisenden) Oberflächeneigenschaften des Lotusblattes. Der „No-Drop-Effekt“ behält seine Wirkung ein Produktleben lang, vorausgesetzt, die Gefäße werden ohne scheuernde Hilfsmittel gereinigt.

Ebenfalls keinen Tropfen des kostbaren Nasses soll die Karaffe der dänischen Firma Eva Solo mit einem eigens patentierten „Drop-Stop-Ausgießer“ aus Edelstahl und Silikongummi verschwenden. Die Designer Claus Jensen und Henrik Holbæk erhielten für den Entwurf mit dem funktionalen Gießrand den begehrten Design-Preis „Red Dot 2003“. Die Karaffe ist in zwei Größen und einem Fassungsvermögen von 0,6 oder einem Liter erhältlich und ist spülmaschinenfest.

Ebenfalls kürzlich ausgezeichnet, und zwar mit dem „Design Plus 2006“, wurden Marleen Kaptein und Stijn Roodnat: In den facettenreichen Hals von „French Caraffe“ (1,2 Liter) lassen sich die Gläser hineinstapeln. Dies ist Platz sparend, erleichtert den Transport und übt eine schützende Verschlussfunktion aus. Geliefert wird die Karaffe mit sechs Facettengläsern aus spülmaschinenfestem Pressglas.

Gegensätze machen den Reiz der Serie „Arktic“ (Eisch) aus: Die spiegelnd glatte Oberfläche am Bauch des Kristallglases kontrastiert am Karaffenhals und -stopfen mit einem grobkörnigen Schliff, der sich beinahe archaisch in die Glasoberfläche gräbt. Glas wie Schliff entstehen in reiner Handfertigung. Erfrischend anders ist die Wasserkaraffe „Refresh“ (Menu). Hoch, schlank mit viel Platz für Limonenscheiben, Minzeblätter und Eiswürfel verheißt die mundgeblasene Kristallglaskaraffe (1,3 Liter) köstliche Erfrischung. Die leicht taillierte Form, entworfen von Pil Bredahl, bietet der Hand beim Einschenken einen festen Halt. Der Ausgussmechanismus erinnert an ein Abflusssieb mit elegantem Edelstahlstopfen. Er hält Fremdkörper fern und öffnet sich bei Schräglage automatisch, wobei für Eiswürfel der Ausgang versperrt bleibt.

Variantenreich lässt sich mit den farbenfrohen (Fuchsia, Mandarin oder Aquamarin) Kristallglasbechern aus der Glasserie „Colours“ jedem Gast das Wasser reichen. Denn die nach historischen Vorlagen handgearbeiteten Schmuckstücke der Kristallglasmanufaktur Theresienthal beeindrucken mit aufwändigem Diamantenschliff und Karo-Boden. Die fröhlichen Farbtöne können nach Lust und Laune miteinander kombiniert werden. Der Krug (0,7 Liter) ist ausschließlich in Fuchsia und Klar erhältlich. Die Manufaktur Theresienthal ist nicht nur für ihre herausragende Glasbläserkunst berühmt, sondern auch dafür, dass sie klassische Handwerkskunst modern interpretiert: Für die Verzierungen der Serie „Bacchus“ beispielsweise dienten römische und mittelalterliche Gläser als Vorbild. Das Farbspektrum dieser Glaskrüge (0,75 Liter) reicht von Hellgrün über Bernstein, Hellblau, Rosa und Klar bis hin zu einem zarten Lila. Alle Töne harmonieren miteinander und können kombiniert werden.

In ruhigem Blau strahlt das Set „A Drop of Water“: Die transparente Wasserkaraffe in Meerblau entwarf die Designerin Ingegard Råman für die schwedische Glasmanufaktur Orrefors. Das Trinkglas wird als Verschluss einfach kopfüber auf die tropfenförmige Flasche (0,75 Liter) gestülpt. Ebenso besticht das Design von Ulrica Hydman-Vallien durch die schlichte Form ihrer Karaffenserie „Fine“. Lediglich die dreieckige Nase oben an der Kante verrät ihre Gießfunktion. Die zarte Einfärbung in Limone, Rosa, Blau oder Weiß verleiht den Glasgefäßen aus dem Haus Kosta Boda zusätzlichen Charme.

Statt auf Farbigkeit setzt der britische Designer Jasper Conran bei seiner Kristallglaskollektion der Firma Wedgwood auf Haptik: Eine reliefartige, spiralförmige Struktur umgibt die Karaffe und Trinkgläser der Serie „Strata“. In Anlehnung an barocke Fresken verkörpert der Entwurf der Linie „Arabesque“ (Rosenthal) den expressiven Stil von Versace. Die in Glas sandgestrahlten Ornamente scheinen sich in einem ewigen Kreislauf zu verschlingen. Die Karaffe setzt jedes Getränk effektvoll in Szene.

Ob opulent oder schlicht serviert – Wasser sollte eine höhere Wertschätzung als Getränk erhalten und salonfähig werden. Das forderten kürzlich Fachleute beim Symposium „Wasser trinken“, veranstaltet vom Internationalen Arbeitskreis für Kulturforschung des Essens in Heidelberg.

Weiteres im Internet :

www.ars-habitandi.de

www.artedonna.de

www.connox.de

www.eisch.de

www.rosenthal.de

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