Luxusimmobilien : Berlin wird das New York Europas

Eine neue Untersuchung sieht den Markt für exklusive Wohnungen im stetigen Aufwind: Luxus läuft.

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Grafik: Tagesspiegel / Klöpfel

Eine 420 Quadratmeter große Dachterrasse mitten in der City-West: Wäre das nicht eine schöne Vorstellung? Dabei muss dieser Wunsch kein Traum bleiben – vorausgesetzt, man hat das nötige Kleingeld auf der Bank. 8,5 Millionen Euro kostet die riesige Penthouse-Wohnung mit besagter Dachterrasse, die das Immobilienunternehmen Ralf Schmitz derzeit in der Eisenzahnstraße 1, unweit des Adenauerplatzes, errichtet. Das entspricht einem Quadratmeterpreis von 18.500 Euro. Interessenten schreckt das allem Anschein nach nicht: In dieser Woche hat ein russischer Interessent die Wohnung besichtigt, wie Maklerin Maren Nolte berichtet.

Nicht nur in der Eisenzahnstraße, sondern auch in anderen Lagen Berlins sieht Nolte eine große Nachfrage nach Luxuswohnungen. Gemeinsam mit Oliver Blum hat sie deshalb in Berlin das erste deutsche Büro des Luxusimmobilienmaklers John Taylor eröffnet. Das Unternehmen existiert seit 1864, war ursprünglich vor allem in Südfrankreich präsent und betreibt mittlerweile 21 Niederlassungen in zwölf Ländern.

Unter Luxusimmobilien verstehen Blum und Nolte Wohnungen, die mindestens 6000 Euro pro Quadratmeter kosten. Um herauszufinden, wie bedeutend dieses Segment ist, haben die beiden das Institut für Wohnungswesen, Immobilienwirtschaft, Stadt- und Regionalentwicklung (Inwis) in Bochum mit einer Untersuchung des Berliner Marktes beauftragt. Das Ergebnis: Wohnungen mit einem Quadratmeterpreis von mehr als 6000 Euro machen ein Prozent des gesamten Berliner Wohnungsangebotes aus. Die Schwelle von 10.000 Euro pro Quadratmeter überschreiten nur 0,2 Prozent aller angebotenen Wohnungen.

Auswärtige erwarten zu viel für ihr Geld

Doch die beiden Neu-Berliner – Nolte und Blum zogen vor eineinhalb Jahren von Zürich an die Spree – sind überzeugt, dass dieses Segment im Aufwind ist. Das Angebot an luxuriösen Wohnungen, die den Ansprüchen kapitalkräftiger Kunden aus dem Ausland genügen, werde in nächster Zeit deutlich steigen, sagen sie.

Dass in Berlin mittlerweile sehr hohe Wohnungspreise durchgesetzt werden können, möchten sie auch ihren auswärtigen Kunden nahebringen. Die hätten oft eine falsche Vorstellung vom Berliner Preisniveau und suchten erstklassige Wohnungen für 3500 bis 4500 Euro pro Quadratmeter, berichten die beiden Makler. Dann aber seien sie enttäuscht, dass die Wohnungen in dieser Preiskategorie nicht ihren hohen Erwartungen genügten.

Dass Bauträger mittlerweile auch ganz andere Preise verlangen, zeigt die Untersuchung von Inwis. Demnach kosten beispielsweise die Wohnungen, die das Unternehmen Egena derzeit in der Bleibtreu-/Ecke Mommsenstraße errichtet, bis zu 11.200 Euro pro Quadratmeter. Ebenso teuer ist eine 195 Quadratmeter große Wohnung in der Wissmannstraße (Grunewald). In der Uhlandstraße (Charlottenburg) fanden die Marktforscher eine Wohnung für 24.500 Euro pro Quadratmeter und in der Schwartzkopffstraße (Mitte) sogar eine für 28.700 Euro pro Quadratmeter.

Auch an der lauten Prenzlauer Allee ist es teuer

Diese Zahlen liegen weit über dem, was bisher an Berliner Spitzenpreisen genannt wurde. So gab im vergangenen Jahr das Maklerunternehmen Virtù bekannt, am Hausvogteiplatz die bislang teuerste Berliner Wohnung verkauft zu haben. Diese kostete laut Virtù 5,7 Millionen Euro oder 22.000 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche.

Kurz danach konterte der Schweizer Bauträger Peach Property Group mit einem Penthouse im Luxus-Wohnprojekt Yoo Berlin (Am Zirkus), für das er einen Preis von 6,25 Millionen Euro oder 25 000 Euro pro Quadratmeter aufrief.

Ganz oben auf der Wunschliste der Ausländer stehen nach Blums Worten neben Mitte die Stadtteile Charlottenburg und Prenzlauer Berg. Allein in Mitte zählen die Marktforscher in dem von John Taylor herausgegebenen Bericht 25 Straßenzüge, in denen Preise von mehr als 10.000 Euro pro Quadratmeter bezahlt werden. In Prenzlauer Berg wird diese Schwelle an vier Standorten überschritten, darunter erstaunlicherweise auch an der viel befahrenen Prenzlauer Allee.

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