Immobilien : Makler sehen Potsdam weiter als Boomtown

Brandenburgs Landeshauptstadt gilt als einer der wichtigsten Einzelhandelsstandorte Ostdeutschlands

Reinhart Bünger

Tendenz weiter steigend: Der Banken-, Wirtschafts- und Finanzkrise zum Trotz bescheinigten in dieser Woche gleich zwei Immobilienmakler und -beratungsunternehmen der brandenburgischen Landeshauptstadt Potsdam beste Perspektiven für einen weiteren Aufschwung.

Potsdam zähle mit Jena zu den am stärksten prosperierenden Städten in den neuen Bundesländern, schreibt die Comfort-Gruppe in ihrem Städtereport Potsdam. Die Arbeitslosenquote liege mit 10,9 Prozent deutlich unter den Werten sowohl für das Land Brandenburg als auch der übrigen ostdeutschen Regionen. „Innerhalb der letzten zehn Jahre“, so heißt es in der Studie weiter, „hat sich die Bevölkerung zur Hälfte ausgetauscht und wächst kontinuierlich durch Zuzug.“ Die Zahl der Gästeankünfte habe sich seit 1991 fast vervierfacht und die der ausländischen Gäste verdoppelt. Auch diese Entwicklung hatte einen Einfluss auf die Geschäfte in den Einzelhandelslagen. Potsdam sei in der Region Ost, so Ronald Steinhagen, Geschäftsführer der Comfort Berlin GmbH, „nach Berlin, Leipzig, Dresden, Erfurt und Rostock der wohl bedeutendste Einzelhandelsstandort“ – trotz der Sogkraft der Hauptstadt. Die Mieten in der Brandenburger Straße seien tendenziell leicht gesunken. Im besten Bereich der Brandenburger Straße auf Höhe des Karstadt-Hauses zwischen Dortusstraße und der Jägerstraße würden aber mit Einheiten zwischen 300 und 500 Quadratmeter Mieten von bis zu 45 Euro/Quadratmeter erzielt. Im Verlauf der vergangenen fünf Jahre seien die Mietpreise hier um mehr als 45 Prozent gestiegen. Der Anstieg sei im Vergleich mit anderen ostdeutschen Lagen als überdurchschnittlich zu bezeichnen, bilanziert die Unternehmensgruppe, die sich auf 1-A-Lagen deutscher Innenstädte spezialisiert hat.

Auch das Immobilienberatungsunternehmen CB Richard Ellis attestiert Potsdam, einer der fünf wachstumsstärksten Märkte für Einzelhandelsimmobilien in Ostdeutschland zu sein. Zwischen 2003 und 2008 seit die Bevölkerungszahl der Stadt um über 5,5 Prozent gestiegen, die langfristige Prognose gehe von einem Anstieg um 13 Prozent bis 2025 aus. In der Brandenburger Straße würden gar Spitzenmieten von bis 85 Euro pro Quadratmeter monatlich erzielt. Diesen Wert errechnete das Unternehmen in einer Top-1-A-Lage mit einer Größe von 100 Quadratmeter Verkaufsfläche und einer Straßenfront von fünf Metern. Die Nähe zu Berlin setze den Einzelhandelsstandort zwar einem erheblichen Wettbewerbsdruck aus. Auch verhindere die kleinflächige Prägung der Immobilien in der Fußgängerzone die Schaffung der für viele Handelskonzepte nötigen Flächen hinsichtlich Größe und Zuschnitt. Doch: „Derzeit werden in der Potsdamer Innenstadt auch keine großflächigen Einzelhandels-Projektentwicklungen realisiert.“ Mit der Aussage des Karstadt-Insolvenzverwalters, dass die Filiale in Potsdam nicht aufgegeben wird, dürften die Spitzenmieten in der Brandenburger Straße 2010 vergleichsweise stabil sein und bei einer Verbesserung des Konsumklimas wieder ansteigen. „Der erwartete Bevölkerungszuwachs macht Potsdam zu einem der interessantesten Einzelhandelsstandorte in Ostdeutschland“, frohlockt die CB Richard Ellis GmbH und sieht Potsdam gemeinsam mit der Comfort-Gruppe auf dem richtigen Weg: vorausgesetzt, dass in der Innenstadt auch größere Ladeneinheiten ihren Platz finden können. Reinhart Bünger

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben