Immobilien : Mehr Licht aber nicht um jeden Preis Was beim Einbau neuer Fenster zu beachten ist

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Wohnen in lichtdurchfluteten Räumen ist beliebt. Mancher Besitzer erwägt deshalb, in ein altes Haus mit kleinen Fenstern großzügige, moderne Fensterflächen einzubauen. Doch solch eine Aufgabe ist architektonisch und bautechnisch nicht leicht umzusetzen. Sie erfordert Sachverstand und optisches Feingefühl – wenn man Wertverlust und Bauschäden verhindern will.

„Durch den Einbau eines neuen Fensters kann sich die Luftfeuchtigkeit in den Räumen erhöhen und dies begünstigt die Bildung giftiger Schimmelpilze“, sagt der Bausachverständige Rolf Knitter. Der Grund: Neue Fenster sind sehr dicht und verhindern dadurch den bei Altbauten üblichen Luftaustausch am Fensterrahmen. Die mögliche Folge der Baumaßnahme deshalb: In den Räumen steigt die Luftfeuchtigkeit – verursacht durch das Kochen aber auch durch das Schwitzen sowie das Atmen der Bewohner. Diese Feuchtigkeit kann nicht mehr mit dem Zug entlang der alten Fenstergläser oder der Rahmen entweichen. Dadurch kondensiert die Luftfeuchtigkeit und schlägt sich am Mauerwerk nieder. Dort bildet sie den idealen Nährboden für Schimmel.

Nach dem Einbau neuer Fenster müssen die Bewohner der Immobilie deshalb ihr Verhalten grundlegend ändern, rät der Gutachter: Sie müssen viel und gründlich Lüften, damit die alte Luft dadurch aus den Räumen gelangen kann.

Nicht nur das Raumklima, auch die Architektur ändert sich durch den Einbau eines Fensters. „Um mehr Licht und Luft in Räume zu bekommen, kann ein Bauherr nicht einfach ein Loch für ein neues Fenster in die Wand schlagen“, sagt Ulrich Zink, Architekt und Geschäftsführer des Bundesarbeitskreises Altbauerneuerung. Zusätzliche Fenster verändern als „Augen der Fassade“ die Architektur eines Hauses. Ein Fenstereinbau ist zudem ein Eingriff in die Statik. Deshalb sollte grundsätzlich ein Architekt ein entsprechendes Vorhaben planen. Zumal „Fenster, die nicht zum Haus passen, auch den Wert einer Immobilie beträchtlich mindern“, sagt Zink. Statt des Wertzuwachses durch die Modernisierung drohe deshalb beim Hausverkauf ein Wertverlust.

„Wer in ein Haus zusätzliche neue Fenster einbauen will, sollte dabei immer auf die Himmelsrichtung achten“, rät Jan Birkenfels. Der Mitarbeiter des Fensterherstellers Interpane verweist auf energetische Vor- und Nachteile der Maßnahme. Zwar erziele eine Isolierverglasung fast die gleiche Wärmedämmung wie massive Außenwände. Durch einen Einbau nach Süden gewinne ein Raum aber zusätzliche Sonnenwärme.

Nur sehr wenig Licht haben oft Dachräume, die erst noch zu Wohnzwecken ausgebaut werden müssen. Dort, wo oft nur eine Dachluke ist, lassen sich Gauben oder Dachflächenfenster einbauen. „Die Größe der Fensterflächen für diese Gauben und Dachwohnfenster können Bauherren aber nicht frei bestimmen“, sagt Axel Friedland vom Fensterhersteller Velux. Die Landesbauordnungen schreiben Mindestlichtflächen vor. Diese liege – je nach Bundesland – zwischen einem Achtel und einem Zehntel der Grundfläche des Raumes.

„Klassische Gaubenfenster haben den Vorteil, dass durch sie zusätzlicher Raum gewonnen werden kann“, sagt Zink. Und von außen betrachtet, lassen sie sich gut in die Architektur des Hauses integrieren. Damit dies gelingt, sollte aber ein Profi mit dem Design der Dachgaube beauftragt werden.

Dachfenster werden flach in die Dachdeckung eingebaut. „Bei der Anordnung von Dachflächenfenstern sollte nicht nur auf eine gute Belichtung und ansprechende Optik im Wohnraum geachtet werden“, sagt Friedland. Wichtig sei auch eine gelungene Architektur – beispielsweise durch die Übernahme von Formaten und Architektur der Fassade.

Auch in Hobby-, Spiel- und Arbeitskellern fehlt es oft an Licht und Luft. „Ein zusätzlicher Einbau von Fenstern ist hier zwar möglich, aber schwierig“, sagt Gisela Pohl von der Initiative Pro Keller in Friedberg (Bayern). Um eine neue Fensteröffnung in die tragende Außenwand zu brechen, müsse die Kellerwand bis zur Mitte aufgeschlitzt werden. Danach werde ein U-Träger möglichst mit Quellmörtel satt eingefasst und nach oben mit Hilfe von Keilen verspannt. Auch hier sollte ein Profi in die Planung einbezogen werden. Und um Schäden am Gebäude zu vermeiden, muss immer auch ein Statiker hinzugezogen werden. ball/dpa

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