Immobilien : Mehr Licht

Die beiden größten deutschen Immobilienmakler-Verbände schließen sich zusammen. Dem Kunden soll das mehr Transparenz und kompetentere Beratung bringen. Fünf Fragen und Antworten

Ralf Schönball

In der vergangenen Woche haben sich der Ring Deutscher Makler (RDM) sowie der Verband Deutscher Makler (VDM) zu einer neuen Organisation zusammengeschlossen. Was ändert sich durch die Gründung des neuen Immobilienverbandes Deutschland (IVD)?

Zu den wichtigsten Zielen des IVD zählt die Professionalisierung der Immobilien-Dienstleister sowie die Bündelung der bisher stark zersplitterten Branche. Der IVD wird nicht nur die mehr als 6000 Makler aus den beiden früheren Verbänden vertreten, sondern auch Finanzdienstleister sowie Immobilien-Verwalter. Um den Ruf der Branche aufzupolieren, sollen sich alle Mitglieder einem Ehrenkodex unterwerfen und gemeinsam formulierte Standesregeln und Wettbewerbsregeln annehmen. Langfristig strebt der Verein an, dass die verschiedenen Immobiliendienstleistungen zu Ausbildungsberufen werden mit ähnlichen Anforderungen wie bei einer Lehre zum Bankkaufmann.

Was wird sich dadurch konkret für den Interessenten an einer Miet- oder Eigentumswohnung ändern?

Den so genannten Bettkanten-Maklern, die Gebühren einfach nur durch den Nachweis einer Immobilie kassieren, will der Verein das Leben erschweren. Ziel ist es, den Verbrauchern eine professionelle Beratung und Dienstleistung anzubieten, die die Zahlung einer Maklercourtage rechtfertigen. Dazu will der Verein auch auf Bundesebene durchsetzen, dass Makler nur dann einen Anspruch auf Provision haben, wenn sie vom Eigentümer der vermittelten Immobilie mit dem Verkauf oder der Vermietung ausdrücklich beauftragt wurden. Das soll umstrittenen Maklern, die ein Objekt auf Verdacht, manchmal sogar ohne Wissen des Eigentümers am Markt anbieten, solche Geschäfte in Zukunft unmöglich machen.

Immobilieninvestitionen werden von Maklern oft auch in schlechten Zeiten schön geredet. Wird auch hier mehr Sachlichkeit angestrebt?

Der IVD plant eine Transparenz-Offensive. Die Makler kennen die Preise am Markt, und der Verein wird diese Informationen sammeln und regelmäßig in objektiven Berichten veröffentlichen. Diese sollen alle maßgeblichen Kriterien zur Beurteilung einer Investition berücksichtigen.

Der Verein will auch auf politische Entscheidungen, die den Immobilienmarkt betreffen, einen größeren Einfluss nehmen. Mit welchem Ziel?

Der Erwerb einer Immobilie soll mit anderen Sparformen zur Altersvorsorge gleichgestellt werden. Denn die große Mehrheit der Deutschen bezeichnet die eigene Immobilie als wichtigste Säule zur Sicherung ihrer Einkünfte im Alter. Dennoch fördert der Gesetzgeber das Sparen auf den Erwerb einer Immobilie nicht im gleichen Maße wie eine Altersvorsorge beispielsweise durch den Abschluss einer Riesterrente.

Der Berliner Regionalverband vom Ring Deutscher Makler hat bundesweit als einziger Regionalverband der Fusion nicht zugestimmt. Was passiert nun mit diesen widerspenstigen Mitgliedern?

Der neue Vorstand des Immobilienverbandes Deutschlands will auf die Berliner Mitglieder vom Ring Deutscher Makler zugehen und sie zum Beitritt in den neuen Verband bewegen.

Der Widerstand dürfte auch auf das Pöstchengeschachere zurückzuführen sein, der mit der Bildung von Verbänden oft einhergeht. Was verdienen eigentlich die Vorstände des neuen Vereins, und wie will man den Anspruch auf Transparenz auch in der Spitze einhalten?

Der Präsident des IVD, Johann-Peter Henningsen, erhält für seine ehrenamtliche Tätigkeit eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 1500 Euro monatlich. Der bisherige Gesamtetat der beiden vereinigten Maklerverbände betrug jährlich 3,5 Millionen Euro. Ziel von Henningsen ist es, vor allem bei der Verwaltung zu sparen und die derzeit 62 Vereine einschließlich Bezirks- und Landesverbänden auf zunächst acht und bis zum Jahr 2007 auf nur noch vier große Regionalverbände zu reduzieren. Das dadurch eingesparte Geld soll insbesondere in die Aus- und Fortbildung investiert werden sowie in die Werbung neuer Mitglieder.

Was qualifiziert den ersten IVD-Präsidenten zur Ausübung seiner Aufgabe in dem neuen Verband?

Johann-Peter Henningsen ist seit 30 Jahren Makler und seit 19 Jahren Bürgermeister von Süder-Brarup in Schleswig-Flensburg. Diese Gemeinde zählt zwar nur 4000 Einwohner doch sie ist außerdem zuständig für die Verwaltung von 17 weiteren Gemeinden in der Umgebung. Neben seiner Erfahrung als Verwaltungschef glaubt CDU-Mitglied Henningsen in der kommunalen Politik das Rüstzeug erworben zu haben, mit dem er Einfluss auf die Immobilien-Gesetzgebung nehmen kann.

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