Mietbetrug : Mietnomaden gesucht

Laut Studie sind seit 1966 nur 400 Fälle nachweisbar.

In Deutschland gibt es weit weniger Fälle von Betrug durch Mietnomaden als bisher angenommen. Insgesamt wurden nach Angaben des Bundesbauministeriums nur rund 1500 Fälle von Vermietern bekannt, die sich in den letzten Jahrzehnten als Opfer von betrügerischen Mietern fühlten. Wissenschaftlich nachweisliche Fälle von Mietnomadentum gibt es laut einer Studie sogar nur 400. Der älteste Fall stammt aus dem Jahr 1966.

Markus Artz und Florian Jacoby von der Forschungsstelle Immobilien der Universität Bielefeld ermittelten dies in einem Gutachten für die Bundesregierung. Mietnomaden zahlen mit Verweis auf angebliche Mängel die Miete nicht, lassen Wohnungen verkommen und ziehen dann woanders hin. Insgesamt gibt es 23 Millionen Mietverhältnisse in Deutschland. Um Mietnomaden hatte es heftige Debatten gegeben, Hauseigentümer- und Maklerverbände sprachen von tausenden Fällen. Die Regierung sah sich zum Handeln gezwungen und wartete nicht auf die nun vorgelegte Untersuchung zu tatsächlichen Fällen: Im Oktober wurden Eckpunkte einer Mietrechtsreform bekannt. Damit soll der Rauswurf von Mietnomaden und die Räumung ihrer Wohnung erleichtert werden. Auch wenn es sehr wenige Fälle gibt, für den einzelnen Vermieter kann der Mietnomade schweren Schaden bedeuten: Kosten für den Gerichtsvollzieher, die Räumung und das Klageverfahren können sich auf 10 000 bis 20 000 Euro summieren.

Die Zahlen belegten, dass kein nennenswertes Mietnomadenproblem in Deutschland existierte, teilte der Deutsche Mieterbund mit. „Die von der Bundesregierung vorgeschlagenen Mietrechtsänderungen zur Bekämpfung des Mietnomadentums sind demnach überflüssig und müssen zurückgenommen werden“, sagte der Präsident des Mieterbundes, Franz-Georg Rips. Die Ergebnisse der Untersuchung seien peinlich für die schwarz-gelbe Koalition. „Sie sind der Mär von zigtausend Mietnomaden in Deutschland aufgesessen und haben Mietrechtsänderungen vereinbart, geplant und formuliert, ohne irgendwelche belastbaren Informationen zum Ausmaß dieses ,Problems‘ zu haben“, kritisierte Rips. dpa

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