Mietsteigerung : Wohnungen werden immer kostbarer

In deutschen Städten wird die Suche nach erschwinglichen Räumen zur Geduldsprobe. Wie lässt sich Abhilfe schaffen?

Burkhard Fraune
Die Wohnungsnot wächst. Und das nicht nur in Universitätsstädten. Vor allem Großstädte sind betroffen.
Die Wohnungsnot wächst. Und das nicht nur in Universitätsstädten. Vor allem Großstädte sind betroffen.Foto: Waltraud Grubitzsch/dpa

Studenten schlafen in Turnhallen, Gerichtsvollzieher räumen Wohnungen unter Polizeischutz, Familien demonstrieren, weil sie die Verdrängung aus ihrem Stadtteil fürchten – solche Fälle illustrieren ein wachsendes Problem in Deutschland.

Wohnungen sind knapp, und Mieten wird immer teurer – zumindest an bestimmten Orten. Ein Überblick: Wo ist der Mietenanstieg besonders stark? Das Bild ist zweigeteilt: Auf dem Land und in vielen Städten steigen die Mieten nur langsam, teils sinken sie. Aber in Großstädten, Ballungszentren und an Unistandorten geht es kräftig aufwärts. Dort schlagen Eigentümer momentan zwanzig bis vierzig Prozent auf die Miete auf, wenn der Mieter wechselt. Das hat das F+B-Institut in Hamburg ermittelt.

F+B berechnet unter anderem den Berliner Mietspiegel, dessen Neuauflage am vergangenen Donnerstag mit Spannung erwartet wurde. Der offizielle Mietspiegel 2013 weist als durchschnittliche Berliner Kaltmiete einen Quadratmeterpreis von 5,54 Euro pro Monat aus – ein Plus von 6,3 Prozent im Vergleich zu 2011. Nach Angaben des Berliner Mietervereins waren erneut die Altbauwohnungen, die bis 1918 bezugsfertig wurden, und die Nachkriegsbauten der Jahrgänge 1965-1972 betroffen. Hier stiegen die Oberwerte gegenüber dem Mietspiegel 2011 um bis zu 25 Prozent an.

Steigende Neuvertragsmieten sind auch ein Problem für Mieter, die nicht umziehen – denn sie fließen zeitversetzt in die Mietspiegel ein, an denen sich die Bestandsmieten orientieren. „Das sind die Vergleichsmieten von morgen“, warnt der Deutsche Mieterbund.

Warum steigen die Mieten? Jahrelang wurde zu wenig gebaut. Zwar gibt es in Deutschland gut vierzig Millionen Wohnungen, in den vergangenen zehn Jahren sind aber nur 1,5 Millionen hinzugekommen. Zwar wächst laut Statistischem Bundesamt die Zahl der Baugenehmigungen. In den Großstädten wurden aber viele Eigentumswohnungen und oft teure Mietwohnungen gebaut. Für den kleinen Geldbeutel kam wenig hinzu.

Gleichzeitig wächst die Nachfrage. Viele Menschen zieht es in die Städte. Allein für die wachsende Zahl der Studenten fehlen 25 000 Wohnheimplätze, mahnt das Deutsche Studentenwerk. Es gibt so viele Einpersonenhaushalte wie nie, jeder fünfte lebt allein. Und viele Anleger bringen angesichts der Schuldenkrise im Euroraum ihr Geld mit Immobilien in Sicherheit, wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung beobachtet.

Wohnungen werden so knapp und teuer. Nach Berechnungen der Beratungsfirma Empirica waren in München Ende 2011 noch 0,6 Prozent der vermietbaren Wohnungen frei, in Hamburg 0,7 Prozent. „Das ist eine Entwicklung, die ich in mehr als 20 Jahren nie kennengelernt habe“, sagt Mieterbund-Präsident Franz-Georg Rips. „Deutschland hat eine neue Wohnungsnot.“ Selbst Vermieter sprechen von Problemen.

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