Immobilien : Miniermotte nicht nur auf Kastanien Bekämpfung in der Erprobung

Peter Becker

Immer mehr bekommen die Insektenforscher über die Kastanienminiermotte heraus, die vor ein paar Jahren wie aus heiterem Himmel in Mazedonien auftauchte und seitdem Bäume in ganz Europa zum Abwurf der Blätter bereits im Sommer brachte. Neu ist die Erkenntnis, dass das winzige Tierchen sich nicht nur auf der weiß blühenden Rosskastanie entwickeln kann. Auch auf Berg- und Spitzahorn durchläuft es den kompletten Zyklus vom Ei über die Larve, die in den Blättern miniert und diese zur Braunfärbung bringt, bis hin zur Puppe und zum Falter.

Daraus und aus so genannten Wirtspflanzenspezifitätstests lassen sich vielleicht Rückschlüsse auf den ursprünglichen Lebensraum des Schädlings sowie auf die Gegebenheiten dort und natürliche Gegenspieler zielen. Vieles deutet auf Asien hin, auch Nordamerika kann nicht völlig ausgeschlossen werden. Weitgehend sicher sind sich die Forscher, dass die Motte mit dem wissenschaftlichen Cameraria ohridella aus der kontinentalen Klimazone stammt. „Sie hält spielend Temperaturen bis minus 26 Grad aus“, sagt Jona Freise von der TU München, „auf Feuchtigkeit aber reagieren die Puppen empfindlich.“

Hinweise gibt es auch darauf, dass sich das Tierchen leicht an andere Wirtsbäume anpassen kann. Auch auf der Haselnuss haben Forscher im europäischen Control-Cameraria-Projekt schon Larven gefunden. Hier konnten die Schädlinge sich weit entwickeln, auch wenn sie letztendlich starben. „Vielleicht“, so spekuliert Jona Freise vorsichtig, „lebt Cameraria zu Hause gar nicht auf der Rosskastanie, hat sich aber in Europa nach der Einschleppung flugs an sie angepasst.“ In anderen Worten: Das Tier fand von Mazedonien ausgehend sozusagen sein Paradies auf Erden.

Nach wie vor ungeklärt und widersprüchlich ist, dass die Motte sich nicht auf der rot blühenden Kastanienart (Aesculus carnea) entwickeln kann, dort aber ihre Eier ablegt. Freise mutmaßt: „Einerseits scheinen diese Bäume einen Duft auszusenden, der die Motte anlockt, andererseits müssen sie wohl einen Giftstoff in den Blättern haben, der die geschlüpften Larven schon nach den ersten Mahlzeiten killt.“ Aesculus carnea ist übrigens eine Kreuzung von Menschenhand und kommt in der Natur nicht vor.

Eine durchschlagende Bekämpfungsmethode ist noch nicht in Sicht. Als Ergänzung zum Einsammeln der Puppen durch Beräumung des Laubs kommt von Schweizer Forschern die Idee, die Parasiten des Schädlings zu fördern. Die Berliner Pflanzenschützer wollen in diesem Jahr verstärkt untersuchen, welche der Bekämpfungsmethoden die beste ist. Hartmut Balder vom zuständigen Amt setzt große Stücke auf die attract-and-kill-Methode, die sozusagen als gezielter chemischer Dolchstoß gegen den Schädling wirkt: Mittels einer Duftwolke aus weiblichem Lockstoff werden die Männchen an einzelnen Punkten im Baum angelockt und dort von wirksamen Giften getötet. In verschiedenen Bereichen der Landwirtschaft wurden mit diesem vergleichsweise schonenden Verfahren schon viel versprechende Erfolge verzeichnet. Ziel der Bekämpfung muss vor allem sein, die erste Generation der Motte wirkungsvoll zu treffen und so die Massenvernichtung übers Jahr zu verhindern.

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