Minihäuser : Bauen fürs Leben – ohne sich zu früh festzulegen

Das modulare Ein-Personen-Haus kann nach Belieben auch erweitert werden

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Der demografische Wandel bringt es mit sich: In Berlin besteht die Hälfte aller Haushalte aus einer Person. Auch deutschlandweit steigt die Zahl derer, die allein leben, konstant und liegt laut Statistischem Bundesamt bei knapp 40 Prozent. Besserverdienende Singles wollen aber nicht unbedingt in einer Miet- oder Eigentumswohnung leben. Was liegt da näher als das Singlehaus?

In den USA gibt es den Trend zum Kleinsthaus schon seit mehr als 15 Jahren. Vor allem alleinstehende Senioren, die den Komfort ihres Eigenheims nicht missen, sich aber nicht mehr mit dem großen Familienhaus belasten wollen, sind Kunden für Architekten und Projektplaner, die kleine Häuser im Grünen bauen. So entstehen in zahlreichen amerikanischen Vororten sogenannte Gated Communities für Senioren, die mit Kleinsthäusern bebaut sind. „Diese ebenerdigen, barrierefreien Häuser sind in der Fläche auf das Nötigste reduziert“, sagt Architekt Francis Oda. „Sie bieten aber gleichzeitig Komfort und Sicherheit für die Bewohner und vor allem die Freiheit, in den eigenen vier Wänden zu Hause zu sein.“ Ganz nach dem Motto „so viel wie nötig, so wenig wie möglich“. Dabei stellten Viele erstaunt fest, wie wenig Platz sie wirklich brauchten, registriert Oda. Es gebe Minihäuser bereits ab einer Fläche von nur 35 Quadratmeter, die einer ebenerdigen Zweizimmerwohnung mit Terrasse und Garten glichen.

Auch in Deutschland haben mittlerweile Architekten und Fertighausanbieter den Singlemarkt entdeckt. Sie zielen mit ihren Entwürfen und modularen Bausystemen jedoch nicht ausschließlich auf ältere Kundschaft. Meist ködern sie mit ihren funktionalen und formschönen Minihäusern eine designorientierte Klientel, die Wert auf Individualität, Nachhaltigkeit und ein Eigenheim im Grünen legt. „Wer alleinstehend ist, benötigt eher wenig Platz. Es muss aber nicht zwingend eine Singlewohnung sein. Wer es ein wenig geräumiger, aber dennoch kompakt liebt, kann ebenso in ein Singlehaus ziehen“, sagt Rolf Reiter, Geschäftsführer der Krauss GmbH. Die Firma hat sich auf Konzeption und Bau von Design- Fertighäusern spezialisiert und entwickelt ein modulares Singlehaus, das sogar mit seinem Eigentümer umziehen kann.

Schaut man sich um, stellt man schnell fest, dass die meisten Designhäuser in Kleinformat Ausdruck individueller Wohnträume auf zwei oder sogar mehr Etagen und in erster Linie die Wohnstatt junger Singles mit dem Wunsch nach einer eigenen Immobilie mit Garten sind – von Barrierefreiheit keine Spur. Auch nutzen Architekten, die solche teils extravaganten Minihäuser bauen, die Grundstücksflächen optimal aus. Auf kleinen Parzellen oder in schmalen Baulücken entstehen so interessante Häuser für Singles mit Anspruch. „Das ist vollkommen legitim“, sagt Francis Oda. „In Japan ist das schon lange gang und gäbe.“

Dabei muss ein Singlehaus in Vorstadtlage nicht zwingend ein Ein-Personen- Haus bleiben. Gerade Fertigbau-Spezialisten bieten modulare Baukastensysteme an, die es dem Eigentümer ermöglichen, klein anzufangen und sein Haus Schritt für Schritt vom Single- über Familien- bis hin zum Mehrgenerationenhaus auszubauen. „Bauen fürs Leben – ohne sich vorzeitig festzulegen“ lautet daher das Motto der modular aufgebauten Lifeline-Häuser von Haas Fertigbau, die in Zusammenarbeit mit dem österreichischen Architektenduo Innerhofer und Innerhofer entwickelt wurden. Die Idee dahinter spiegelt den Zeitgeist: Die Bewohner müssen keine Rücksicht auf die Kapazität ihres Hauses nehmen, eher das Haus wächst mit den Bedürfnissen der Bewohner.

Dass die Entscheidung für ein Singlehaus nicht nur eine rein emotionale, sondern vor allem eine finanzielle sein kann, bestätigt sich beim Blick auf die Preise für Bauland und Bau im Vergleich zu den Kosten für eine Eigentumswohnung in Innenstadtlage. Einfache Singlehäuser mit einer Wohnfläche von 80 Quadratmetern sind zwischen 70 000 und 130 000 Euro inklusive Planungskosten zu haben. Die Beschränkung auf ein Minimum an Grundstücks- und Wohnfläche zahle sich aus, wie Heike Dettmar vom Informationsportal bauen.de meint. Funktionalität, Flexibilität und Kostenminimierung seien beim Singlehaus die entscheidenden Faktoren.

Obendrein ist die potenzielle Wertsteigerung eines interessanten Objekts in entsprechender Lage nicht zu verachten. „Die demografische Entwicklung wird den Wert der Immobilie in Zukunft nicht entwerten. Es kommt nicht auf die Zahl der Einwohner, sondern auf die Zahl der Haushalte an“, sagt Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) und verweist darauf, dass sich trotz schrumpfender Bevölkerung die Zahl der Haushalte langfristig nicht drastisch verringern wird. Von einer Immobilienentwertung durch Bevölkerungsschwund könne also keine Rede sein – vor allem nicht für Kleinsthäuser.

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