Immobilien : Mit der Weinrebe verwandt

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Nachstehend veröffentlichen wir die vom Botanischen Garten für diese Woche herausgegebene Zusammenstellung besonders sehenswerter Pflanzen, die im Freigelände oder in den Gewächshäusern mit einem roten Punkt gekennzeichnet sind. Der Garten ist täglich von 9 Uhr an geöffnet, die Gewächshäuser am Wochenende ab 10 Uhr.

Gewächshäuser. Unter der Kapitelüberschrift „Vitaceae = Weingewächse" schrieb der Sammler Kurt Dinter 1909 über Pflanzenfunde in Halbwüstengebieten im heutigen Namibia: „Als ich im Jahre 1898 im März zum ersten Male Bäume mit gelber Papierrinde sah, mit gichtisch geschwollenem, 3 m hohen Stamm mit wenigen handgelenkdicken, klobigen Ästen, an deren Ende 4-7 dreizählige Blätter mit handgroßen, 1/3 cm dicken, saftigen Blättchen, aber ohne Blüten und Früchte, da hatte ich keine Ahnung, zu welcher Familie ich dieses Monstrum zu stellen hätte."

Es vergingen zwei Jahre in dieser extrem trockenen Gegend um Otavi, bis Kurt Dinter zum ersten Mal „eine Traube mit noch einer einzigen, roten, weichen, länglichen Beere" fand. Die darin enthaltenen Samen brachten ihm mit einem Schlage die Gewissheit, dass es sich um ein Rebengewächs handelte. Es war eine schon früher beschriebene, „in der Halbwüste des Hererolandes auf Granit häufige Art". Doch im gleichen Abschnitt erwähnt Dinter eine sehr ähnliche, auf Kalkhügeln vorkommende und durch „blaugrüne" Blätter unterschiedene Art. Diese neue Art wurde von ihm später seiner Frau Jutta gewidmet und 1912 von den Berliner Botanikern Gilg und Brandt in den Botanischen Jahrbüchern als „Cissus juttae Dinter“ und „Gilg“ beschrieben. Die Art ist nur aus Namibia bekannt. Heute wird sie einer von Cissus (Klimme) abgetrennten Gattung zugeordnet und heißt Juttas Cyphostemma (Cyphostemma juttae).

Der Gattungs bezieht sich auf Blütenmerkmale und bedeutet etwa „Buckelkrone". Einen gängigen deutschen Namen gibt es für diese etwa 300 Arten umfassende und von Afrika über Madagaskar bis Südostasien verbreitete Gattung bisher nicht. Die meisten Cyphostemmas sind übrigens Kletterpflanzen mit großer Ähnlichkeit zu „normalen", das heißt in unseren Breiten bekannteren Rebengewächsen.

Einige afrikanische Arten haben sich im Laufe der Evolution in unterschiedlicher Weise an die speziellen Bedingungen des Lebensraums Halbwüste angepasst. Der massive, sukkulente Stamm bildet den Wasserspeicher mit grüner Rinde und papierartiger Borke. Von den wenigen beblätterten Trieben bleibt am Ende der Vegetationsperiode nur das unterste kurze Stück erhalten. Der größte Teil wird in der Trockenzeit abgeworfen. Übrig bleiben nur der klobige, im Alter bis wenige Meter hohe Stamm und die stummelartigen Äste.

Während der Ruhezeit, bei uns im Winter, sieht man dieser bizarren Pflanzengestalt ihre Verwandtschaft mit der Weinrebe wirklich nicht an. Nach ihrer Lebensform gehört sie gemäß einer heute gängigen Einteilung zur Gruppe der Caudexpflanzen. Darunter versteht man mehrjährige Pflanzen mit stark verdicktem Speicherorgan, an dem nur Stammbasis und Wurzelstock beteiligt sind.

Die beiden aus Samen gezogenen Exemplare sind erst knapp einen Meter hoch aber schon 40 Jahre alt. An den doldenrispigen Blütenständen sind die winzigen, grünlichen Blüten und vereinzelt auch schon die ersten roten Beeren zu beobachten. Wegen ihres hohen Gehalts an Oxalsäure sind sie für unseren Geschmack allerdings ungenießbar.

Zu finden ist die „Pflanze der Woche“ im Gewächshaus „H", wo im Botanischen Garten die sukkulenten Pflanzen der Alten Welt gedeihen . Beat Ernst Leuenberger

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