Immobilien : Mit harten Bandagen in den Kampf um Kunden

HANS PFEIFER

Bausparkassen mit Innovationen zu RekordumsätzenVON HANS PFEIFER Bausparen galt bisher als altbacken und wirtschaftlich wenig attraktiv - dennoch schlossen zahlreiche Bundesbürger Verträge ab.Seit der Einführung der neuen Bausparförderung zum 1.Januar 1996 jagen die Kassen sogar von Rekord zu Rekord.Auch der Verbraucher profitiert: von besseren Förderungen und vom schärferen Wettbewerb.Die 21 privaten und 13 öffentlichen Bausparkassen kämpfen mit harten Bandagen um Marktanteile, das Ergebnis sind immer neue Serviceangebote und neue Produkte.Doch Vorsicht, nicht alles, was neu auf dem Markt kommt, bereichert ihn auch - geschweige denn den Kunden. Derzeit haben in den alten Ländern 41 Prozent der Haushalte ein eigenes Heim, in den neuen Ländern nur 26 Prozent.Zu wenig, sagt die Politik und verbesserte die staatliche Förderung für das Bausparen: Die Prämie wurde auf maximal 200 DM pro Jahr für Ehepaare und 100 DM für Alleinstehende erhöht und in ihren Genuß kommt nun, wer bis zu 100 000 DM (Ehepaar) oder 50 000 DM (alleinstehend) verdient und zwar bereits ab 16 Jahren, statt bisher 18.Diese Neuerungen brachten den privaten Bausparkassen 1996 ein Wachstum von fast 30 Prozent bei Neuverträgen, "eingelösten Bausparsummen". Zudem wartet die Branche mit Innovationen bei den Produkten und einem verbesserten Service auf, als ob sie die daran geübte Kritik der Stiftung Warentest und anderer Verbraucherschützer Lügen strafen wollte.Die Offensive eröffnete bereits Ende 1995 Wüstenrot.Dessen "Ideal-Bausparen" bietet den Kunden die Möglichkeiten, Sparzeiten, Vertragszuteilung und Tilgung zu bestimmen.Nun mußte der Sparer nicht mehr schon bei Abschluß des Vertrages seine Spar- und damit auch Darlehenssumme festlegen, sondern konnte zwischen 15 Varianten wählen, die eine fühere oder spätere Auszahlung des Darlehens erlaubten.Ein Beispiel: Läßt er sein monatlich eingezahltes Bausparkapital mit 3 Prozent verzinsen, dann hat er einen Anspruch auf ein Darlehen, das ihn 5 Prozent Zinsen kostet.Er kann auch eine höhere Verzinsung verlangen, zahlt dann aber mehr für das Darlehen.Kurz, die Höhe der Zinsen und der Tilgung kann der Kunde beliebig verändern.Ebenfalls variabel wurde das Verhältnis von Sparguthaben und Darlehen.Einst mußte der Sparer die Hälfte der Bausumme ansparen, um den Rest als Darlehen zu bekommen.Fortan konnte er ein höheres Darlehen verlangen, obgleich er eine kleinere Summe angespart hat. Anfang 1996 stellte sich die Heimstatt Bausparkasse mit ihrem "Mehr Wert"-Tarif dem Wettbewerb - sie nahm dabei auch auch solche Kunden ins Visier, die gar nicht bauen, sondern nur sparen wollen.Ihnen werden bis zu sieben Prozent Rendite in Aussicht gestellt.Wer so hohe Zinsen verlangt, bekommt nach sieben Jahren aber kein zinsgünstiges Baudarlehen. Zu den weiteren wichtigen Neuerungen des Jahres 1996 zählten sogenannte Festzinsangebote.Hier schließt der Bausparer einen Vertrag ab und bekommt sofort ein Darlehen von der Bausparkasse ausgezahlt.Für das Baugeld bezahlt er die marktüblichen Effektivzinsen von Hypothekenbanken.Im Unterschied zu Krediten von der Bank - hier werden die Zinsen nach Ablauf der Festschreibung von fünf, zehn oder 15 Jahren neu festgesetz - sind in diesem Fall für die gesamte Laufzeit feste Raten vorsehen - bis zu 20 Jahre lang.So weiß der Bauherr in Heller und Pfennig, wieviel Geld er monatlich aufzubringen hat.Derzeit ist das ein interessantes Angebot, weil die Zinsen ein historisches Tief erreicht haben und diese Konditionen dann 20 Jahre gelten.Derartiges bieten heute neben dem Erfinder Debeka auch Nachahmer wie mh-Bausparkasse, Heimstatt und DBS Deutsche Bausparkasse. Zu den weiteren Innovationen zählen Bausparpläne, bei denen die achtjährige staatliche Eigenheimzulage von jeweils 5000 DM nicht an die Baherren ausgezahlt wird, sondern aufs Bausparkonto fließt.Dadurch kommt der Sparer nicht in Versuchung, sie anderwaitig auszugeben.Außerdem machte die Bausparkasse Schwäbisch Hall den folgenden Vorstoß: Der Bausparer kann die verschiedenen Tarifvarianten - also Zinsen, Tilgung und Zuteilung - frei wählen, außerdem wurde die Zahl der Bewertungsstichtage von branchenüblich vier pro Jahr auf zwölf erhöht.Das verbessert das Bausparen: Ist die Sparzeit vorbei, und der Kunde hat einen Anspruch auf Erspartes plus Darlehen, dann bekommt er beides binnen ein bis drei Monaten - bei lediglich vier Bewertungsstichtagen im Jahr können dagegen vier bis sechs Monate bis zur Auszahlung vergehen.Die BHW-Gruppe zog nach.Anfang März verkündete sie unter dem Namen "BHW Dispo Plus" die Abschaffung aller Gebühren nach Vertragsabschluß, die Beseitigung der üblicherweise vorgeschriebenen Mindestansparsumme bevor ein Darlehen erteilt wird sowie eine neue Höchstrendite für Sparer von 7,2 Prozent. Allerdings ist das scheinbar lukrative Angebot nicht ohne Fallstricke.Erstens kommt die Traumrendite nur zustande, wenn die Sparer nach sieben Jahren aufs Darlehen verzichten.Das hatte die BHW in ihrer Werbung zu erwähnen "vergessen" - prompt strengte die Bausparkasse Wüstenrot eine Unterlassungserklärung an.Außerdem müssen die echten Bausparer für die Rendite der Nur-Sparer aufkommen: Sie müssen für den Wegfall der marktüblichen zwei Prozent Darlehensgebühr mit einer Senkung ihrer Guthabenzinsen von drei auf zwei Prozent bezahlen.Last not least hat auch die Senkung des Mindestguthabens für die Erteilung des Darlehens seinen Preis.Üblicherweise muß der Bausparer 50 Prozent seines Baugeldes zusammensparen, weitere 50 Prozent bekommt er als zinsgünstiges Darlehen von der Bausparkasse.Nun braucht der Sparer nur zehn Prozent zu sparen, 90 Prozent bekommt er als Darlehen.Wer sich allerdings dafür entscheidet, muß auch bei sofortiger Einzahlung der "Sparsumme" mehr als 27 Jahre auf sein Darlehen warten - neue Bausparangebote können ausgesprochen unsinnig sein.

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