Immobilien : "Mit Strom sind gute Einnahmen zu erzielen"

CHRISTOF HARDEBUSCH

Die bevorstehende Liberalisierung bringt privaten Betreibern neue VorteileVON CHRISTOF HARDEBUSCH Nach der Telekommunikation wird demnächst auch der jahrzehntelang monopolistisch organisierte Strommarkt für den freien Wettbewerb geöffnet.Theoretisch kann damit bald jeder seinen Strom kaufen, wo er will, aber auch Strom produzieren und verkaufen.Dabei gibt es schon Vorreiter: jene Strom- und Wärmelieferanten, die kleine Heizkraftwerke in Kellern von Wohnhäusern und Gewerbeparks betreiben und den Strom gleich mitliefern.Ein Großteil dieser Firmen ist im Verband für Wärmelieferung (VfW), Hannover, zusammengeschlossen.Anfang Mai will der VfW eine Niederlassung in Berlin gründen.Christof Hardebusch sprach mit dem Projektkoordinator für Technik und Ökonomie des Verbandes, Georg Strub, über die Folgen der Liberalisierung. TAGESSPIEGEL: Wärmelieferung ist nicht jedem ein Begriff.Erklären Sie bitte das Prinzip. STRUB: Wärmelieferung ist wie Taxifahren.Ich steige in ein Auto, das mir nicht gehört, das ich nicht lenke, mit dem ich aber von hier nach da komme.Ich bezahle einen festen Preis pro Kilometer.Benzinverbrauch, Versicherungs- und Werkstattkosten können mir ganz egal sein.Ich will nur eine Fahrt.Genauso funktioniert Wärmelieferung.Der Kessel gehört den Wärmelieferanten, die für Wartung, Brennstoffeinkauf und alles übrige sorgen.Abgerechnet wird die Wärmemenge zu einem festen Preis. TAGESSPIEGEL: Was sind die Vorteile gegenüber dem üblichen Heizungsbetrieb durch den Hauseigentümer? STRUB: Der Vermieter muß den neuen Heizkessel nicht bezahlen, und er muß sich nicht mehr um die Anlage kümmern.Auch der Mieter hat Vorteile: Der Betreiber muß die Anlage optimal führen, sonst verdient er nichts.Die Betreiber bauen in der Regel technisch anspruchsvolle Anlagen, die weniger Energie verbrauchen und so insgesamt weniger kosten, z.B.Blockheizkraftwerke (BHKW).Die CO2 Emission kann im Vergleich zu herkömmlichen Anlagen um bis zu 50 Prozent reduziert werden.Also profitiert auch die Umwelt. TAGESSPIEGEL: Wir reden bislang nur von Heizungen.Welche Rolle spielt für die Wärmelieferanten die Stromlieferung? STRUB: In jedem Gebäude wird neben Wärme auch Strom benötigt.In manchen Objekten kommt noch Kälte dazu.Durch geschickte Kombination in der Technik können alle diese Energieformen günstig produziert werden.Mit Strom sind gute Einnahmen zu erzielen. TAGESSPIEGEL: Dazu brauchen Ihre Mitgliedsunternehmen die Netze der großen Energieversorger (EVU).Andererseits konkurrieren beide als Stromproduzenten.Wie groß ist die Abhängigkeit von den EVU? STRUB: Wichtig für unsere Mitgliedsunternehmen ist in erster Linie der direkte Stromverkauf an die Mieter.Da sind sie von den EVU unabhängig.Zugleich ist das eine Konkurrenz, die die EVU nicht gern sehen.Andererseits sind die Stromlieferanten aber auf Zusatz- und Reservestrom angewiesen, um eine kontinuierliche Versorgung sicherzustellen.Über die entsprechenden Verträge wird mit den EVU oft erbittert gestritten. TAGESSPIEGEL: Was ändert sich für die Strom- und Wärmelieferanten durch das neue Energiewirtschaftsgesetz? STRUB: Für Wärmelieferanten vorerst gar nichts.Für Stromlieferanten sind öffentliche Straßen in Zukunft keine unüberwindliche Hürde mehr.Sie können zum Beispiel auch das Haus des gleichen Besitzers auf der gegenüberliegenden Straßenseite mitversorgen.Es entfallen bislang erforderliche Genehmigungen, die oft zur Behinderung des Lieferanten mißbraucht wurden.Prinzipiell ist auch der Stromverkauf an Kunden, die weiter weg sitzen, mit der Durchleitung durchs Netz möglich.Betreiber von Blockheizkraftwerken finden einen offeneren Rahmen für Ihr Geschäft. TAGESSPIEGEL: Die beteiligten Verbände haben sich aber auf entfernungs- und leistungsabhängige Zuschläge geeinigt.Welche Auswirkung hat das auf die Liberalisierung des Strommarktes? STRUB: Die bisher vorgesehene Entgeltregelung für die Durchleitung von Strom ist spannungsstufen-, entfernungs- und leistungsabhängig, also schwierig zu durchschauen.Anders wäre es beim sogenannten "Briefmarkentarif".Das ist ein Festpreis pro Kilowattstunde, egal wohin.Das würde eine einfache und schnelle Preisberechnung ermöglichen.Aus den skandinavischen Ländern, die die Liberalisierung schon hinter sich haben, hört man, daß wir entfernungsabhängige Zuschläge genau wie sie in zwei bis drei Jahren wieder abschaffen werden, weil sie nicht funktionieren. TAGESSPIEGEL: Was versprechen Sie sich für Ihre Mitgliedsunternehmen von der Öffnung des Strommarktes? STRUB: Angesichts der aktuellen Entwicklungen macht es richtig Spaß, im Energiebereich zu arbeiten.In den nächsten Jahren kommt es darauf an, als kleiner Mitspieler die Regelungen innovativ für sich auszunutzen.Und die Chancen dafür sehe ich.

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