Immobilien : Mitbringsel aus fernen Ländern

Das Nachschlagewerk „Kaiserkron und Päonien“ verrät viel über die Herkunft heimischer Gartenpflanzen

Waltraud Hennig-Krebs

Fleißige Lieschen aus Ostafrika, Kugel-Primeln aus dem Himalaya, Sommerastern aus China, Dahlien aus Mexiko: Wohl kaum ein Gartenbesitzer kennt die ursprüngliche Heimat seiner Blumen. Mehr als 90 Prozent unserer Gartenpflanzen sind nämlich ausländischer Herkunft. Allein aus Südafrika brachte beispielsweise der deutsche Arzt Paul Hermann um 1680 rund 800 neue Arten tropischer Pflanzen nach Europa. Sie gingen an Pflanzenhändler und Botaniker, bereicherten Botanische Gärten und verwandelten europäische Parks und Gewächshäuser reicher Bürger in kleine blühende Paradiese. Ohne diese Mitbringsel aus fernen Ländern und der anschließenden intensiven Kultivierung der Wildarten sähen unsere Terrassen und Gärten trostlos aus.

Heinz-Dieter Krausch, habilitierter Biologe und Experte auf dem Gebiet der Botanikgeschichte Mitteleuropas, stellt jetzt in seinem umfangreichen Nachschlagewerk „Kaiserkron und Päonien“ die 500 häufigsten Gartenzierpflanzen in unseren Breiten vor. In kurzen Geschichten beschreibt er ihr Heimatareal, ihre Entdeckung, die Einführung und Ausbreitung in den Gärten Europas sowie ihre Weiterzüchtung. Auch ihre Kulturgeschichte bis hin zur medizinischen Verwendung oder dem Auftauchen in Dichtung und Malerei sind sein Thema. Mehr als zehn Jahre durchforstete der heute 75-jährige Krausch in- und ausländische Archive und Bibliotheken, um an historische und wissenschaftliche Quellen zu gelangen. Davon zeugt das umfangreiche Literaturverzeichnis im Anhang.

In der Einführung beschreibt der Autor die vielfältigen Quellen zur Geschichte unserer Gartenblumen. Der Leser erfährt, dass in Werken antiker Schriftsteller bereits Hinweise zu Zierpflanzen zu finden sind, und dass die eigentliche botanische Literatur erst Mitte des 16. Jahrhunderts begann. Die „Väter der Botanik“, Otto Brunfels, Hieronymus Bock und Leonhart Fuchs erwähnten in ihren Heil- und Kräuterpflanzen-Büchern bereits Zierpflanzen, die nicht für medizinische Zwecke geeignet waren.

Leidenschaft fürs Fremde

Die spannende Frage, aus welchen Regionen der Welt unsere heutigen Gartenblumen ursprünglich stammen, beantwortet Krausch in einem ausführlichen, nach Herkunftsgebieten untergliederten Kapitel. So beschreibt er beispielsweise unter dem Stichwort „Türkische Gärten“, dass sich der 1573 bis 1588 in Wien ansässige flämische Botaniker Carolus Clusius besonders eifrig um orientalische Zierpflanzen bemüht hat und seine guten Beziehungen zu den kaiserlichen Gesandten nutzte, um sich viele neue Arten und Sorten aus türkischen Gärten zu beschaffen.

Über die artenreiche Flora Ostasiens weiß Krausch beispielsweise zu berichten, dass die Erschließung für europäische Gärten erst einsetzte, nachdem 1516 die Portugiesen, später auch Niederländer, Engländer und Franzosen in China Handelsniederlassungen und Missionsstationen gegründet hatten. Das Kapitel vermittelt dem Leser die Leidenschaft der damaligen Gartenfans fürs Fremde: Ob Adelige, Diplomaten, Missionare oder Kaufleute, sie alle waren neben Botanikern und Pflanzensammlern an der Einführung fremdländischer Pflanzen in Mitteleuropa beteiligt.

Das Herzstück des Buches ist die Zusammenstellung der einzelnen Gattungen und Arten. Sie sind alphabetisch nach den wissenschaftlichen Namen geordnet, die durch die deutschen Bezeichnungen ergänzt werden. Diese deutschen Pflanzennamen erscheinen mit einem Hinweis auf die jeweilige Seite in einem gesonderten Verzeichnis. So findet der interessierte Laie schnell die Beschreibung der gesuchten Gartenzierpflanze.

Das klappt bedauerlicherweise bei den kompakten Übersichten über die Heimat- beziehungsweise Herkunftsgebiete und auch bei der nach Jahrhunderten geordneten Aufschlüsselung der Kultivierung der Pflanzen in Mitteleuropa nicht. Der unkundige Nutzer, der sich einen schnellen Gesamtüberblick über eine Region oder ein Zeitalter verschaffen möchte, muss die wissenschaftliche Namensliste mühsam aufschlüsseln. Bei der Herkunftsregion „Südeuropa“ sind es beispielsweise weit über 90 botanische Artbezeichnungen – ein Zeitvertreib für lange Winterabende.

Die Schwarz-weiß-Illustrationen des Buches mit frühen Holzschnitten und Kupferstichen zeigen, wie bescheiden viele Zierpflanzen aussahen, als sie einst in unsere Gärten kamen. Denn ihren üppigen Wuchs erhielten sie in der Regel erst durch Züchtungen. Angesichts der Fülle der in den Gärten insgesamt kultivierten Arten musste der Autor zwar eine Auswahl treffen: Aber sie ist ihm durchaus gelungen. Das Buch ist mehr als ein Nachschlagewerk. Es bietet lehrreiche Lektionen und vor allem unterhaltsamen Lesestoff all denen, die etwas mehr über ihre Gartenblumen wissen möchten.

Heinz-Dieter Krausch: „Kaiserkron und Päonien rot . . .“ Entdeckung und Einführung unserer Gartenblumen.

Dölling und Galitz Verlag, Hamburg, 2003. 536 Seiten. 49,80 Euro.

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