Immobilien : My home is my carport

Von der ersten Etage bis zum Dachgeschoss: Wer es sich leisten kann, stellt sein Auto in Kreuzberg einfach auf der Terrasse ab

Susanne Förster

Schluss mit der nervenaufreibenden Parkplatzsuche. Schluss damit, Kinder und Einkaufstaschen vom Auto in die Wohnung im vierten Stock zu schleppen, das Urlaubsgepäck durchs endlose Treppenhaus zu hieven. Künftig wird das Auto einfach mitgenommen, und zwar bis vor die Wohnung in luftiger Höhe. So zumindest planen es die Projektgesellschaft Topos Paul-Lincke-Höfe GmbH gemeinsam mit dem österreichischen Projektentwickler Porr. In Kreuzberg entsteht auf einem alten Industriegelände ein Gebäude mit so genannten „Carlofts“; ein neues Wohnkonzept, dass Wohnung, Garten und Garage auf einer Etage verbindet.

Zwischen 150 und 250 Quadratmeter sind die Lofts groß, die Wohnfläche des Penthouse liegt sogar bei über 500 Quadratmetern. Kosten: rund 2750 Euro pro Quadratmeter. Den privaten Parkplatz in Form einer Autoterrasse gibt es dafür inklusive, zudem verfügen die Lofts alle über einen eigenen Etagengarten. Das gefühlte Wohnen erinnert da so manchen an ein Einfamilienhaus mitten in der Stadt.

Ausschlaggebend für die Konzeption der neuen Wohnidee war allerdings nicht nur der Wunsch nach mehr Komfort und kurzen Wegen. „Auch die Sicherheit spielt eine wichtige Rolle“, sagt Johannes Kauka, Topos-Geschäftsführer und Gründer der Firma Carloft. „Teure Autos werden oft in dunklen Seitenstraßen abgestellt.“ Notgedrungen, denn Tiefgaragen in Berlin zu bauen, das ist besonders teuer, „das Grundwasser ist hier nun mal sehr hoch“. Es ging also darum, preiswerte Alternativen zu finden – verwunderlich eigentlich, warum man Carloft in Berlin und nicht in München erfunden hat. Dort nämlich ist die Autodichte mit 550 Wagen auf 1000 Einwohner noch höher als in Berlin (350 angemeldeter Autos auf 1000 Einwohner).

Entwickelt haben Kauka und Architekt Manfred Dick ihre Idee vom Carloft recht schnell. Klingt ja auch einfach: Die Bewohner rangieren ihren fahrbaren Untersatz vorwärts in den Spezialaufzug, der sie binnen zwei Minuten auf die richtige Etage bringt. Dort einfach rückwärts wieder raus, und schon steht das Auto direkt vor der Wohnung – so jedenfalls wird es den Interessenten versprochen.

Weniger einfach dagegen verlief für die Initiatoren die Genehmigungsphase, zunächst stießen sie auf wenig Gegenliebe. „Das lag aber auch daran, dass das ursprüngliche Konzept verändert wurde“, sagt der Baustadtrat für Friedrichhain-Kreuzberg, Franz Schulz Grüne, „die Carloft-Idee wurde jedenfalls nicht grundsätzlich kritisiert, viele haben sie sogar als sehr spannend empfunden.“

Geplant sei zunächst gewesen, den alten Bestand auf dem Gelände nahe der Paul-Lincke-Höfe abzureißen und ein neues Gebäude zu errichten. Eine solche, moderne Architektursprache hätten auch die Stadtplaner akzeptiert. Probleme hatten sie dagegen mit der zweiten Lösung, das alte Industriegebäude mit einem Neubau zu ergänzen, denn „das neue Gebäude war im Verhältnis zu den Nachbarhäusern zu hoch“.

Dennoch: Nach drei Jahren Überzeugungsarbeit und vier Besuchen vor dem Ausschuss bekamen die Investoren für die „hohe“ Variante eine Genehmigung. Darüber ärgerten sich offenbar manche Anwohner so sehr, dass sie die mitregierende PDS in der Bezirksversammlung dazu brachten, ihre ursprüngliche Zustimmung zur Planung zurückzuziehen. „Da war es aber bereits zu spät“, sagt Stadtrat Schulz. Nun also wird gebaut. Im Frühjahr kommen die Bagger.

Das Interesse sei groß, sagt Topos-Geschäftsführer Kauka, „für alle Wohnungen liegen bereits Reservierungen vor“. Mehr noch. Kauka hat inzwischen ein Patent für die Carloft-Idee und will Lizenzen für andere Großstädte vergeben.

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