NACHGEFRAGT : „Wir wissen um das unrühmliche Kapitel in der Geschichte“

Warum wurden die hochwertigen Lofts und Apartments im Atrion nicht als Eigentumswohnungen verkauft?

Ja, es stimmt – einige künftige Mieter hatten auch Interesse am Kauf. Dass wir die Wohnungen vermieten, ist eine Entscheidung der Eigentümer, das sind Kapitalanleger, die das Haus als Renditeobjekt halten wollen.

Das Kammergericht steht auch für Unrechtsurteile während der Nazi-Zeit. Wie gehen Sie damit um?

Wir waren von dem Projekt, für das Kammergericht ein Vermietungskonzept zu entwickeln, natürlich sehr angetan. Es ist ein wunderschönes Objekt und wir haben einen Architekten gefunden, der daraus etwas ganz besonderes gemacht hat. Wir wissen natürlich um das unrühmliche Kapitel in der Geschichte des Gebäudes. Diese Zeit macht zum Glück nur einen Bruchteil der ‚Lebenszeit' des Hauses aus. Viele Objekte in Berlin sind mit der Erinnerung an diese schlimmen Jahre belastet. Umso mehr freuen wir uns, dass jetzt – nach zehn Jahren Stillstand – Leben in das Haus einzieht.

Spielt das auch für die künftigen Mieter eine Rolle?

Viele Berliner kennen die Geschichte des Gebäudes. Einige haben uns auch danach gefragt, schließlich erinnern auch Gedenktafeln am Haus an die Opfer der Nationalsozialisten. Dass sie sich für eine Wohnung im Atrion entscheiden haben, zeigt, dass sie nach vorn sehen.

Thomas Groth (44) ist Geschäftsführer der allod Immobilien- und Vermögensverwaltungsgesellschaft. Im Immobiliengeschäft ist er seit 25 Jahren.

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