Nachhaltiges Bauen : Nachhaltiger geht’s nicht

Das Gemeindezentrum von Wylie in Texas, der 2011 eröffnete „Wylie Municipal Complex“, steht für Nachhaltigkeit – und sucht nicht nur in den USA seinesgleichen.

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Spacig. Das Gemeindezentrum „Wylie Municipal Complex“ in Texas sucht seinesgleichen. 40 Millionen Dollar verschluckte der Bau. Die Fassade ist mit farbigen Edelstahlelementen verkleidet, die fabelhaft in Blau- und Grüntönen schimmern.Alle Bilder anzeigen
Foto: Reinhart Bünger
29.08.2014 13:54Spacig. Das Gemeindezentrum „Wylie Municipal Complex“ in Texas sucht seinesgleichen. 40 Millionen Dollar verschluckte der Bau. Die...

Die Ortschaft liegt eine halbe Autostunde von der texanischen „Southfork Ranch“ entfernt – ein Vorort von Dallas. Von Flecken wie diesen ist in der Regel wenig Aufregendes zu vermelden. Doch Wylie ist in zweifacher Hinsicht eine Ausnahme. Zum einen wurde hier 2011 ein Gemeindezentrum eröffnet, das – nicht nur in den USA – seinesgleichen sucht. Und zum Zweiten ließ die Gemeinde den Architekten Holzman Moss Bottino Architecture (New York City) und ArchiTexas (Dallas) bei der Gestaltung des 40- Millionen-Dollar-Projektes freie Hand. Mit einer Ausnahme: Die Fensterrahmen sollten rostrot angestrichen werden.

 Einen solchen Wunsch kann man erfüllen, ohne sich als Architekt allzu sehr zu verbiegen. Denn mit einem solchen Budget und für einen solchen Auftraggeber arbeitet man gerne. Zumal das Klima in Texas ambitionierte Architekten auch noch besonders herausfordert. Die Temperaturen steigen im Sommer dank der erbarmungslosen Sonne leicht über die 40-Grad-Celsius- Marke. Dazu ist es knüppeltrocken. Doug Moss und Craig Melde (ArchiTexas) verpassten der Südseite des 750 Fuß langen Baus zunächst einmal das mit 850 Fuß größte Vordach, das sich in Texas finden lässt (siehe hier).

Es ist so gewinkelt, das die Sommersonne von der Fassade ferngehalten wird. Das spart Energiekosten für die Klimaanlage. „Im Winter fällt aber die niedrig stehende Sonne auf die Fassade und heizt sie auf – das spart Heizkosten“, sagt Melde. Außerdem falle im Sommer wie im Winter ausreichend Licht weit in die drei Gebäudeteile hinein: Das spart Stromkosten für elektrisches Licht.

In dem dreigeteilten lang gestreckten Gebäudeensemble sind zwei Büchereien, das Rathaus sowie ein Freizeitzentrum mit Turnhalle, Kletterwand und Joggingstrecke untergebracht.

Was in anderen Gebäuden aus Gummi ist, wurde hier aus alten Autoreifen gefertigt. Die Nordfront wurde mit Kalkstein aus der Region verkleidet. Nicht nur weil das Gebäude eine Lebensdauer von mindestens 100 Jahren haben und mit möglichst wenig Aufwand unterhalten werden soll. Es soll sich auch in die Natur einfügen. Natürlich soll der „Wylie Municipal Complex“ – keineswegs zuletzt – auch für Nachhaltigkeit stehen.

Das Ziel der Nachhaltigkeit wird natürlich auch durch Solarpanele verfolgt und durch das Sammeln des Regenwassers über dem Dach, sagt Melde. „Es läuft in riesige zylindrische Zisternen aus gewelltem Metall, die auf der Rückseite des Gebäudes stehen und hier zu Skulpturen werden.“ Sieben dieser schwarzen Trommeln stehen auf der Südseite und versorgen die Wasseranlagen des Gebäudes mit Brauchwasser. Außerdem wird es zum Wässern der Außenanlagen verwendet. Technische Einrichtungen wurden an der Fassade mit farbigen Edelstahlpfannen verkleidet. Sie sind echte Hingucker, weil sie in Blau- und Grüntönen wie Glas schimmern. „Unkaputtbar“ sind sie sowieso.

„In unserer Welt sind die natürlichen Ressourcen mehr und mehr limitiert – unsere Gebäude sollten sich mit Blick auf die Umwelt deshalb möglich neutral verhalten, um das Ökosystem zu unterstützen“, sagt Melde zum Denkansatz. „Und das Design sollte auf die ökonomischen und sozialen Anforderungen der Gemeinschaft eingehen.“ Dass alle Gebäudeteile und -einrichtungen mit dem Rollstuhl befahrbar und für Gehbehinderte erreichbar sind, versteht sich unter diesen Vorzeichen von selbst. „Die breit angelegten grünen Wiesen hinter dem Gebäude sind für Veranstaltungen im Freien gedacht“, sagt Moss nach drei Jahren Bauzeit.

Wylie hat sich hier wirklich Nachhaltiges geleistet. Bei einem Zuzug in Höhe von 275 Prozent über die vergangenen zehn Jahre konnte die Kleinstadt den Bau auch finanziell stemmen. Familie Ewing von der Southfork Ranch grüßt aus der Ferne.

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