Immobilien : Nachrichten

Wenn der Winter geht, könnte man draußen gleich loslegen: Wann das Bauamt mitzureden hat

Kai Althoetmar

Kinder schlagen im Garten gern ihr Indianerzelt auf, Erwachsene ziehen Blockhäuser vor. Gartenhäuser, Schuppen, Pavillons, Grillhütten und Wintergärten aller Art sind in Mode. Wer im Frühjahr den ersten Spatenstich setzen will, sollte vorab einen Blick ins Baurecht werfen.

Berlins neue Landesbauordnung, die am 1. Februar in Kraft getreten ist, stellt viele Vorhaben „verfahrensfrei“. Ohne Genehmigung dürfen Gartenhäuser bis zehn Quadratmeter Grundfläche gebaut werden, Garagen bis 30 Quadratmeter, Gewächshäuser bis 100 Quadratmeter. „Das gilt auch für Holzschuppen und Pavillons“, heißt es beim Bauamt Marzahn-Hellersdorf, „die Verantwortung, die baurechtlichen Vorschriften zu beachten, bleibt aber beim Bauherren oder Architekten.“ Ohne Papierwust dürfen auch Terrassen mit einer Fläche bis zu 30 Quadratmetern und einer Tiefe von maximal drei Metern überdacht werden. Für Wintergärten bedarf es einer Baugenehmigung.

In den meisten anderen Bundesländern gilt: Für größere Garagen und Wintergärten braucht man in der Regel eine Baugenehmigung, für kleine Terrassenüberdachungen oder Teiche zum Beispiel nicht. Ob eine Blockhütte ohne Behördensegen gebaut werden darf, hängt von deren Maßen und dem Fundament ab. Vielerorts gilt: Für Gartenhäuser, die ein Fundament haben oder auf einer Bodenplatte stehen und eine bestimmte Raummeterzahl übertreffen, bedarf es vorher einer Bauerlaubnis. Nicht die Grundfläche, sondern der umbaute Raum zählen dann. Wer „schwarz“ baut, dem droht der Abriss. Die Anzeige eines missgünstigen Nachbarn genügt schon. Wer sein Häuschen „nur so“ auf die grüne Wiese stellt, braucht in den meisten Fällen nicht das Okay des Bauamtes – muss aber die Grenzabstände zum Nachbarn und zur Straße einhalten, üblicherweise drei Meter. Sonst droht der Rückbau, das gilt sogar für Holzschuppen (OLG Frankfurt, 3 U 189/86).

Offene Fragen sollte man frühzeitig mit dem Bauamt klären. Mündliche Bauvoranfragen sind in der Regel gebührenfrei. Lagepläne und Zeichnungen sollte man beim Termin mitbringen. Zu klären ist: Welcher Raum ist auf dem Grundstück überhaupt nutzbar? Wie viel Platz steht für den Bau zur Verfügung? Darf vorhandener Baumbestand entfernt werden? Dachbegrünungen zum Beispiel werden häufig als Ausgleichsfläche für versiegelte Flächen anerkannt. Wer den Eigentümer des Nachbargrundstücks in die Pläne einweiht, vermeidet möglichen Ärger. Ob Nachbarn ein Bauprojekt verhindern können, hängt davon ab, wie das Bauamt die Interessen aller Beteiligten abwägt. Wer in einer Eigentümergemeinschaft wohnt und etwa auf der Dachterrasse ein Holzgartenhaus errichten will, braucht die Zustimmung der Miteigentümer (OLG Celle, 4 W 221/03).

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben