Neubau in Berlin : „Es gibt unglaublich viele Grundstücke“

Mit der Buwog-Meermann GmbH drängt ein neuer Bauträger auf den Berliner Markt.

Großes Potenzial. Immer mehr Immobilienunternehmen aus anderen Städten wollen in Berlin bauen.
Großes Potenzial. Immer mehr Immobilienunternehmen aus anderen Städten wollen in Berlin bauen.Foto: tdx/Mein Ziegelhaus

Wohnungen in der Scharnhorststraße in Mitte, ein neues Quartier in Grünau, ein großes Mietwohnungsprojekt in der Weddinger Brunnenstraße: Alexander Happ, Geschäftsführer der Buwog-Meermann GmbH, hat viel vor. Nach jetzigem Stand will er in den nächsten Jahren in Berlin rund 1300 Wohnungen errichten und damit zu einem der größten Bauträger auf dem hauptstädtischen Markt werden, auf dem bislang Unternehmen wie die Groth-Gruppe, NCC und Kondor Wessels das Sagen haben.

Dabei ist Buwog-Meermann ein Newcomer. Das 2012 gegründete Unternehmen gehört zur österreichischen Immofinanz Group, die an der Wiener Börse notiert ist. Dass die Wiener jetzt auch an der Spree aktiv werden, zeigt, welch großes Potenzial sie dem Berliner Wohnungsmarkt zutrauen. Damit sind sie allerdings nicht die Einzigen: Motiviert durch eine wachsende Bevölkerung, eine starke Wohnungsnachfrage und steigende Mieten dringen immer mehr Immobilienunternehmen aus anderen Städten nach Berlin vor. So gab vor kurzem der Hamburger Projektentwickler DC Residential die Gründung einer gemeinsamen Gesellschaft mit der Berliner Klingsöhr-Unternehmensgruppe bekannt. Zusammen wollen die Partner in den nächsten drei Jahren Wohnimmobilienprojekte mit einem Volumen von 100 bis 150 Millionen Euro entwickeln.

Buwog-Meermann seinerseits hat den Vorteil, nicht bei Null anfangen zu müssen. Denn im Mai 2012 übernahmen die Österreicher mehrere Vorhaben der Chamartín Meermann Immobilien AG, die zuvor einen Insolvenzantrag gestellt hatte. Diese Projekte hat das Team um Alexander Happ weitergeführt. Hierzu zählen das Humboldt-Palais am Hegelplatz, hier entstanden zwischen Museumsinsel und Friedrichstraße exklusive Eigentumswohnungen und das Projekt Chausseestraße 88 mit einer vermietbaren Wohn- und Gewerbefläche von rund 6800 Quadratmetern. Weiterhin saniert das Unternehmen einen Altbau in der Scharnhorststraße 26-27 und errichtet ab Sommer dieses Jahres in der Scharnhorststraße 4 knapp fünfzig Mietwohnungen. Hier, in der Nähe des künftigen Hauptsitzes des Bundesnachrichtendienstes in Mitte, sieht Happ besonders große Chancen: „Die Scharnhorststraße hat sich enorm gut entwickelt“, sagt er. Entsprechend kalkuliert er mit Mieten, die „ganz bestimmt über zwölf Euro pro Quadratmeter“ liegen werden.

Wichtig sei es aber, die Bedürfnisse von Mietern und Käufern genau zu analysieren, betont Happ. Beim Neubau in der Scharnhorststraße entschied sich Buwog-Meermann deshalb zu einer Umplanung: Im Dachgeschoss sollen jetzt nicht mehr über 200 Quadratmeter große Penthousewohnungen entstehen, sondern kleine, 35 bis 60 Quadratmeter große Apartments, die sich gut als Zweitwohnsitz eignen. „Wenn die Kaltmiete über 2000 Euro beträgt, wird der Markt klein“, begründet Happ diese Änderung.

Auf den Prüfstand stellt Buwog-Meermann auch die Pläne für das neue Wohnviertel, das an der Regattastraße in Grünau entstehen soll. Die Vorgängergesellschaft Chamartín Meermann hatte dieses Projekt bereits vor Jahren unter dem Namen Puerto Verde angekündigt, ohne je mit der Realisierung zu beginnen. Jetzt stellt Happ den Verkaufsstart für Mai dieses Jahres in Aussicht. Derzeit läuft nach seinen Worten das Bebauungsplanverfahren. Entstehen sollen rund 550 bis 600 Wohnungen. „Ob es mehr Einfamilienhäuser oder mehr Geschosswohnungen werden, entscheidet der Markt“, sagt er.

Um das künftige Quartier an das gewachsene Gebiet von Grünau anzubinden, erwarb Buwog-Meermann zudem vom Liegenschaftsfonds das benachbarte Grundstück Regattastraße 51. Hier sollen noch einmal etwa achtzig Wohneinheiten entstehen. Ein weiteres Großprojekt bereitet das Unternehmen an der ebenfalls in Köpenick gelegenen Lindenstraße 35 vor; 240 Wohnungen haben dort Platz. Dieser Schwerpunkt auf Köpenick ist kein Zufall. „Köpenick entwickelt sich sehr dynamisch“, beobachtet Happ. „Ich glaube daran, dass der neue Flughafen einen enormen Schub für den Berliner Südosten bringen wird.“ Und noch etwas fasziniert ihn an Berlin: „Es gibt unglaublich viele Grundstücke“ – eine Einschätzung, die sich deutlich von der Ansicht alteingesessener Berliner unterscheidet, die beklagen, die Stadt gehe ihrer letzten Freiflächen und damit ihres besonderen Reizes verlustig.

Solche Grundstücke hat Buwog-Meermann nicht nur in Köpenick gefunden, sondern auch in Wedding. In der Brunnenstraße 123-125, etwa 250 Meter nördlich der Bernauer Straße, sicherte sich das Unternehmen ein seit langem aufgegebenes Hertie-Kaufhaus, das nur noch durch einen Supermarkt im Erdgeschoss genutzt ist. Happ will das Gebäude abreißen und durch einen neuen Komplex mit rund 200 Mietwohnungen ersetzen. Dafür sei die Lage bestens geeignet, ist er überzeugt – beispielsweise für Menschen, die in Mitte arbeiten und nicht weit davon entfernt wohnen möchten.

Und wie hoch soll die Miete der Wohnungen werden? „Zwölf Euro pro Quadratmeter kalt“, antwortet Happ, ohne mit der Wimper zu zucken. Das ist ein für Wedding enorm hoher Betrag. Zum Vergleich: Der Maklerverband IVD beziffert die maximale Miete (allerdings ohne Einbezug von Erstbezügen) in einfachen Lagen des Bezirks Mitte, zu denen er die Brunnenstraße zählt, auf 8,50 Euro pro Quadratmeter. Doch das ficht Happ nicht an: Mit effizienten Grundrissen, einem großen Innenhof und modernen Fahrradstellplätzen will er dafür sorgen, dass sich seine Mietvorstellung durchsetzen lässt. Bereits im Sommer 2013 sollen die Arbeiten für den Neubau beginnen, in dem es auch wieder einen Supermarkt geben wird.

Doch das österreichische Unternehmen will noch mehr. Aufgrund der Finanzkraft seiner Muttergesellschaft sieht es sich gerüstet, auch ganze Viertel – wie zum Beispiel an der Regattastraße in Grünau – zu entwickeln: „Wir sind“, sagt Happ, „in Berlin angetreten, urbane und lebendige Stadtquartiere mit einer zukunftsfähigen Mischung zu realisieren.“ 

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