Neubau in Grünau : An der Dahme stimmt die Chemie

Acht Jahre nach Planungsbeginn rückt der Bau eines neuen Viertels mit 700 Wohnungen in Grünau näher.

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52° Nord. Zwar ist unter diesem Projektnamen kein Jachthafen mehr geplant. Aber die Wasserlage will sich der Projektentwickler doch zunutze machen. Ein künstliches Wasserbecken soll in das Grundstück hineingezogen werden.
52° Nord. Zwar ist unter diesem Projektnamen kein Jachthafen mehr geplant. Aber die Wasserlage will sich der Projektentwickler...Grafik: Buwog Group

Wenn alles rundläuft, könnten 2015 die Arbeiten für eines der größten Berliner Wohnungsbauvorhaben beginnen. Rund 700 Wohneinheiten will die österreichische Buwog Group auf einem ehemaligen Industrieareal in Grünau errichten. Der Bebauungsplan für das Großprojekt, das das Bezirksamt Treptow-Köpenick „Regatta-Quartier“ nennt, liegt momentan öffentlich aus. Am Donnerstag informierten die Buwog Group und das Bezirksamt die Anwohner auf einer öffentlichen Veranstaltung über das Vorhaben.

Geplant ist dem Bezirk zufolge, „das Grundstück als Wohnstandort mit attraktiver Wasserlage unter Berücksichtigung der öffentlichen Belange zu entwickeln“. Auf dem knapp zehn Hektar großen Grundstück mit den Adressen Regattastraße 10 und 35 könnten demnach in maximal fünfgeschossigen Häusern etwa 62 000 Quadratmeter Wohnnutzfläche entstehen, was – abhängig von der Größe der Wohnungen – zwischen 650 und 740 Wohneinheiten entspricht. Damit werden dereinst voraussichtlich rund 1550 Menschen im neuen Quartier an der Dahme leben, zwei Kilometer von der Altstadt Köpenick und fünf Kilometer vom Flughafen Schönefeld entfernt.

Sofern der Bebauungsplan Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres verabschiedet wird, will die Buwog Group laut ihrem Geschäftsführer Alexander Happ 2015 mit der Vermarktung der Wohnungen und den Bauarbeiten beginnen. Damit käme eine ungewöhnlich lange Planungsgeschichte zu einem Ende. Denn bereits 2006 erwarb das Unternehmen Meermann das Grundstück, auf dem bis 1992 die Firma Berlin Chemie ansässig war. 2009 stellte Firmenchef Heinz H. Meermann einen Baubeginn für das auf den Namen „Puerto Verde“ getaufte Projekt in Aussicht. Geplant waren damals rund 400 Wohneinheiten, darunter viele Reihenhäuser, sowie ein Jachthafen.

Geschosswohnungen und Reihenhäuser sind geplant

Doch so weit kam es nicht. Die Meermann-Gruppe meldete 2012 Insolvenz an. Übernommen wurden ihre Projekte vom österreichischen Immobilienunternehmen Buwog. Dieses nahm die Planungsarbeiten für das Wassergrundstück in Grünau wieder auf. Das Projekt kündigte die Buwog Group zunächst als „Neue Wasserliebe“ an; jetzt vermarktet sie es unter dem Namen „52° Nord“.

Geplant sind nun hauptsächlich Geschosswohnungen. Lediglich am „Seefeld“ – so heißt der Bereich am Wasserbecken – sind Reihenhäuser vorgesehen. „Wir planen unterschiedliche Wohnungsgrößen, je nach Zielgruppe“, sagt Buwog-Geschäftsführer Happ. Die Wohnungsgrößen beziffert er auf 45 bis 160 Quadratmeter. „Starterhaushalte sind für uns eine wichtige Zielgruppe“, sagt Happ. „Aus diesem Grund planen wir relativ viele Drei-, Dreieinhalb- und Vier-Zimmer-Wohnungen mit in der Mehrzahl kompakten Grundrissen.“ Am attraktiven Ufer der Dahme soll es auch großzügigere Wohnungen für anspruchsvolle Wohnungssuchende geben.

Den ersten Bauabschnitt am Seefeld plant die Buwog Group mit Eigentumswohnungen. Zu den Kaufpreisen möchte Happ sich noch nicht äußern. Wie die weiteren Bauabschnitte vermarktet werden, steht noch nicht fest. Denkbar ist laut Happ, dass sie im Paket an institutionelle Investoren gehen, die dann „leistbare Mietwohnungen“ anbieten. Außerdem sei es das Ziel, „in Kooperation mit einer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft einen gewissen Anteil an günstigen Mietwohnungen zu schaffen“.

Insgesamt, betont Happ, soll kein Luxusquartier entstehen, sondern ein „Quartier von morgen, das den Ansprüchen der verschiedenen Lebensentwürfe“ entspricht. Zielgruppen sind nach seinen Worten Menschen, die kleinere Wohnungen suchen, wie auch Paare und Familien mit Kindern. So entstehe eine „Mischung, die ein modernes und lebendiges Stadtquartier kennzeichnet“.

Auch andere Projektentwickler von der Lage angetan

Zu dieser Mischung gehört auch eine Kindertagesstätte am südlichen Ende des neuen Quartiers. Auch Läden und Kleingewerbe – insgesamt etwa 6500 Quadratmeter Nutzfläche – sind vorgesehen. Erschlossen wird das Wohngebiet über fünf Zufahrten von der Regattastraße. Dabei bleibt das Viertel mit seinem am Wasserbecken gelegenen Stadtplatz und seinen drei Spielplätzen öffentlich zugänglich. An der Dahme wird ein öffentlicher Rad- und Gehweg angelegt.

Buwog-Chef Happ ist davon überzeugt, dass viele Menschen in Grünau wohnen wollen. Denn die Süd-Ost-Achse Berlins, die vom künftigen Großflughafen in die Innenstadt führt, stellt seiner Ansicht nach eine der dynamischsten Bereiche der Hauptstadt dar. Nicht ohne Grund realisiert die Buwog Group mit der Uferkrone ein zweites Großprojekt in Köpenick. Angetan von der Lage im Südosten der Stadt sind jedoch auch andere Projektentwickler: In den ersten neun Monaten dieses Jahres genehmigte der Bezirk Treptow-Köpenick den Bau von gut 2400 Wohnungen – noch mehr waren es nur im Bezirk Mitte.

Treptow-Köpenicks Baustadtrat Rainer Hölmer äußert sich wohlwollend über das Projekt: „Die Neuordnung und Nutzung der seit Jahren vorhandenen Brachfläche beseitigt einen städtebaulichen Missstand und wird insgesamt das Quartier aufwerten“, sagt er.

Ein Problem ist an der Regattastraße unterdessen beseitigt: Der kontaminierte Boden wurde saniert. Nötig wurde diese Maßnahme, weil das Grundstück seit dem späten 19. Jahrhundert von chemischen Fabriken genutzt wurde. Allein das alte Pförtnerhäuschen blieb stehen – als Beratungsbüro für Kaufinteressenten.

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