Immobilien : Neue Fenster sind nicht immer besser Tipps für die Sanierung von Altbauten

Rolf Knitter

Für Käufer und Eigentümer von Altbauten hat sich durch die Einführung der Energieeinsparverordnung (EnEV) viel geändert: Wenn sie mindestens ein Fünftel einer Fassadenfront erneuern, dann müssen sie diese auch gleich noch aufwändig dämmen. Was aber weniger bekannt ist: Dieselbe Regel gilt für die Erneuerung von Fenstern. Wenn an einer Hausseite mindestens 20 Prozent der Fenster oder auch nur von deren Verglasung ersetzt werden, dann müssen die neuen Elemente so gut dämmen wie ein modernes Zweischeiben-Isolierglasfenster.

Dabei ist ein Austausch von Fenstern bei Altbauten nicht immer sinnvoll. Aus mehreren Gründen sollten Kastendoppelfenster, also Konstruktionen mit Innen- und Außenflügeln, möglichst erhalten bleiben. Denn einmal aufgearbeitet, haben diese gleich mehrere Vorzüge gegenüber einfachen „Isolierglasfenstern“.

Da wäre zunächst das Erscheinungsbild der Fassade: Alte Fenster sind oft durch Sprossen, profilierte Rahmen und einen Mittelpfosten gegliedert, die Fassade wirkt dadurch nicht so leblos und austauschbar wie bei Häusern mit modernen Fenstern und großen Glasflächen.

Hinzu kommt der höhere Schallschutz. Selbst ohne neue Isolierverglasung dämmen Kastendoppelfenster besser gegen Außenlärm als neue einteilige Fenster. Voraussetzung dafür ist, dass die Fuge zwischen Flügel und Außenrahmen nicht zu breit ist.

Sogar der Wärmeschutz ist, dank der etwa zehn bis 15 Zentimeter dicken stehenden Luftschicht im Zwischenraum von Innen- und Außenflügel, mit Isolierglasfenstern der 80er und frühen 90er Jahren nahezu konkurrenzfähig. Außerdem lässt sich - sofern die Holzsubstanz intakt ist - durch nachträgliche Maßnahmen eine deutliche Verbesserung von Wärmeschutz und Schallschutz erreichen. Dazu muss man eine moderne, etwa zehn bis 15 Millimeter dicke Isolierverglasung einbauen und zusätzlich den Fensterrahmen mit einer umlaufenden Lippendichtung versehen.

Beide Maßnahmen sollten jedoch nur beim inneren Flügel durchgeführt werden. Denn der Scheibenzwischenraum bei Kastenfenstern muss weiterhin von der kalten Außenluft durchströmt werden, damit es nicht zur Bildung von Tauwasser kommt. Ferner ist erwiesen, dass der Schallschutz von Fenstern dann optimal ist, wenn die innere Scheibe schwerer, also dicker ist als die äußere.

Deshalb sollte die Überarbeitung der Außenflügel - neben einem fachgerechten neuen Anstrich - auch den Austausch schadhafter Wetterschenkel umfassen. Dabei handelt es sich um das untere, leicht gerundete Abschlussprofil des Flügels. Auch die oft schadhaften Kittfugen sollten erneuert werden. Oft muss das Fenster „gang- und schließbar“ gemacht werden, also beispielsweise die Schlösser erneuert oder das Gestänge geölt werden.

Natürlich kann auch ein Austausch von Fenstern unumgänglich sein: Wenn die alte Substanz zu schlecht ist oder wenn die einfach verglasten Elemente für Isolierglasscheiben zu dünne Rahmen haben.

Neue Fenster bestehen am häufigsten aus Kunststoff und Holz. Für die Kunststofffenster spricht, dass diese weitgehend wartungsfrei sind. Holzfenster müssen dagegen im Abstand mehrerer Jahre neu angestrichen werden. Dafür haben diese meist schlankere Rahmenprofile, und der Anteil der Glasfläche ist auch höher: Die Räume sind dadurch heller, was bei älteren Einfamilienhäusern mit viel kleineren Fensteröffnungen wichtig sein kann.

Beim Einbau neuer Fenster sollten die Fugen zwischen Fensterrahmen und Mauerwerk 15 bis 25 Millimeter breit sein und der Zwischenraum sorgfältig mit Mineralwolle ausgestopft werden. Wird stattdessen nur Montageschaum verwendet, dann besteht die Gefahr, dass dieser Schaum dann später „schwindet“ und noch Lücken reißt. Dort entweicht dann Heizwärme, und es kann im Raum zugig werden. Bevor die Fenster auf der Innenseite des Mauerwerks neu eingeputzt werden, sollte die Fuge zum Mauerwerk dann noch winddicht abgedichtet werden. Üblich sind hier Dichtklebebänder oder Putzabschlussprofile.

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