Neues Stadtquartier im alten Diplomatenviertel : Lückenschluss im Köbis-Dreieck

Drei Häuser sind im Tiergartenviertel aktuell bereits im Bau. Die letzte freie Fläche könnte die Republik Aserbaidschan belegen.

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Hans Stimmann (SPD), Klaus Laminet, Dorothe Dubrau (Grüne), Jos Hagemann und Klaus Groth (von links nach rechts) bei einer Pressekonferenz zum Köbis-Dreieck.
Hans Stimmann (SPD), Klaus Laminet, Dorothe Dubrau (Grüne), Jos Hagemann und Klaus Groth (von links nach rechts) bei einer...Foto: Kai-Uwe Heinrich

Fast 14 Jahre nach dem Beginn der Erdarbeiten am Köbis-Dreieck im alten Diplomatenviertel am Tiergarten-Rand werden zwischen Köbisstraße, Klingelhöfer- und Von-der-Heydt-Straße die letzten freien Plätze in dieser innerstädtischen Vorzugslage nun mit Neubauten gefüllt. Das Kulturgebäude der Republik Aserbaidschan, ein Erweiterungsbau für die Konrad-Adenauer-Stiftung und eine Repräsentanz des BDE, Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft e. V., sind aktuell im Bau. Damit wird das Ensemble nach dem Masterplan von 2003 nun fast vollständig arrondiert.

Am weitesten fortgeschritten ist die Kulturabteilung der Republik Aserbaidschan zwischen dem Hauptsitz der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG und dem Chinesischen Kulturzentrum an der Klingelhöferstraße. Das Haus, gebaut nach Entwürfen einer Arbeitsgemeinschaft der Berliner Architekten Cramer Neumann und eines Büros aus Baku, steht nun genau vis-à-vis der Botschaft von Malaysia. Projektsteuerer ist die Groth Development GmbH. Laut Anette Mischler, Sprecherin der Groth-Gruppe, soll das Gebäude noch in diesem Jahr fertig werden.

Links neben dem Chinesischen Kulturzentrum wächst der Rohbau für die Erweiterung der Berliner Zentrale der Konrad-Adenauer-Stiftung. Seit September 2016 wird dort gehämmert und Zement gegossen. Der sechsgeschossige Anbau bietet eine Nutzfläche von rund 3500 Quadratmetern und damit Platz für 240 Mitarbeiter. Sprecherin Julia Berger: „Es handelt sich um ein reines Bürogebäude, in dem die Stiftung Arbeitseinheiten am Standort in Berlin zusammenführen wird. Der Erweiterungsbau wird sich im Erscheinungsbild deutlich an das vorhandene Gebäude anschließen.“

Neben "Heydt Eins" zieht die Lobby der privaten Entsorgungswirtschaft ein

Finanziert wird das Vorhaben aus dem Verkauf der ehemaligen Bildungszentren und des Bürogebäudes der Stiftung in Sankt Augustin bei Bonn im Jahr 2013. Für den Spätsommer 2018 ist der Einzug in den Berliner Anbau geplant. Die Architektenentwürfe stammen von Katrin Cramer und Claus Neumann, die auch schon die beiden KPMG-Gebäude und das Haupthaus der Konrad-Adenauer-Stiftung geplant hatten. So erhält die Front eine einheitliche in sich geschlossene Handschrift.

An der dritten noch bestehenden Baulücke des Köbis-Dreiecks an der Von-der-Heydt-Straße wird ebenfalls schon am Fundament für die Tiefgarage gearbeitet. Dort lässt der BDE, die Lobby der privaten Entsorgungswirtschaft, gleich neben dem noblen Wohnkomplex „Heydt Eins“ ein neues Verbandsgebäude errichten, das später auch teilweise vermietet werden soll. Sprecherin Annabel Strauß sagt auf Anfrage, dass für Mitte 2018 der Erstbezug geplant sei. Weil der BDE in seiner Verbandspolitik auf Wiederverwertung setzt, sollen für seinen viergeschossigen Neubau am Landwehrkanal gezielt Recyclingstoffe als Baumaterialien genutzt werden.

Generalplaner ist die Heydt-Kontor GmbH mit Sitz am angrenzenden Lützowplatz. Die Architektenzeichnungen steuert das Büro Hüffer Ramin aus Kreuzberg bei. Wenn alles klappt wie vorgesehen, können die Mitarbeiter des BDE im kommenden Jahr von der Behrenstraße, dem bisherigen Verbandssitz, in ihre neue Zentrale umziehen.

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Um die gesamte Grafik zu sehen, klicken Sie auf das Bild.Grafik: Fabian Bartel/Tsp

Die Gegend hatte einst sehr gute Zeiten erlebt

Für den letzten freien Bauplatz im Köbis-Dreieck ist ein Botschaftsgebäude für die Republik Aserbaidschan im Gespräch. Am jetzigen Standort der Mission in der Hubertusallee im Grunewald reagiert man noch etwas zurückhaltend. „Wir wollen erst das Gebäude unserer Kulturabteilung zu Ende bauen, dann sehen wir mit dem Haus für die Botschaft weiter“, sagt ein Mitarbeiter auf Anfrage.

Es sieht also ganz so aus, als ob das Kapitel Köbis-Dreieck in absehbarer Zeit zu einem Ende kommt. Mit der Grundsteinlegung im November 2003 wurde das Brachland, eine Folge der Kriegsverwüstungen, aus einem langen Dornröschenschlaf gerissen. Bis dahin war das wild wuchernde Gebüsch ein Eldorado für Kaninchen und Stadtvagabunden. Dabei hatte die Gegend am südlichen Tiergarten-Rand einst sehr gute Zeiten erlebt. Im Diplomatenviertel verkehrten nicht nur die Angehörigen der Gesandtschaften. Es gab Salons, Galerien und luxuriöse Stadtvillen mit dem entsprechenden Publikum.

Vor der Planung fand ein Workshop-Verfahren mit Bezirks- und Senatsverwaltung statt

Die Berliner Groth-Gruppe hatte sich 2003 mit den Partnern Hochtief und Investa zusammengetan, um das 2,3 Hektar große Brachland für die Stadt zurückzugewinnen. Die ersten Neusiedler waren die KPMG, die Konrad-Adenauer-Stiftung und das Chinesische Kulturinstitut. Das Hofjäger-Palais an der verkehrsberuhigten Köbisstraße wurde 2006 mit 91 Eigentums- und Mietwohnungen fertiggestellt. Über feinsten Luxus verfügt auch das auffällig runde Ensemble Heydt Eins der Groth-Gruppe, ein Blickfang für aus Kreuzberg kommende Autofahrer. Die Anlage mit 66 Eigentumswohnungen wurde Ende 2015 fertiggestellt, ein Doorman sorgt für Service und Sicherheit.

Der Planung für das neue Stadtquartier war ein Workshop-Verfahren mit Bezirks- und Senatsverwaltung vorausgegangen. In den Diskussionen entschied man sich für den städtebaulichen Entwurf von Machleidt und Partner und Walther Stepp (beide Berlin), der eine Blockrandbebauung mit bis zu siebengeschossigen Einzelhäusern und eine Mischung von exklusivem Wohnen und Büro- und Verwaltungsgebäuden vorsah. Der Plan ging auf.

Und wenn schließlich noch Aserbaidschan mit seiner Botschaft kommt, macht das alte Diplomatenviertel seinem Namen wieder alle Ehre.

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