Immobilien : Nicht nur für Vielflieger

Aus dem alten Britzer Krankenhaus wird eine Wohnsiedlung. Die Investoren setzen auf den Airport

Kerstin Heidecke

Britz ist nicht Neukölln. So wenig wie Spandau wirklich zu Berlin gehört. Na ja, rein amtlich betrachtet schon. Aber das war’s auch. Ansonsten ist der Ortsteil im Süden Berlins bürgerlicher, grüner und adretter als der Rest des Bezirks. Deshalb hat sich die Vivacon auch herangetraut, an die Konzeption und den Verkauf hochwertiger Eigentumswohnungen an der Blaschkoallee 32.

Unter dem Namen „Britzer Parkvillen“ entstehen bis Mitte kommenden Jahres etwa 70 Wohnungen auf dem Gelände des traditionsreichen Krankenhauses. Etliche davon in den neun denkmalgeschützten Backsteinbauten auf dem eingezäunten hinteren Teil des Areals. Zusätzlich werden auf der 29 000 Quadratmeter großen Fläche etwa zehn Villen neu errichtet.

Auf dem vorderen Grundstücksteil steht das eindrucksvolle Verwaltungsgebäude mit seinen romanischen Säulen, Details der Gotik und barocken Giebeln. Hier residieren seit einigen Jahren verschiedene Abteilungen des Bezirksamtes, Meldestelle und Standesamt. Den künftigen Käufern und Mietern dürfte der Bau zudem als willkommener Schallschutz vor dem tosenden Verkehr auf der Blaschkoallee dienen.

Hauptargument für die knapp 20-Millionen-Euro-Investition ist der entstehende Airport Berlin-Brandenburg International (BBI) in Schönefeld. Die künftige Jobmaschine – für das Jahr 2012 sind rund um den Flughafen bis zu 40 000 neue Arbeitsplätze prognostiziert – soll die Nachfrage für „arbeitgebernahen“ Wohnraum ankurbeln. So das Kalkül der Investoren. Immerhin: Ein Pilot hat schon eine Wohnung gekauft, mit einigen anderen „hochrangigen Lufthansa-Mitarbeitern“ sei man im Gespräch, so Uwe Auerbach, Vertriebsleiter der Vivacon.

Die im Prospekt ausgewiesenen zwölf Minuten Fahrzeit nach Schönefeld wird man zumindest im Berufsverkehr wohl nicht schaffen. Trotzdem: die Britzer Wohnlage dürfte für etliche Menschen attraktiv werden, die im Südosten der Stadt ihre Brötchen verdienen. Auch auf dem 4,2 Quadratkilometer großen Wista-Gelände, dem Technologiepark in Adlershof, arbeiten inzwischen 12 000 Mitarbeiter in Medienbetrieben, Technologieunternehmen und außeruniversitären Forschungsstätten.

Damit jede Kunden- und Altersgruppe von junger Familie bis zum Seniorenpärchen bedient werden kann, hat die Vivacon verschiedene Wohnungstypen vorgesehen; geplant sind neben schlichten Etagenwohnungen auch Maisonettes, Dachgeschoss-Penthouses und Townhouses. Umgebaut und modernisiert wird in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz. Parkett und Holzfenster werden nach historischem Vorbild nachgestaltet. Jede der 50 bis 135 Quadratmeter großen Wohnungen soll Garten, Balkon oder Terrasse haben. Vollmundig „garden living“ genannt, ist zudem zwischen Villa Magnolia, Villa Narzissa und Villa Dahlia viel Grünfläche geplant; eine Streuobstwiese mit Kirsch- und Apfelbäumen, ein Boule- und ein Spielplatz.

Familienfreundlicher als der Neuköllner Norden ist Britz unbestritten. Gleich nebenan liegen der Park am Buschkrug und Bruno Tauts berühmte Hufeisensiedlung aus den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts, unweit der Britzer Garten, das Schloss Britz, das Freilandlabor, diverse Tennisplätze und die Britzer Mühle. Britzer Ureinwohner schauen schon jetzt manchmal neugierig über den Zaun der Baustelle: „Dort drin war mal die Augenklinik. Und da hinten war ich immer beim Orthopäden“, erzählt ein Rentnerpärchen. So lange her ist es wirklich noch nicht; bis 1988 wurden an der Blaschkoallee Patienten versorgt. 1894 bis 1896 war das Ensemble von den Architekten Heinrich Schmieden und Rudolf Speer als Kreiskrankenhaus von Teltow errichtet worden. Nach knapp einhundert Jahren schloss das Krankenhaus. Den Haupttrakt setzte der Bezirk Ende der neunziger Jahre für seine Verwaltung instand.

Seit Ende 2007 stehen die Britzer Parkvillen zum Verkauf – für 30 Prozent der entstehenden Wohnungen sind die Verträge unterschrieben. Nur ein Viertel der Käufer wird die Wohnungen wohl selbst nutzen, schätzt man bei der Vivacon. Das Unternehmen setzt auf Kapitalanleger. Für durchschnittlich 2290 Euro pro Quadratmeter erwerben die Käufer die Immobilie, aber nicht den Grund und Boden – den nutzen sie per Erbpacht.

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