Immobilien : Nicht ohne Grund

Wo ist Wasser? Und wo laufen die Fundamente? Die Baugruppe wartet auf Gutachter und Vermesser

Ulrike Heitmüller

Wieder: Kreuzberg, Möckernstraße, die Baulücke. Hier will unsere Baugruppe ihr Mehrfamilienhaus bauen. In diesen Wochen können die zukünftigen Bewohner nicht viel tun. Nur grübeln und warten: Jetzt wird nämlich Grundsätzliches geklärt – im wahrsten Sinne des Wortes: Der Baugrund wird untersucht. In diesen Wochen finden Messungen statt: Wo steht der Grundwasserspiegel? Befinden sich Trümmer im Boden? Und wo befinden sich die Fundamente des Nachbarhauses? Außerdem muss der öffentlich bestellte Vermesser einen amtlichen Lageplan erstellen.

Erst mal war der Bagger da. Er hat drei Meter tiefe Löcher ausgehoben, so dass man Trümmer, Fundamente und Grundwasser sehen kann. Kann? Naja: Können sollte! Vom Wasser sieht man nämlich nichts mehr. „Da ist vielleicht Sand nachgerieselt“, mutmaßt Architekt und Organisator Alois Albert. Nun muss die Baufirma noch mal kommen und das Loch tiefer machen.

Außerdem wurde ein amtlicher Lageplan erstellt. Den hat Knut Seibt gemacht und als öffentlich bestellter Vermessungsingenieur trägt er für ihn auch die Verantwortung. Auf diesen Plan zeichnet er die Lage des Grundstücks, seine Grenzen sowie die Nachbarhäuser ein. „Der Lageplan ist eine Grundlage für die Baugenehmigung“, erklärt Knut Seibt, „er ist die Gewährleistung dafür, dass das Gebäude auf dem Baugrund steht“. Und nicht auf dem Grundstück der Nachbarn.

Für den Lageplan werden aber nicht nur Länge und Breite des Geländes vermessen, sondern auch seine Höhe über Null. Zum Beispiel deshalb, weil das Haus an die Kanalisation angeschlossen werden muss und die Rohre in der richtigen Höhe verlegt werden müssen.

Gerade in Berlin ist die Höhenmessung aber noch aus einem anderen Grund sehr wichtig: wegen des Grundwasserspiegels. Dessen Entwicklung hat die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung in ihrem „Digitalen Umweltatlas“ veröffentlicht (www.stadtentwicklung.berlin.de/umwelt/umweltatlas/ib207.htm). Dort sieht man: Der Grundwasserspiegel war jahrzehntelang gesunken, aber seit der Wende steigt er wieder, weil seitdem in Berlin weniger Wasser verbraucht wird. Darum bekämen manche älteren Gebäude gerade „nasse Füße“, erklärt der Vermesser: Es dringt Wasser von unten ein. Bei Bauvorhaben muss der steigende Wasserspiegel bedacht werden: Falls nämlich in Berlin mal gar kein Wasser verbraucht werden sollte, würde der Pegel womöglich weiter steigen bis zu seiner ursprünglichen Höhe. Darum muss dieser historische Stand bei jedem Neubau berücksichtigt werden.

Für unsere Baugruppe ist das schwierig: Die natürliche Erdoberfläche, also der Gehweg, liegt in der Gegend bei knapp 35 Meter NHN-Höhe. Das heißt Normalhöhennull und bezieht sich auf den sogenannten „Amsterdamer Pegel“, so hoch steht bei Amsterdam im Schnitt das Wasser.

Wo das Grundwasser in Berlin beginnt, weiß man noch nicht genau. „Aber es wird knapp“, sagt Alois Albert. Man könnte natürlich das Fundament ein bisschen höher machen – aber nicht das gesamte Haus höher setzen, denn es ist nur eine bestimmte Gesamthöhe erlaubt. „Da muss ich umplanen, da ist noch Luft. Aber ob das geht, weiß ich nicht“, seufzt der Architekt. Aber vielleicht genügt es, wenn man ein bisschen Höhe in der Tiefgarage einspart, also ihren Boden hebt, aber ihre Decke da lässt, wo sie hin soll. Eine andere Möglichkeit: Man könnte während der Bauarbeiten das Wasser absenken, indem man kleine Brunnen baut und diese regelmäßig leerpumpt.

Demgegenüber ist die Trümmerfrage fast ein Klacks: Die Überreste eines Hauses, das früher mal auf dem Areal gestanden hatte, stören nämlich: „Die Trümmer müssen auf jeden Fall weg, da steht unser Haus“, sagt der Architekt. „Die Frage ist bloß, wie macht man sie weg?“ Eine Möglichkeit ist, sie mit dem Bagger wegzubrechen, „wenn nebenan nichts kritisch ist“, sprich: wenn die Fundamente des Nachbarhauses weit genug entfernt sind. Das ist aber nicht so sicher, denn das Nachbarhaus zur Rechten wurde schon um das Jahr 1900 herum erbaut. Bei so alten Häusern weiß man nie so recht. Zu allem Überfluss hat dessen Fundament eine merkwürdige Beule, die dem Fundament unserer Baugruppe im Weg sein dürfte.

Aber immerhin, der Baugrund selbst ist in Ordnung, sagt Gutachter Peter Raimund: „Früher stand da ein Haus, das wurde nach dem Krieg abgerissen und der Boden mit Sand und Schutt aufgefüllt. Darunter befindet sich Sand bis in größere Tiefe, guter Baugrund.“

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