Immobilien : Nochmal tief Luft holen

Ruhe auf dem Baugrund? Das täuscht: Der Pachtvertrag ist da. Nun werden Wanddicken ausgerechnet

Ulrike Heitmüller

„Ich warte doch nicht auf die Kirschblüte mit dem Rohbau. Und wenn dann ein Vogelnest drin ist, darf man auch nicht fällen!“ Alois Albert ist Architekt und Organisator der Baugruppe, die an der Kreuzberger Möckernstraße ihr gemeinsames Mehrfamilienhaus errichten will. Im Moment wirkt er leicht angefressen. Grund ist eine Sachbearbeiterin des Natur- und Grünflächenamtes. Die hatte moniert, bei einem Kirschbaum auf dem Baugrundstück handle es sich nicht um einen Obst-, sondern um einen Zierbaum. Nachprüfen lässt sich das jetzt nicht mehr – der Baum ist weg, weil er der Baustelle im Weg stand. Was aber den Unterschied macht, ist: Während die meisten Obstbäume gefällt werden dürfen, sieht die Lage bei einer Zierkirsche anders aus: 150 Euro will die Beamtin deshalb kassieren. Mit knapper Not gelingt es Albert, die Strafe abzuwehren. Er betont, was die Bäume angeht: „Für die großen mussten wir eine Fällgenehmigung einholen“ – was man auch ordnungsgemäß getan hat.

Sei es, wie es sei: Bäume und Sträucher sind weg, und Platz fürs Haus ist da. Und eventuell könnte sogar demnächst losgebaut werden. Denn, große Nachricht der letzten Tage: Der Erbpachtvertrag ist unterzeichnet. Im Prinzip zumindest – vor einigen Tagen hat ein Notar die Papiere beurkundet, jetzt fehlt nur noch die Unterschrift des Konsistoriums, was Architekt Albert aber nur noch als Formsache einschätzt. Und das ist gut so – denn eigentlich wollte man diesen Punkt schon vor einem halben Jahr erreicht haben. Das Thema drückt den zukünftigen Bewohnern etwas aufs Gemüt – denen, die finanziert haben und nun fleißig Bereitstellungszinsen zahlen. Aber auch denen, die schon seit längerer Zeit nur auf ihre ausgedruckten Simulationen gucken können, um sich ihre zukünftige Wohnung auszumalen.

Grund für die Verzögerungen ist, dass sich die Verhandlungen um den Erbpachtvertrag für das Grundstück viel länger hingezogen haben als von den Beteiligten erwartet: Das Grundstück gehört der Kirche. Und obwohl man sich mit der Gemeinde schon vor längerer Zeit geeinigt hatte, musste Kirchenrecht beachtet werden. Und das heißt: Das so genannte Konsistorium hatte bei der Gestaltung des Pachtvertrages mitzureden. Dabei handelt es sich um das Leitungsorgan, das die laufenden Geschäfte der evangelischen Kirche der Region führt. Woran es in der Kommunikation genau hakte, lässt sich schwer rekonstruieren. Albert und seine Mitstreiter berichten, dass das Gremium viele Details noch einmal klären wollte, ob wohl schon alles ausverhandelt schien. Und das Konsistorium ... Man weiß es nicht, es gibt keine Auskunft über den Fall.

Aber ärgern bringt auch nichts: „Ohne Grund ist schlecht bauen“, bemerkt Architekt Alois Albert deshalb nur lakonisch. Immerhin hat die Verzögerung Gelegenheit gegeben, die Baustelle schon einmal so richtig akkurat herzurichten. Neueste Errungenschaft: Ein fünf Meter hoher Lärmschutzzaun. Der ist nötig, da die Kirchengemeinde direkt neben der Baulücke eine Kindertagesstätte betreibt, weil Bauarbeiten Krach und Dreck machen – und wohl auch, weil niemandem die Vorstellung besonders gefällt, dass plötzlich Kinder zwischen Baggern und Kränen auftauchen könnten. „An dem Zaun beteiligen sich die Bauherren mit 3000 Euro“, sagt Sabine Benkwitz. Sie ist Bauingenieurin, arbeitet bei der Stiftung „Sozialpädagogisches Institut Berlin – Walter May“ (SPI) und steht der Möckernstraßen-Baugruppe beratend zur Seite.

Außerdem hat man gebohrt. Da das Haus aus ökologischen Gründen mit Erdwärme geheizt werden soll, sind drei 100 Meter tiefe Löcher entstanden, in denen schon die Sonden stecken, die die Wärme später fördern sollen. Im Moment steht zur Abwechslung wieder Planung an: Jetzt entstehen die genauen Pläne, nach denen die Handwerker das Haus bauen. Erst einmal für das Tragwerk, nämlich Fundamente, Wände, Decken und Dach. Die Planung besteht aus der statischen Berechnung sowie den Schal- und Bewehrungsplänen – die Grundlage für die Verarbeitung von Beton und Eisen. Außerdem wurde ein Bauleiter engagiert, der mit den Bauherren nach und nach alle Elemente noch einmal durchgeht: Fenster, Wandfarben, Jalousien, Bodenbeläge. Zum Beispiel haben sich die Mitglieder entschlossen, keine Türschwellen aus Holz, sondern welche aus Metall einbauen zu lassen: Sie werden gemeinsam mit der Wand errichtet – das ist deutlich stabiler und solider.

Und dann, wenn alles klar ist – könnte es losgehen mit dem Bau. Hoffentlich.

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