Immobilien : Nur auf Madeira heimisch: Der Kanarische Fingerhut

W.H./A.-D. Stevens

DER ROTE PUNKT

Jede Woche gibt der Botanische Garten eine Liste mit besonders sehenswerten Pflanzen heraus, die durch ihre Blüten oder auch Früchte beeindrucken. Sie sind auf dem Gelände oder in den Gewächshäusern mit einem roten Punkt gekennzeichnet. Aus Platzgründen können wir nur jeweils ein Gewächs vorstellen. Der Garten ist täglich von 9 Uhr an geöffnet, die Gewächshäuser am Wochenende ab 10 Uhr. Weitere Informationen im Internet unter www.bgbm.org .

Gewächshäuser . Den Fingerhut (Digitalis purpurea) mit seinen imposanten Blütenkerzen, die im Juni zu leuchten beginnen, findet man häufig in heimischen Gärten. Kaum bekannt sein dürfte dagegen der Kanarische Fingerhut (Isoplexis sceptrum), der zurzeit blüht. Ihn hat der Botanische Garten als besondere Pflanze für diese Woche benannt. Denn er ist eine Rarität und kommt selbst in der Natur sehr selten vor. Kurios ist der deutsche Name: „Kanarischer“ Fingerhut. Er wächst nämlich nur im lichten Schatten der stark bedrohten Lorbeerwälder auf Madeira und – wie kann es anders sein – im Mittelmeerhaus des Botanischen Gartens.

Im Gegensatz zu seinen hier zu Lande bekannten krautigen Verwandten – beide Arten gehören zur Familie der Rachenblütler – ist der Kanarische Fingerhut, auch Schopf-Fingerhut genannt, ein Gehölz. Der kleine Baum wird bis zu 150 Zentimeter hoch. Die großen Blätter an der Basis der strauchigen Pflanze werden zehn bis 40 Zentimeter lang und vier bis 14 Zentimeter breit. Sie wachsen büschelig und sind behhaart. Die Blüten entwickeln sich von Juni bis August in einem dicht gepackten endständigen Blütenstand, der dem hiesigen Fingerhut (Digitalis purpurea) ähnelt. Aber eben nur ähnelt. Denn bei der Gattung Isoplexis ist die Ober- und Unterlippe der Blütenkrone etwa gleich lang. Das wird auch im Namen verdeutlicht: iso heißt im Griechischen gleich (plexus bedeutet Geflecht). Die heimischen Fingerhut-Arten besitzen dagegen eine im Vergleich zur Unterlippe deutlich kleinere Oberlippe.

Oben am Blütenstand des Exoten ragen die Tragblätter der Blüten über die noch nicht geöffneten Knospen heraus. Die Blütenkrone wird zwei bis 3,5 Zentimeter lang und ist orange-gelb bis bräunlich gefärbt. Die Blüten sind an der Basis von einem Kelch umgeben, der die Blüte vor Nektarräubern schützt. Er soll verhindern, dass Vögel versuchen, an den Nektar bereits in der Nähe des Blütenbodens zu kommen, ohne die Öffnung der Blüte zu nutzen und somit die Blütenkrone verletzen würden. Hinzu kommt, dass bei dieser Vorgehensweise keine Bestäubung stattfindet, da die Nektarräuber nicht mit dem Pollen der Staubgefäße und der Narbe des Griffels in Berührung kämen.

Zur Gattung Isoplexus gehörten neben der als Endemit vorkommenden madeirensischen Art drei weitere, die es nur auf einigen makaronesischen Inseln gibt: I. canariensis (Teneriffa, Gomera, La Palma), I. chalcantha (Gran Canaria), I. isabelliana (Gran Canaria, Teneriffa). Bei allen handelt es sich um endemische Pflanzen, die als direkte Nachfahren der ursprünglich subtropischen Pflanzenwelt der Tertiärzeit gelten, die den Raum zwischen den Inseln und Ostafrika sowie rund um das damalige Mittelmeer bedeckte.

Wer diese seltenen Wildpflanzen im Urlaub auf den Inseln entdeckt, sollte sich an ihrem Anblick erfreuen. Denn als Souvenir für den heimischen Garten sind sie nicht geeignet. Ganz abgesehen davon, ist das Ausgraben dieser äußerst seltenen Pflanzen strafbar.

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