Ökologisch bauen : Ausgezeichnetes Baukastensystem

Ein Baukastensystem aus Holz und Wellpappe gewinnt den GreenTec Award. Für den Bau von standardisierten Häusern wird zurzeit eine Fabrik in Baden-Württemberg aufgebaut.

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Der Wandbaufbau mit tragender Dämmung von Ecocell.
Der Wandbaufbau mit tragender Dämmung von Ecocell.Foto: S. Ehlerding

Mit einer neuartigen Wandkonstruktion aus Wellpappe und Holz gewinnt das Schweizer Unternehmen Ecocell den diesjährigen GreenTec Award in der Kategorie Bauen und Wohnen. Zwischen zwei Platten aus Holz befindet sich einer Lage aus Wellpappe, der mit einer hauchdünnen Schicht aus Zement überzogen ist. Das Produkt ist umweltfreundlich, weil es aus Altpapier und Holz hergestellt ist und Kohlendioxid bindet, wirbt Ecocell.

Der Architekt Fredy Iseli hat das Produkt entwickelt, nachdem er 1994 eine Kartonagefabrik übernahm – eigentlich wegen des Grundstücks. Hauptauftraggeber war der Hersteller des Schweizermessers Vectorinox. Doch für die Fabrik mussten neue Aufträge her, und so kam Iseli auf die Idee, zunächst Europaletten aus Wellpappe herzustellen. Dabei zeige sich, dass die Kunden am liebsten die reinen Platten kauften, nicht die Paletten.

Schweizer Post baut schon mit dem System

In einem nächsten Schritt entwickelte Iseli das jetzige Baukastensystem. Technische Herausforderung, die Wellpappe mit der feuchten Zementmischung zu beschichten, ohne dass sie zusammenfiel.

Inzwischen baut die Schweizer Post als einer der ersten Kunden Zwischenwände in ihren Lagerhallen mit System. Eine Zulassung außerhalb der Schweiz steht noch aus, ein Werk im baden-württembergischen Sigmaringen wird aber schon aufgebaut. Es soll einmal 150 dreistöckige Häuser pro Jahr in serieller Bauweise herstellen können, die als Flüchtlingsunterkünfte dienen könnten.

Fredy Iseli verhandelt über den Bau solcher Fabriken gerade auch mit Lizenznehmern in der Türkei. Später könnten die Häuser aus dem Baukasten leicht umgenutzt werden, weil sich die Wände einfach umsetzen lassen.

In kleinerem Maßstab baut Iseli gerade 15 Eigenheime in der Schweiz mit der neuartigen Konstruktion. Käufer bekommen ein Elektroauto geschenkt, so dass die Kunden eher geneigt sind aufs Land zu ziehen, wo Grundstücke billiger sind, so Iselis Kalkül.

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