Immobilien : Oftmals stören Schadstoffe in der Wohnung die Befindlichkeit

ANDREAS LOHSE

Baumaterial und Möbel können Giftstoffe in die Luft abgeben / Ein Ratgeber zur SpurensucheVON ANDREAS LOHSEDie Augen brennen, der Hals kratzt, der Schädel dröhnt.Eigentlich könnte das der Anfang einer Grippe sein, nur leider halten die Beschwerden schon viel zu lange an - und das Erstaunliche: Sie verschwinden im Urlaub.Bis von solchen Syptomen Betroffene erkennen, daß sie nicht ein vorübergehender Virus, sondern die eigene Wohnung quält, haben sie häufig schon einen jahrelangen und bedauernswert ergebnislosen Ärztemarathon hinter sich. Ein handliches und übersichtlich gegliedertes Taschenbuch hilft, Schadstoffen in der Wohnung auf die Spur zu kommen: Was ist überhaupt ein "Umweltgift" - und welche sind in der Wohnung zu finden? Durch Medien so bekannt gewordene Stoffe wie Asbest werden hier ebenso erklärt wie beispielsweise Pyrethroide, unbekannter zwar, aber nicht minder gefährlich.An erster Stelle aber steht das krebserregende Formaldehyd, das zur Herstellung von Spanplatten und Sperrholz benutzt wurde.Die bevorzugt in den 80er Jahren eingesetzten Holzschutzmittel kommen gleich danach - schließlich wurden sie um ihrer pilz- und insektentötenden Eigenschaften willen seinerzeit sehr großzügig versprüht.Die ebenfalls der Schädlingsbekämpfung dienenden Pyrethroide beispielsweise gelangen über Mittel gegen Mottenfraß in Teppiche.Eine fast schon für ausgestorben gehaltene Gesundheitsgefährdung sind Schimmelpilze, die zu bösartigen Geschwulsten in der Leber führen können.Ebenso bösartig sind Lösemittel in Farben, Lacken und Lasuren.Sie greifen über die Atmung das zentrale Nervensystem an.Ein weiteres Wohngift sind Polychlorierte Biphenyle (PCB), die hauptsächlich über die Nahrung in den Körper gelangen, aber auch als Ausdünstungen von Weichmachern in Kunststoffen wie Dichtungsmassen oder Flammschutzmittel in Anstrichen schädigen können.Langzeitschäden können das Erbgut treffen sowie das Immunsystem.All diesen Giften ist gemeinsam, daß sie zu Müdigkeit, Übelkeit, Augentränen, Schwächegefühlen, Kopfschmerzen, Schwellungen und Juckreize führen.Auch Depressionen gehören in dieses Bild. Diese Vielfältigkeit der Symptome erschwert die Suche nach den Ursachen, da meist mehrere Merkmale nebeneinander auftreten.Hier kann eine Symptomliste helfen, die anzeigt, ob sich die Beschwerden nach einer längeren Abwesenheit verbessert haben.Erhärtet sich der Verdacht auf Schadstoffe in der Wohnraumluft, empfiehlt es sich, einen Arzt aufzusuchen.Ärztekammer und Krankenkassen helfen den Leidenden, auf Umweltgifte spezialisierte Mediziner zu finden.Verstärken die Untersuchungen einen Krankheitsverdacht, kann eine Wohnungsbegehung Aufschluß über die möglichen Gefahrenquellen geben.Problematisch ist dabei, daß Schadstoffe praktisch durch alle Baumaterialien und Einrichtungsgegenstände in die Wohnung Einlaß finden.Eine ausführliche Recherche über Herkunftsort, Verarbeitung und frühere Baumaßnahmen gibt über die Krankheitserreger Aufschluß.Wichtig ist allerdings auch, wie intensiv ein Raum genutzt wird.Sind die Voruntersuchungen abgeschlossen, können einfache Proben selbst entnommen werden, komplizierte indes sollte man Fachleuten überlassen. Bestätigt sich der Verdacht auf Schadstoffe gibt es mehrere Möglichkeiten: Zum einen der Auszug aus dem Haus, zumindest aus der Wohnung, zum anderen die Entfernung der Emissionsquellen und zum dritten eine Teilsanierung des betroffenen Raumes. Einfache Tricks können die Wohnqualität verbessern.Regelmäßiges Lüften und eine ausreichende Luftfeuchtigkeit sind sinnvoll.Auch Zimmerpflanzen helfen lindern.Der Ratgeber enthält eine gute Checkliste für den Verbraucher.Allerdings lassen Sprache und Lektorat zu wünschen übrig.So gehört ein "Kribbeln in den Extremitäten" - in diesem Werk ein durchaus ernstgemeinter Ausdruck - kaum zum normalen Sprachschatz und das uneingeschränkte Lob für das Umweltschutzzeichen "Der Blaue Engel" ignoriert die Kontroverse um dessen Sinn oder Unsinn, schließlich bescheinigt es den damit ausgezeichneten Produkten nicht, daß sie völlig gefahrlos, sondern im Vergleich zu anderen lediglich weniger schädlich sind.Zu behaupten, daß die in dem Buch zitierte Zeitschrift "Ökotest" von der Stiftung Warentest herausgegeben werde, ist allerdings schon ein recht grober Schnitzer. Theo Bohr/Monika Altmeyer, Öko-Check Wohnen.Schadstoffen auf der Spur, Falken Verlag, DM 14,90.

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