Immobilien : Orchideen für den Hausgebrauch

Die Auswahl an verhältnismäßig pflegeleichten Züchtungen ist groß

Heike Deissler

Orchideen sind die beliebtesten Zimmerpflanzen der Deutschen. Mit ihren faszinierenden Blütenformen und -farben begeistern sie immer mehr Menschen. Nicht alle Vertreterinnen dieser großen Pflanzenfamilie mit etwa 30 000 Naturarten und zahllosen Hybriden (Kreuzungen) sind jedoch problemlos im Zimmer zu kultivieren. Viele Orchideen stellen hohe Ansprüche an Pflege und Standort, denen nur wahre Liebhaber genügen können. Doch vor allem unter den robusteren Hybriden gibt es auch für Anfänger geeignete Pflanzen. Wenn Sie einige Grundregeln beachten, werden Sie viel Freude mit diesen ausgefallenen Gewächsen haben.

Gut neunzig Prozent aller Orchideenarten sind in den Tropen zuhause. Sie wachsen dort meist als Aufsitzer auf Bäumen (Epiphyten). Wasser und Nährstoffe nehmen sie über Luftwurzeln auf. Diese Lebensweise gibt die Richtschnur für die Orchideenpflege im Zimmer vor. Die Pflanzen benötigen besonders luftiges und lockeres Substrat, damit das Wasser schnell abfließen kann und die Wurzeln nicht faulen. Staunässe ist für Orchideen allerdings tödlich.

Klassische Blumenerde vertragen die tropischen Schönheiten daher gar nicht. Für Anfänger eignet sich im Handel erhältliches, spezielles Orchideensubstrat mit wenig Torf. Umgetopft wird etwa alle zwei bis drei Jahre im Frühjahr, aber nur wenn das Substrat verrottet oder die Pflanze zu groß ist. Gießen Sie Orchideen erst, wenn das Substrat abgetrocknet und der Topf wieder leichter ist. In der Wachstumszeit brauchen die Pflanzen dabei mehr Wasser als in Ruhephasen. Auch beim Dünger gilt: weniger ist mehr. Wenn die Pflanzen wachsen, gibt man alle zwei bis vier Wochen speziellen Orchideendünger. In der Ruhezeit düngen Sie besser gar nicht.

Die Lichtansprüche der anmutigen Exoten sind je nach Gattung verschieden. West- und Ostfenster bieten jedoch für die meisten Orchideen ausreichende Verhältnisse. Trockene Heizungsluft bekommt den Tropenpflanzen nicht und führt oft zum Befall mit Spinnmilben. Fördern Sie mit Luftbefeuchtern oder häufigem Besprühen ein orchideengerechtes Kleinklima. Gegen Schädlinge wie Woll- und Schildläuse helfen Absammeln und das Abreiben der Blätter mit Schmierseifenlösung. Spritzungen mit Wermut- oder Rainfarntee sind ebenfalls hilfreich. Orchideen sind für regelmäßige Frischluftzufuhr dankbar, vermeiden Sie dabei jedoch unbedingt Zugluft. Die Temperaturansprüche reichen von kalt über temperiert bis warm.

Die folgende Auswahl beschränkt sich auf anspruchslose Gattungen, die in beheizten Räumen zurecht kommen. Die bekannten Phalaenopsis-Orchideen, auch Malaienblume oder Nachtfalterorchideen genannt, lieben es ganzjährig warm. Sie zeichnen sich durch große, farbenprächtige Blüten und eine lange Blütezeit aus. Die Vielfalt an Blütenfarben und -mustern ist dabei so groß, dass Sie allein mit Orchideen dieser Gattung schon eine ganze Sammlung aufbauen können. Die robusten Pflanzen aus dem asiatisch-pazifischen Raum blühen rund ums Jahr ohne ausgeprägte Ruhezeit. Sie gedeihen auch noch am Nordfenster, allerdings nur, wenn es nicht verschattet wird.

Auch die Cattleyen aus Mittel- und Südamerika zählen zu den pflegeleichten Vertreterinnen der Orchideenfamilie. Vor allem die zweiblättrigen Arten mit ihren zahlreichen, farbenprächtigen Blüten lassen sich gut im Zimmer halten. Voraussetzung ist allerdings ein sehr heller Standort. Die lichthungrigen Pflanzen können sogar am Südfenster stehen, wenn sie im Hochsommer vor der prallen Sonne geschützt werden. Cattleyen blühen jedoch nur, wenn man ihnen im Winter eine Ruhezeit bei Temperaturen zwischen 15 und 18 Grad gönnt.

Ebenfalls aus Südamerika stammen die robusten Miltonia- oder Miltoniopsis-Orchideen. Die wüchsigen Pflanzen blühen lange in klaren, kräftigen Farben. Den deutschen Namen Stiefmütterchenorchidee verdanken sie der Form ihrer Blüten. Miltonien können gut zusammen mit Phalaenopsis kultiviert werden. Halten Sie das Substrat gleichmäßig feucht, da es sonst zu Wachstumsstockungen kommt. Diese führen zunächst zu zieharmonikaartig wachsenden Blättern und später oft zum Verlust der Pflanze. Die äußerst salzempfindlichen Wurzeln sollten nicht direkt mit Dünger in Berührung kommen.

Die aus dem Himalayagebiet stammende Cymbidium- oder Kahnlippenorchidee gilt als wichtigste Schnittblume unter den Orchideen. Lange Rispen mit zahlreichen, haltbaren Blüten in vielen Farben zeichnen diese Gattung aus. Die großen Cymbidium eignen sich für kühle Wintergärten, da sie hohe Tages- und niedrige Nachttemperaturen benötigen, um zur Blüte zu kommen. Miniatur-Hybriden hingegen können Sie auch im Zimmer kultivieren.

Die Oncidium- oder Schwielenorchidee aus Mittel- und Südamerika fällt durch Blütenrispen auf, die einem Insektenschwarm gleichen. Zahlreiche, meist gelbe Einzelblüten schweben an langen Stielen gleichsam durch die Lüfte. Diese Orchideengattung braucht sehr viel Licht. Die meisten Nachzuchten von Oncidium vertragen Wärme und kommen ohne Ruhezeit aus.

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