Pankower Tor : "Es hapert an einer Verständigung"

Grundzüge der Planung für "Pankower Tor", eine der größten Quartiersentwicklungen in Berlin, sind weiterhin unklar.

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Zwischen den S-Bahnhöfen Pankow und Pankow-Heinersdorf soll das neue Wohnquartier "Pankower Tor" entstehen. Foto: imago/PEMAX
Zwischen den S-Bahnhöfen Pankow und Pankow-Heinersdorf soll das neue Wohnquartier "Pankower Tor" entstehen.Foto: imago/PEMAX

Eines der größten Quartiersentwicklungsgebiete Berlins hängt planungstechnisch weiterhin in der Luft. Während sich der bis zur Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus zuständige Bausenator Andreas Geisel (SPD) – heute ist er Innensenator – in einer Pressemitteilung nur wenige Tage vor dem Urnengang noch zum „erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen zur Nachnutzung des ehemaligen Rangierbahnhofs Pankow“ gratuliert hatte, sagte seine Nachfolgerin Katrin Lompscher (Die Linke) dem Tagesspiegel, dass die Verhandlungen keineswegs abgeschlossen sind. Die entscheidenden Fragen des Projekts, das sich inzwischen in der zweiten Planungsdekade befindet, sind noch ungeklärt. Wie am Anfang.

Am Mittwoch fand die erste Steuerungsrunde mit den wichtigsten Beteiligten unter Leitung des neuen Pankower Baustadtrats Vollrad Kuhn (Bündnis 90/Die Grünen) statt. Seine Bestandaufnahme sieht so aus: Eine Machbarkeitsstudie für den geplanten Schulstandort sei zwar in Arbeit, doch lägen hierfür die Ergebnisse einer Bodenanalyse vom früheren Gelände der Deutschen Bahn noch nicht vor. Zudem müsse noch geklärt werden, wo die Schulstandorte für das fast an das Gelände „Pankower Tor“ angrenzende Entwicklungsgebiet „Blankenburger Süden“ liegen würden.

Nach der Potentialanalyse für den geplanten Einzelhandelsstandort am S-Bahnhof Pankow fehle nun, so Kuhn, als zweiter Schritt eine Verträglichkeitsanalyse. Wie berichtet, wehren sich die Betreiber des Rathaus-Center Pankow vis-a-vis des Rathauses Pankow heftig gegen ein weiteres Shoppingcenter, das nur zwei Straßenbahnhaltestellen entfernt entstehen würde. Ob das am S-Bahnhof Pankow geplante Einkaufszentrum 20 000 oder 30 000 Quadratmeter groß werden darf, steht damit in den Sternen.

ProStadt und Höcker Project Managers sollen einen Bebauungsplan vorbereiten

Zur Betrachtung des Projektes fehlt vor allem ein weiterer wichtiger Baustein, wie Kuhn zugeben muss: „Für die Verkehrsplanung ist uns irgendwo in München ein Bearbeiter verloren gegangen.“ Damit bleiben die Fragen der Verkehrsführung inklusive der Fragen um die Anbindung des öffentlichen Nahverkehrs und der Anbindung an den Autobahnzubringer Richtung Hamburg weiterhin offen. An eine notwendige Änderung des derzeit geltenden Flächennutzungsplans ist unter diesen Voraussetzungen natürlich nicht zu denken.

Letztlich ungeklärt: Ob Kaufhausunternehmer Kurt Krieger, dem das Areal gehört, nun 25 Prozent des geplanten Wohnungsbestandes von rund 1000 Einheiten im Rahmen der kooperativen Baulandentwicklung entwickeln muss oder dreißig Prozent, wie dies neuerdings vorgesehen ist. Wie berichtet, hat das Land das „Berliner Modell der kooperativen Baulandentwicklung“ zum 1. Februar aktualisiert. Dabei wurde die Quote für den mietpreis- und belegungsgebundenen Wohnraum von 25 Prozent auf 30 Prozent angehoben.

Der städtebauliche Rahmenvertrag sei zur Abstimmung im Senat, sagte Bezirksstadtrat Kuhn. Vielleicht könnte man „Ende 2017“ Pläne öffentlich auslegen. Idealerweise sei 2018 ein Beschluss des Abgeordnetenhauses zu erwarten. Zunächst freut sich Kuhn auf den Juni: „Dann sollen alle Fragen noch einmal auf den Tisch, die noch offen waren.“ Inzwischen sei ein Projektsteuerer beauftragt worden, die „Strippen zusammenzufügen“. Zusammen mit dem Eigentümer begleiten nun die Unternehmen ProStadt und Höcker Project Managers die gesamte Entwicklung. Sie sollen einen Bebauungsplan vorbereiten. Beide Unternehmen begleiten unter dem Arbeitstitel „Werksviertel“ derzeit auch die Fortentwicklung des früheren Industrieareals von Pfanni und Zündapp in München zu einem lebendigen Stadtquartier.

Krieger legt Widerspruch gegen Bezirksbescheid ein

Aus Sicht von Bausenatorin Lompscher stellt sich die Lage in Berlin derzeit so dar: „Bevor es voran gehen kann, musste unter anderem belastbar geklärt werden, ob frühere Festlegungen aus dem Flächennutzungsplan zu übergeordneten Straßen obsolet sind, wo die ÖPNV-Interessen der Zukunft liegen, wie viel Einzelhandel das Quartier braucht oder welche Nachnutzungsperspektiven es für die Altbauten auf dem Areal gibt.“ Es hapere an einer Verständigung der Verfahrensbeteiligten über Grundzüge der Planung, sagte Lompscher dem Tagesspiegel.

Über die Zukunft der denkmalgeschützen Altbauten auf dem früheren Bahngelände liegt der Bezirk inzwischen im Rechtsstreit mit Kaufhauseigentümer Kurt Krieger (Möbel Höffner, Kraft, Sconto), respektive mit der Krieger Grundstück GmbH (Schönefeld). Von Verfall bedroht sind die auf dem Gelände liegenden Lokschuppen; der ehemalige Güter- und Rangierbahnhof Pankow wurde 1996 stillgelegt. Der Bezirk hat Krieger inzwischen Zwangsmittel angedroht, um den Rundlokschuppen notdürftig zu sichern. Krieger legte Widerspruch gegen den Bescheid ein. „Der Rechtsstreit ist nicht gerade gut für das Vorhaben“, sagt Bezirksstadtrat Kuhn, „aber der Investor hat gekauft wie gesehen.“

Auf dem zirka 40 Hektar großen Areal nördlich der Pankower Granitzstraße zwischen den S-Bahnhöfen Pankow und Pankow-Heinersdorf sollen rund 1000 Wohnungen, Schulen sowie mehrere Möbelmärkte gebaut werden.

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