Poshtel : Hostels der Luxusklasse

Klapprige Stockbetten und eine schlecht sortierte Gemeinschaftsküche waren gestern. Heute erobern schicke "Poshtels" Großstädte wie Berlin.

Philipp Laage
Stylisch. Nicht nur die Lobby des Hostels „ONE80“ am Alexanderplatz passt gut in die Kategorie Poshtel. Es definiert sich als trendige Jugendherberge.
Stylisch. Nicht nur die Lobby des Hostels „ONE80“ am Alexanderplatz passt gut in die Kategorie Poshtel. Es definiert sich als...Foto: Azure/dpa

Bei Hostels denken viele an klapprige Stockbetten mit schnarchenden Fremden, zugige Flure und eine schlecht sortierte Gemeinschaftsküche. Die Einrichtung ist nicht schön, aber funktional. Doch dieses Bild ist überholt, eine neue Form des Hostels hat seinen Siegeszug angetreten: das Poshtel. Dabei handelt es sich um eine Wortschöpfung aus „posh“ (schick) und Hostel – und einen absoluten Trend. Die Reisebibel Lonely Planet sprach bereits vom unaufhaltsamen Aufstieg der Poshtels. Was hat es damit auf sich?

Das Poshtel verbindet das Gemeinschaftskonzept des Hostels mit einem aufregenden Design und besonderen Annehmlichkeiten. „Die Gäste finden eine Ausstattung vor, die man sonst nicht mit einem Hostel verbindet, zum Beispiel Pool, Dachterrasse, Bar, Restaurant und kostenloses Frühstück“, sagt Paul Halpenny von Hostelworld.com. In einigen Poshtels werden auch Live-Musik oder Ausstellungen angeboten. Das Poshtel ist also nicht mehr bloß ein möglichst günstiger Platz zum Übernachten, sondern ein ansprechender Ort, an dem man sich gerne aufhält. Die Nacht ist trotzdem deutlich günstiger als in einem Hotel.

Halpenny spricht von einer „Revolution der Hostels“, die in den vergangenen Jahren stattgefunden habe. Heute hätten neun von zehn Häusern auch private Zimmer und es sei schwer, kein kostenloses WLAN zu finden. Die Ansprüche der Reisenden sind gestiegen und mit ihnen haben sich Einrichtung und Ambiente der Hostels verbessert.

Zwischen Boutique-Hotel und Budget-Absteige

„Früher boten Hostels ein günstiges Bett für die Nacht“, sagt Tobias Warnecke, Referent beim Hotelverband Deutschland (IHA). „Heute legen die Reisenden zunehmend Wert auf das Design und die Ästhetik ihres temporären Zuhauses, ohne auf den günstigen Preis und die gesellige und ungezwungene Atmosphäre eines Hostels verzichten zu wollen.“

Der Begriff Poshtel ist also mehr eine raffinierte Beschreibung für eine Entwicklung, die schon lange im Gange ist. „Poshtels erleben in ganz Europa und weltweit eine starke Nachfrage“, bestätigt Gillian Tans, CEO der weltweit größten Hotelbuchungsplattform Booking. Das ist zunächst nicht so offensichtlich, weil der Begriff Poshtel noch nicht so verbreitet ist. Die Häuser werden oft als Design-Hostels oder Boutique-Hostels vermarktet. Doch gemeint ist immer das gleiche: ein hipper Hybrid aus Lifestyle-Hotel (Boutique-Hotel) und Budget-Absteige.

Spätestens seit dem Aufstieg der Kette Motel One versuchen die Hotels in den Großstädten, Zimmer in zeitgemäßem Design für überschaubares Geld anzubieten. Doch an die Hostel-Preise kommen sie nicht heran. Es sind die angesagten Metropolen Europas, in denen mehr und mehr Poshtels öffnen. Paul Halpenny nennt etwa das „Wallyard Concept Hostel“ in Berlin, das „Sunset Destination“ in Lissabon und das „TOC Hostel“ in Barcelona. Gerade in der deutschen Hauptstadt finden sich viele Poshtels, zum Beispiel das „The Cat's Pajamas“, das „Generator“ in Berlin-Mitte oder das „ONE80“. Doch auch in Städten wie Chicago, Tokio oder Sydney gibt es schicke City-Hostels für wenig Geld.

Die Zielgruppe ist gemischt

Auch die klassische Hotellerie versucht, diese Nische zu belegen und legt ihrerseits Design-Hotels, Boutique-Hotels oder Lifestyle-Hotels auf. Einen Namen gemacht haben sich hier etwa die Häuser von 25hours, Prizeotel oder CitizenM. Und die großen etablierten Hotelketten legen frische und design-orientierte Marken auf, um jüngere Gäste anzusprechen und mit Airbnb mithalten zu können. Andersherum kann sich ein Gast in einem Hostel mit Einzelzimmer und privatem Bad durchaus wie in einem Hotel fühlen.

„Scharfe Abgrenzungen der einzelnen Marktsegmente werden immer schwieriger und verschwimmen zusehends“, sagt Tobias Warnecke. AccorHotels zum Beispiel hat gerade die Marke „JO&JOE“ speziell für Millenials vorgestellt, 50 Häuser sollen bis 2020 weltweit entstehen. Handelt es sich eher um ein Hotel oder Hostel? Eine Firmensprecherin will sich da auf Anfrage gar nicht festlegen. Sie spricht von einem „open house“.

Ebenso unscharf wie das Segment ist die Zielgruppe der Poshtels. „Wir sehen bei Booking.com, dass die Faszination von Poshtels nicht nur bei Backpackern oder jungen Menschen wächst“, sagt Gillian Tans. „Bei uns buchen Reisende jeden Alters und jeder Herkunft diese Unterkünfte.“

Doch auch die Rucksackreisenden von heute haben wenig mit den kiffenden Hippies von einst zu tun. Sie reisen individuell, aber mit Laptop und Smartphone. Und sie suchen Unterkünfte mit schickem Ambiente, für die sie gerne auch mal etwas mehr Geld ausgeben. Flashpacker werden sie manchmal genannt.

Poshtels sind weitaus günstiger als klassische Hotels

Im Prinzip sind Poshtels die perfekten Anlaufpunkte für alle Individualreisenden, die gleichzeitig eine stylishe Unterkunft und die Geselligkeit eines Hostels schätzen – und die nicht jeden Euro umdrehen müssen. Dabei sind Poshtels trotzdem weitaus günstiger als klassische Hotels. Sie vereinen quasi das Beste aus beiden Welten.

Die wenigstens Hostels, die als Poshtels gelten können, werden auf den großen Plattformen unter diesem Namen beworben. Nutzer sollten die Ergebnisliste zuerst nach Hostels filtern, erklärt Booking. Danach lohnt sich die Sortierung nach Gästebewertungen, denn die schicken Hostels sind in der Regel sehr beliebt. Schließlich kann der Nutzer anhand der Fotos seine Lieblingsunterkunft wählen.

(dpa)

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