Potsdam-Babelsberg : Letzte Klappe für die Dokfilm Studios

Das ehemalige Defa-Gelände wurde an ein Investmentunternehmen verkauft. Geplant ist eine umfassende Sanierung der denkmalgeschützten Bestandsobjekte sowie der Neubau von Mehrfamilienhäusern.

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Alter Charme. Die Bestandsbauten stehen unter Denkmalschutz.
Alter Charme. Die Bestandsbauten stehen unter Denkmalschutz.Foto: Promo

Die Dokfilm Studios der Defa in Babelsberg sind erneut verkauft worden. Die Arbireo Capital AG, ein unabhängiges, auf die Immobilienbranche spezialisiertes Beratungs- und Investmentunternehmen, hat sie erworben. Dies teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Hier sollen auf rund 15.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche über 100 neue Wohneinheiten zwischen einem und drei Zimmern entstehen.

„Die Defa Filmstudios passen perfekt in unsere Value-Add-Strategie mit Umnutzungsprojekten im Wohnimmobilienmarkt“, lässt sich Klaus Fürstenberg, Managing Director von Arbireo Capital, zitieren. „Das geschichtsträchtige Areal, für das bereits eine Baugenehmigung vorliegt, bietet hervorragendes Potenzial über die gesamte Wertschöpfungskette."

Film ab. So soll auf dem Gelände gewohnt werden.
Film ab. So soll auf dem Gelände gewohnt werden.Foto: Promo

Im Rahmen eines so genannten Club Deals – dazu schließen sich mehrere Unternehmen zu einem Konsortium zusammen – ist eine umfassende Sanierung der denkmalgeschützten Bestandsobjekte sowie der Neubau von zusätzlichen Mehrfamilienhäusern geplant. Für den Baubeginn ist das dritte Quartal 2016 avisiert, teilte die Arbireo Capital AG mit.

Hier entstand der erste deutsche Nachkriegsfilm

Für den Einzelverkauf der Wohnungen ist zum Teil die Denkmal-AfA vorgesehen. Die früheren Defa Filmstudios unterliegen dem Umgebungsschutz des UNESCO Weltkulturerbe und liegen im größten Potsdamer Stadtteil Babelsberg direkt südlich des Babelsberger Parks.

Die Ateliers stammen aus dem Jahr 1939. Sieben Jahre später drehte Wolfgang Staudte dort - damals hießen sie noch Althoff-Studios - den ersten deutschen Nachkriegsfilm „Die Mörder sind unter uns“ mit Hildegard Knef. Das 1946 gegründete Studio für Kurzfilme avancierte zum Hauptquartier für DDR-Kurzfilme. Bis zur Wende gehörte die Defa-Dokfilm zu den weltweit größten Studios von Dokumentarfilmen, von Fernsehfeatures und -serien, bis hin zu Werbe- und Ausbildungsfilmen. Hier entstanden unter anderem mehr als 2000 Wochenschauen.

1997 gab es einen Anlauf zur Privatisierung. In Presseberichten war von dem alten Firmen-Logo „dokFilmstudio“ die Rede und von Ministerpräsident Manfred Stolpe, der, begleitet von Potsdams Oberbürgermeister Horst Gramlich (beide SPD), verkündete, wer hier für einige Jahre das Sagen haben würde: Die „Park-Studios GmbH Babelsberg“.

Anfang des vergangenen Jahres kaufte Studio Hamburg, eine NDR-Tochter, die Babelsberger Park Studios in Alt Nowawes. Die Studios sollten als Tochterunternehmen neben Studio Berlin Adlershof und Studio Berlin Broadcast für technische Dienstleistungen zuständig sein. Zu diesem Zeitpunkt waren die alten Zeiten längst vorbei.

Die Park Studios hatten 2014 unter anderem „Die SLK Millionen Show“ für Sat 1, die ZDF-Show „Wir sind das Volk“ und die RTL-Casting-Show „Das Supertalent“ 2014 produziert.

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