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Italienische Waldreben sind besonders robust, gesund und blühen reich

Tassilo Wengel

Baumschulen und Gartencenter bieten im Frühjahr eine reiche Auswahl von Waldreben (Clematis) an. Doch nur selten findet man im Angebot die Italienische Waldrebe (Clematis viticella) und ihre Sorten. Sie gelten als besonders winterhart und resistent gegenüber der Clematis-Welke. Die Pflanzen wachsen üppig, sind reich blühend und vertragen sonnig-warme Standorte besser als viele andere Clematis-Sorten.

Clematis viticella gehört neben der Alpenwaldrebe (Clematis alpina) und der Gemeinen Waldrebe (Clematis vitalba) zu den wenigen in Europa heimischen Arten der Gattung Clematis. Bereits in der Mitte des 16. Jahrhunderts war die Italienische Waldrebe als Gartenpflanze bekannt, der Apotheker der englischen Königin Elisabeth I., kultivierte sie. Es gab damals bereits Farbvarianten und auch Pflanzen mit gefüllten Blüten. Wegen ihrer „Schönheit und der lang andauernden Blüte halber“ schätzte man sie für Lustgärten, wie Johann Gottlieb Gleditsch in seinem „Pflanzenverzeichnis zum Nutzen und Vergnügen der Lust- und Baumgärtner und aller Liebhaber“, im Jahre 1773 bemerkte.

Den Grundstock für das Sortiment legten um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert vor allem die Franzosen Lemoine in Nancy und Morel in Lyon. Aus dieser Zeit stammen die heute noch sehr beliebten Sorten wie ,Venosa Violacea‘, ,Kermesina‘, ,Etoile Violette‘ oder ,Royal Velours‘. Erst nach einer langen Pause wurden Ende des 20. Jahrhunderts wieder Züchter aktiv, vor allem im Norden und Osten Europas. Heute sind rund 30 Sorten der Clematis viticella in speziellen Baumschulen erhältlich.

Die Italienische Waldrebe wirkt besonders dekorativ, wenn sie zwischen großen lockeren Sträuchern oder an kleinen Bäumen empor klettert. Die zierliche Liane wird etwa vier Meter hoch und hat meist doppelt, selten einfach gefiederte Blätter mit fünf bis sieben Blättchen. Sie sind elliptisch bis schmal lanzettlich, ganzrandig oder dreilappig und bis fünf Zentimeter lang. Von Juni bis September schmückt sich die Art mit drei bis fünf Zentimeter breiten, lang gestielten Blüten, die einzeln in den Blattachseln sitzen. Sie entfalten vier eiförmige, flach ausgebreitete Blütenblätter von purpurrosa bis violett.

Die Art und ihre Züchtungen benötigen einen nährstoffreichen, durchlässigen, sandig-lehmigen bis lehmigen Boden und gedeihen am besten bei einem neutralen bis alkalischem pH-Wert. Während der obere Teil der Pflanze volle Sonne verträgt, sollte der Wurzelhals und dessen Umgebung kühl und schattig bleiben. Günstig ist es deshalb, an den Fuß der Pflanze Stauden oder niedrige Gehölze zu pflanzen.

Zum Pflanzen wird ein etwa 40 Zentimeter tiefes Loch ausgehoben, in das gut verrottete Komposterde und eine Handvoll Hornspäne hineingegeben werden. Das Ganze wird mit dem vorhandenen Boden vermischt. Die Waldrebe wird so in das Pflanzloch gestellt, dass sie etwa fünf bis acht Zentimeter tiefer steht als ursprünglich im Pflanztopf. Nun füllt man die Erde auf, drückt sie leicht an und gießt reichlich Wasser dazu.

Großblumige Waldreben-Sorten kommen vor allem an Pergolen, Hausspalieren oder Rosenbögen gut zur Geltung, zierliche Exemplare eignen sich besonders gut als Begleitpflanzen für Gehölze, beispielsweise für Hecken. Die Pflanze klettert leicht zwischen den Zweigen empor und schmückt die Hecke im Sommer mit ihren Blüten. Auch an einzeln stehende Blütensträucher oder kleine Bäume kann sie gepflanzt werden.

Bei der Auswahl kommt es nicht nur auf die Farbe der Blüten an, sondern auch auf deren Größe. Sie reicht von rund fünf bis etwa zehn Zentimetern bei den Sorten. Hybriden zeigen Blüten von einem bis zu 22 Zentimetern.

Zu beachten ist, dass man kräftige Kletterer für höhere Bäume verwendet, während die zierlichen Sorten für kleine Sträucher geeignet sind. Sehr wirkungsvolle Kombinationen bieten sich auch mit Rosen an. Dafür eignen sich Kletter- und Strauchrosen. Um die Wurzeln der bereits vorhandenen Rosen nicht zu beschädigen, gräbt man vorsichtig mit einer Handschaufel das Loch in einem Abstand von etwa 30 Zentimetern aus.

Da es sich bei Clematis viticella und ihren Züchtungen um Sommerblüher handelt, sollten sie im Winter oder im zeitigen Frühjahr weit zurückgeschnitten werden. Sie blühen dann an den Trieben, die sich im Laufe des Frühjahrs bilden. Unterlässt man den Rückschnitt, entwickeln sich nur im oberen Bereich der Pflanze neue Triebe mit Blüten.

Clematis-Kulturen, Friedrich Manfred Westphal, Peiner Hof 7, 25497 Prisdorf, Telefon: 041 01/741 04, Fax: 041 01/78 11 13.

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