Prenzlauer Berg : „Mietpreisbremse ist ein effizientes Mittel“

Der Stadtplaner Ulf Maaßen im Gespräch über die Entwicklung von Prenzlauer Berg, das Umwandlungsverbot und den Wohnungsneubau.

"Baulich hat sich Weißensee verbessert", sagt Ulf Maaßen, Stadtplaner
"Baulich hat sich Weißensee verbessert", sagt Ulf Maaßen, StadtplanerFoto: promo

Prenzlauer Berg und Alt-Pankow sind für Familien besonders attraktiv. Warum?
Nach der Wende war in Prenzlauer Berg der Leerstand in den Altbauwohnungen hoch. In die sehr günstigen Wohnungen sind über Jahre Studenten gezogen. Viele wohnen heute noch im Kiez, verdienen teilweise gutes Geld und gründen Familien. Die gründerzeitlichen Häuser wurden sukzessive saniert, Parks und Plätze ansprechend neu gestaltet. Wo früher in den 90er Jahren noch ein cooler Club war, ist heute ein Kinderbekleidungsladen und morgen vielleicht ein Hörgeräteakustiker. Man hat alles in der Nähe, was man zum Leben braucht. Das zieht weiterhin Neuberliner an, obwohl die Mieten gestiegen sind und Eigentum kaum noch finanzierbar ist. Die Studenten heutzutage ziehen allerdings eher nach Neukölln oder Wedding.

Welchen Effekt wird die Mietpreisbremse im Bezirk haben?

Die meisten Prenzlauer Berger wohnen heute noch mit Kaltmieten unter sieben Euro pro Quadratmeter. Wohnungssuchende hingegen müssen oft deutlich mehr zahlen. Die Mietpreisbremse halte ich daher kurzfristig für ein effizientes Mittel, um rasante Mietsteigerungen zu verhindern – insbesondere im Zusammenspiel mit dem anstehenden Umwandlungsverbot von Miet- zu Eigentumswohnungen sowie der verlängerten Frist bei Eigenbedarfskündigungen.

Ob dies jedoch langfristig Sinn ergibt, bezweifele ich. Denn gegen steigende Mieten hilft langfristig nur ein größeres Angebot: also Neubau. Das anstehende Umwandlungsverbot erschwert zudem, dass junge Familien ihr Geld in Wohneigentum investieren können. Während in der Vergangenheit Wohneigentum staatlich gefördert wurde, wird dies nun durch die gezielte Reduzierung des Angebots für viele unmöglich gemacht.

In den nächsten Jahren sollen im Bezirk 3000 neue Wohnungen entstehen. Wie beurteilen Sie die Projekte?
3000 Wohnungen bedeutet im Durchschnitt für jeden Pankower Bürger weniger als einen Quadratmeter mehr Wohnfläche. Das ist wenig, aber ein Ansatz. Entscheidend zur Entlastung des Mietwohnungsmarkts ist, dass der Bezirk Flächen in guten Lagen für Wohnungsneubau ausweist.

Weißensee, vor allem die Weißenseer Spitze, galt vor Jahren noch als Geheimtipp. Wie hat sich der Stadtteil entwickelt?
Das ist ein Stadtteil mit einer schönen Mischung aus Gewerbehöfen und Altbauten. Viele Familien leben dort seit Generationen. Baulich hat sich der Kiez in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Einige sehr interessante Bauprojekte mit hoher Wohn- und Grünflächenqualität sind entstanden. Die Weissenseer Bevölkerung empfinde ich als sehr aufgeschlossen gegenüber Veränderungen, wie etwa den Zuzügen von Familien aus dem Prenzlauer Berg, die sich nur noch dort ihren Traum vom Wohneigentum leisten können. Wer heute nach Weißensee zieht, bleibt dort. Denn die Lebensqualität ist mit dem See, den Grünanlagen und der Sozialstruktur hoch.

Das Interview führte Tong-Jin Smith.

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