Immobilien : Rathaus könnte Wohnungen Platz bieten

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Herr Schulte, Charlottenburg-Wilmersdorf gilt derzeit als Bezirk im Aufschwung. Bestätigen Sie das als Stadtrat für Stadtentwicklung und Ordnungsangelegenheiten?

Marc Schulte: Wir erleben tatsächlich gerade einen Run beim Wohnungsbau. Sogar in Bereichen, die nicht in der Nähe des Kurfürstendamms liegen, beobachten wir die Tendenz, Wohnraum zu schaffen – zum Beispiel in Charlottenburg-Nord in der Nähe des Mierendorffplatzes.

Vor einem Jahr hat eine Studie des Beratungsunternehmens BulwienGesa vor einer Wohnungsknappheit in der City-West gewarnt und angeregt, leer stehenden Büroraum zu Wohnungen umzunutzen. Wie stehen Sie dazu?

Grundsätzlich wollen wir die Charlottenburger Mischung aus Wohnen und Arbeiten erhalten. Bei Umbauten oder Erweiterungen verlangen wir meist einen Wohnanteil von 20 bis 25 Prozent. Während das früher ein Ärgernis für die Investoren war, begrüßen sie das heute, da sie wissen, dass sie die Wohnungen gut vermieten können.

Wie ist der Stand bei der geplanten Wohnbebauung auf der Gerhart-Hauptmann- Anlage hinter dem Haus der Berliner Festspiele?

Dazu hat am 6. März eine Bürgerversammlung stattgefunden. Grundsätzlich müssen wir darauf achten, dass auch in der City-West Grünflächen erhalten bleiben. Ich glaube auch nicht, dass es immer Neubau sein muss, sondern sehe ein großes Potenzial in der Sanierung von Gebäuden aus den 60er und 70er Jahren.

In solchen Fällen werden oft Miet- in Eigentumswohnungen umgewandelt. Ist das nicht sozial problematisch?

Ich sehe hier auch positive Beispiele. Zum Beispiel erleben wir gerade einen Boom bei der Innenhofbebauung. Dort bauen Investoren Wohnungen, die sie dann teurer vermieten können als die in den Bestandsgebäuden. Es ist gut, wenn Investoren die Chance haben, in den Bau von Miet- und nicht nur von Eigentumswohnungen zu investieren. Um das soziale Gefüge zu erhalten, kommt im Übrigen den städtischen Wohnungsunternehmen eine Schlüsselstellung zu.

Der Bezirk will sein Rathaus Wilmersdorf verkaufen. Wäre es vorstellbar, dort Wohnraum zu schaffen?

Partiell kann ich mir das durchaus vorstellen. Zwar liegt das Rathaus am verkehrsreichen Fehrbelliner Platz, aber es gibt auch ruhige Innenhofbereiche.

Was macht Ihren Bezirk als Wohnstandort attraktiv?

Charlottenburg-Wilmersdorf ist der Bezirk des zweiten Blicks. Wenn Studierende nach Berlin kommen, wollen sie meist in einem Stadtteil wohnen, wo die Wohnungen günstig sind und das Leben tobt. Aber wenn sie eine Familie gründen, möchten es viele etwas ruhiger haben und trotzdem in der Innenstadt wohnen. Und dann ist Charlottenburg-Wilmersdorf mit seinen Altbauwohnungen sehr attraktiv.

Mit Bezirksstadtrat Marc Schulte sprach Christian Hunziker

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